Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 02.10.2018

Anja Weber: Alleinerziehende brauchen mehr Unterstützung

Kind mit Mutter

CC BY-NC-SA bejolino

Laut einer aktuellen Auswertung des DGB sind 45 Prozent der Alleinerziehenden in NRW auf Hartz IV angewiesen. 25 Prozent dieser alleinerziehenden Hartz-IV-Empfänger/innen verfügen über keinen Schulabschluss, 71 Prozent können keine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen. Dazu erklärt Anja Weber, Vorsitzende des DGB NRW:

"In keiner anderen Familienform ist die Hartz-IV-Quote so hoch wie bei Alleinerziehenden und ihren Kindern. Das zeigt: Wir müssen uns deutlich mehr um diese Gruppe kümmern und ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt nachhaltig verbessern. Das A&O wird dabei sein, dass Berufsabschlüsse nachgeholt werden können. Die Praxis zeigt, dass Teilzeit-Ausbildungen am besten geeignet sind, um berufliche Fortschritte und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bekommen. Arbeitsagenturen und Jobcenter haben das erkannt, sollten dieses Instrument aber noch stärker nutzen. Unternehmen fordern wir auf, sich stärker für Alleinerziehende und Teilzeitausbildungen zu öffnen. Vor dem Hintergrund des beklagten Fachkräftemangels kann so eine Win-Win-Situation für Betrieb und Alleinerziehende entstehen.

Darüber hinaus müssen die finanziellen Rahmenbedingungen während der Weiterbildung verbessert werden. Wir brauchen einen Zuschlag auf Arbeitslosengeld oder Hartz IV, wenn eine Weiterbildung gemacht wird, damit sich der Abschluss der Weiterbildung mehr lohnt als ein kurzfristiger Job im Niedriglohnbereich. Das könnte politisch auch sehr schnell beschlossen werden, wenn der Zuschlag noch ins laufende Gesetzgebungsverfahren zum 'Qualifizierungschancengesetz' aufgenommen wird.

Zudem stehen Bund, Land und Kommunen in der Pflicht, die Kinderbetreuung weiter auszubauen. Aktuell liegt die Betreuungsquote für unter drei Jährige in NRW bei nur 27 Prozent. Gerade für Alleinerziehende ist eine bedarfsdeckende Kinderbetreuung aber besonders wichtig, damit sie Berufstätigkeit und Familie tatsächlich vereinbaren können."


Nach oben

Themenverwandte Beiträge

Pressemeldung
Sabine Graf: Mit Tarifbindung und sozialem Arbeitsmarkt Kinderarmut bekämpfen
Aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zeigen: Vergangenes Jahr lebten 18,6 Prozent aller Kinder in Nordrhein-Westfalen in Familien, die Hartz IV beziehen, Tendenz steigend. "Unter den deutschen Flächenländern liegen wir damit auf dem traurigen dritten Platz. Nordrhein-Westfalen hat ganz offensichtlich ein Problem mit Kinderarmut", erklärt Dr. Sabine Graf, stellvertretende Vorsitzende des DGB NRW. Zur Pressemeldung
Pressemeldung
Jobs mit Perspektive schaffen – Diakonie RWL und DGB NRW fordern Ausbau des sozialen Arbeitsmarkts in NRW
DGB NRW und Diakonie fordern die Landespolitik auf, den sozialen Arbeitsmarkt in Nordrhein-Westfalen umzusetzen. Besonders Langzeitarbeitslose mit Kinder sollten hier eine unbefristete, sozialversicherte und tariflich bezahlte Beschäftigung finden. Zur Pressemeldung

Social Media

DGB NRW bei Facebook DGB NRW auf Twitter folgen