Deutscher Gewerkschaftsbund

14.06.2017
Israelischer Gewerkschaftsbund Histadrut zu Besuch bei der DGB-Jugend NRW

Israelisch-deutsches Erinnern, Arbeiten und Leben

Israelische Jugenddelegation in Deutschland

Daniel Shaptay

Anfang Juni empfing die DGB-Jugend NRW elf junge Gewerkschaftsmitglieder aus Israel, mit denen sie zehn Tage Jugendprogramm in Berlin und NRW verbracht hat. Aus NRW nahmen dabei junge Gewerkschaftsaktive teil, die in den letzten beiden Jahren selbst an einer DGB-Jugend-Reise nach Israel teilgenommen hatten. "Mit unseren jährlich organisierten Jugendaustauschen wollen wir die besondere Freundschaft zur Gewerkschaft Histadrut mit Leben füllen. Gemeinsames Erinnern und Gedenken, der Austausch zu Herausforderungen des Arbeitslebens und gesellschaftliche Probleme stehen im Fokus", sagt Eric Schley, Vorsitzender der DGB-Jugend NRW. Er selbst empfing die israelisch-deutsche Gruppe in Köln und organisierte einen Austausch mit Mitgliedern der Jugendorganisation SJD – Die Falken. Für Schley hat der Jugendaustausch mit der Histadrut eine wichtige historische Bedeutung.

Jugendaustausch steht am Anfang gewerkschaftlicher Beziehungen nach Israel

Schon Anfang der 1960er-Jahre wagte der spätere DGB NRW-Vorsitzende Walter Haas eine erste Delegationsreise nach Israel: Damals war der beispiellose Schrecken der Shoah – des organisierten deutschen Massenmords an mehr als 6 Millionen Jüdinnen und Juden – in Deutschland noch gänzlich unaufgearbeitet. Umgekehrt gab es damals aus israelischer (auch gewerkschaftlicher) Sicht keinerlei Gesprächsbedarf mit Deutschen – vor allem mit denjenigen aus der Tätergeneration.

Trotzdem gelang Walter Haas' Delegation eine vorsichtige Annäherung: Israelische Gewerkschafter waren zumindest inoffiziell bereit, mit den jungen deutschen Kollegen zu reden. Aus diesen ersten Gewerkschaftskontakten nach Israel entstand eine echte Partnerschaft – und 1974 unterzeichneten die Vorstände einen Freundschaftsvertrag zwischen dem DGB NRW und der Histadrut Tel Aviv-Jaffo.

Bilder zur Histadrut-Delegation

Aktuelle Herausforderungen im Blick

"Als DGB-Bezirk NRW haben wir heute eine sehr enge Freundschaft zur Histadrut. Wir beschäftigen uns mit der  Vergangenheit, blicken aber auch in die Zukunft: Neben dem gemeinsamen Erinnern steht zum Beispiel ein wertvoller Fachkräfteaustausch", erklärte Dr. Sabine Graf, stellvertretende DGB-Bezirksvorsitzende, die die Delegation in Düsseldorf empfing. Dabei gab sie einen Überblick über die politische Situation in Deutschland und aktuelle sozialpolitische Herausforderungen.

Gemeinsames Gedenken und die heutige Arbeit gegen die extreme Rechte verband ein Termin in Düsseldorf. DGB NRW-Abteilungsleiterin Antonia Kühn, die gleichzeitig Hochschulrätin an der Hochschule Düsseldorf ist, begleitete die DGB-Histadrut-Gruppe zu einem Besuch an der Hochschule: Dabei wurde der Gedenkort "Alter Schlachthof" besichtigt, der sich auf dem Hochschulgelände befindet. Im NS-Regime hatte das Gebäude als zentraler Deportationsort für viele jüdische Opfer der Shoah fungiert. Außerdem gab es Informationen über den Forschungsschwerpunkt Rechtsextremismus und Neonazismus an der Hochschule. "Als Gewerkschaften sind wir uns unserer Geschichte und den aktuellen politischen Herausforderungen bewusst. Dazu gehört auch, die praktische und konzeptionelle Arbeit gegen rechte, demokratiefeindliche Ideologien zu stärken", erläuterte Antonia Kühn.

Breite Einblicke in dunkle Geschichte und die heutige Arbeitswelt

Darüber hinaus besuchte die israelisch-deutsche Gruppe u.a. das ehemalige KZ Sachsenhausen, die Gedenkstätte "Gleis 17" in Berlin und das Haus der Wannseekonferenz. Gespräche mit dem israelischen Gesandten Avraham Nir-Feldklein und der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA) waren Teil der Delegationsreise. Vielfältige Einblicke in die Arbeitswelt – ob bei Thyssen Krupp Steel oder der Uniklinik Düsseldorf – rundeten das Programm ab, das ähnlich bunt war wie die israelische Delegation selbst: Jüdische, muslimische sowie christliche Kolleginnen und Kollegen brachten ihre unterschiedlichen Perspektiven in den Austausch ein.


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