Deutscher Gewerkschaftsbund

30.07.2015

Karin Wolk: "Die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer würden vergessen werden, wenn es die Gewerkschaften nicht gäbe!"

Karin Wolk, Vorsitzende des DGB-Ortsverbands Rheinberg-Alpen-Sonsbeck-Xanten, erklärt, warum sie für den DGB ehrenamtlich aktiv ist

Karin Wolk, Vorsitzende des DGB-Ortsverbands Rheinberg-Alpen-Sonsbeck-Xanten

Karin Wolk, Vorsitzende des DGB-Ortsverbands Rheinberg-Alpen-Sonsbeck-Xanten DGB NRW

"Ich bin am ersten Tag meiner Ausbildung in die Gewerkschaft eingetreten. Es standen gerade Jugendvertreterwahlen an; ich habe kandidiert und bin gewählt worden. So war ich dann Mitglied einer siebenköpfigen Jugendvertretung. Alles Jungs, bis auf mich. Ich wurde Vorsitzende und hatte eine Stimme im Betriebsrat. Das war 1965. Ich war neben einer Kollegin die einzige Frau im Betriebsrat und gerade 16, 17 Jahre alt. Die Männer waren erst sehr väterlich. Als sie merkten, dass ich Schmackes, Durchsetzungsvermögen und Argumente hatte, bin ich von ihnen akzeptiert worden. Und mit nur 21 Jahren ging’s für mich zum IG Metall-Gewerkschaftstag – auch in die Bütt. Das war schon was!

"Mein Herz schlägt zuerst immer auf der Gewerkschaftsseite"

Als das Betriebsverfassungsgesetz 1972 geändert wurde, schmissen die Unternehmen viele Gewerkschafter raus. Auch mich traf es. Mit einem Stipendium der Stiftung Mitbestimmung fing ich damals ein Studium bei der Sozialakademie in Dortmund an. Danach stieg ich bei der ÖTV, die später in ver.di aufging, hauptamtlich ein. Dort arbeitete ich, bis ich aus dem Berufsleben ausschied. Seit 2013 bin ich nun Vorsitzende des DGB-Ortsverbands Rheinberg-Alpen-Sonsbeck-Xanten.

Immer wenn hier vor Ort politisch etwas aktuell ist, kümmern wir uns darum. Wir mischen uns ein! Wer wenn nicht wir? Ich bin auch im Stadtrat Rheinberg für die Grünen, aber mein Herz schlägt zuerst immer auf der Gewerkschaftsseite. Denn wir sind stringenter als politische Parteien. Wir gehen ungern Kompromisse ein. Wir suchen viel stärker als die Politik den Kontakt zu den Betriebs- und Personalräten. Und mahnen bei den Großbetrieben wie Amazon an, wenn etwas durchgesetzt werden muss.


Utensilien einer Gewerkschafterin 


"Wenn wir Demokratinnen und Demokraten sind, dann müssen wir uns an den Schwächsten orientieren"

Die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer würden vergessen werden, wenn es die Gewerkschaften nicht gäbe! Wo sonst haben wir unsere Lobby? Die Kapitalisten, so nenne ich sie mal pauschal, haben in Brüssel, in Berlin, in Straßburg ihre fürchterlich gut bezahlten Lobbyisten. Wo haben denn Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer diese? Wo haben Behinderte, wo haben Frauen, wo haben Jugendliche, Ausgegrenzte, Menschen mit Migrationshintergrund, Flüchtlinge ihre große Lobby? Wenn wir Demokratinnen und Demokraten sind, dann müssen wir uns an den Schwächsten orientieren. Schwache in der Gesellschaft brauchen die Solidarität und Unterstützung der Stärkeren. Weil Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter keine eigene Partei haben, müssen wir gucken, dass wir deren Lobby sind! Wir sind mit dem DGB die Politischen und für die überbetrieblichen Themen zuständig. Unsere Gewerkschaften sorgen in den Betrieben dafür, dass die Interessen der Beschäftigten durchgesetzt werden.

"Ich brauche diese Arbeit wie die Luft zum Atmen."

Ich bin für eine bessere, sozialere und gerechtere Welt ohne Unterdrückung und Ausbeutung für Frieden, Freiheit und Demokratie. Ha, das ist ein Satz! Aber das sind meine Ziele, waren es und werden es auch bleiben. Ich möchte meine Überzeugung leben und andere Menschen überzeugen. Wenn wir viele sind, ist Solidarität nicht nur ein Wort, sondern gemeinsam sind wir dann wirklich stark. Ich möchte mitmachen und gestalten. Das wollte ich immer und mache es immer noch. Das ist der rote Faden für 50 Jahre gewerkschaftliches Engagement. Ich brauche diese Arbeit wie die Luft zum Atmen."

Karin Wolk ist Vorsitzende des DGB-Ortsverbands Rheinberg-Alpen-Sonsbeck-Xanten. Seit 50 Jahren engagiert sich die gelernte Industriekauffrau gewerkschaftlich, zuerst bei der IG Metall, dann bei der ÖTV, später in ver.di. Von 1992 bis 2001 war sie ver.di-Geschäftsführerin im Kreis Wesel. Die 66-Jährige sitzt für die Grünen im Stadtrat Rheinberg.

In der Serie "Wir haben die Ehre mit..." stellen wir regelmäßig Ehrenamtliche des DGB NRW vor.


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