Deutscher Gewerkschaftsbund

28.09.2017
Am Puls der Zeit – Zukunft gestalten

Fachwissen und Austausch: Frauen bilden sich fort für ihre Arbeit in Interessenvertretungen

Tag für Betriebsrätinnen, Personalrätinnen und Interessenvertreterinnen 2017

Gruppenarbeit beim Tag für Betriebsrätinnen, Personalrätinnen und Interessenvertreterinnen in Recklinghausen

DGB NRW

50 Frauen folgten am 27. September 2017 der Einladung von Arbeit und Leben NRW, DGB NRW und ver.di und nahmen am Tag für Betriebsrätinnen, Personalrätinnen und Interessenvertreterinnen in Recklinghausen teil. Die Tagung stand unter dem Moto "Am Puls der Zeit – Zukunft gestalten". Bei spannenden Vorträgen und Workshops tauschten sich die Teilnehmerinnen über Themen wie die Digitalisierung der Arbeitswelt, Änderungen des Arbeitsrecht oder Strategien für die Arbeit im Betriebsrat aus.

Auf dem Weg zur Tagung hatten viele Teilnehmerinnen die Nachricht bereits im Radio gehört: Saudi-Arabien erlaubt Frauen von nun an das Autofahren. Während das arabische Königreich noch weit von einer Gleichstellung von Männern und Frauen entfernt ist, haben Frauen in Deutschland bereits viele Erfolge errungen. Aber auch diese ließen auf sich warten: "Bis 1977 mussten Frauen ihren Ehemann um Erlaubnis bitten, um arbeiten zu gehen", erläutert Susan Paeschke, stellvertretende Landesgeschäftführerin von Arbeit und Leben NRW, in ihrem Eröffnungsvortrag. Heute mischen Frauen zum Glück nicht nur die Arbeitswelt auf, sondern sind aktiv in Betriebsräten, Personalräten und Gewerkschaften tätig. Wie sie die Zukunft der Arbeitwelt und der Betriebe gezielt mitgestalten können, war das Thema der diesjährigen Tagung.

Arbeiten in einer digitalisierten Welt

Die Zukunftsforscherin Cornelia Daheim stellte in ihrem Vortrag die aktuellen Trends der Digitalisierung vor. "50 Prozent der heutigen Berufe werden in den nächsten zwei Jahrzehnten automatisierbar sein", so Daheim. Schon heute schreiben Maschinen in den USA Nachrichtenmeldungen. Und automatische Kassen sind uns auch aus Deutschland längst vertraut. Gleichzeitig bringe die Digitalisierung aber auch die Möglichkeit, flexibler zu arbeiten und neue Arbeitszeitmodelle zu etablieren. Auch neue "Zukunftsberufe" werden sich entwickeln.

Spannende Themen standen auf dem Programm beim Tag für Betriebsrätinnen, Personalrätinnen und Interessenvertreterinnen in Recklinghausen

Spannende Themen standen auf dem Programm beim Tag für Betriebsrätinnen, Personalrätinnen und Interessenvertreterinnen in Recklinghausen DGB NRW

Was hat sich beim Arbeitsrecht für Frauen getan?

Die Rechtsanwältin Dr. Lena Oerder gab einen kompakten Einblick in die wichtigsten gesetzlichen Änderungen, die die Situation von Frauen auf dem Arbeitsmarkt verändert haben. "Von der Einführung des Mindestlohns haben insbesondere Frauen profitiert", so Oerder. "Denn Frauen sind überproprortional in Branchen beschäftigt, in denen vorher ein deutlich niedrigerer Lohn gezahlt wurde." Ein Schritt zu mehr Transparenz bei den Gehältern ist das Entgelttransparenzgesetz, das seit Juli 2017 in Kraft ist. Jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter hat das Recht, Auskunft darüber zu erhalten, wie sich sein Entgelt sowie das Entgelt einer Vergleichsgruppe zusammensetzt. Auch die Einführung (freiwilliger) betrieblicher Prüfverfahren und die Berichtspflicht von großen Unternehmen sind ein erster, wenn auch kleiner Schritt zu mehr Transparenz und Gleichberehctigung. "Einiges ist gut an diesem Gesetzt", findet Oerder. "Vieles aber auch eher so mittel."

Lebhafte Diskussionen beim Tag für Betriebsrätinnen, Personalrätinnen und Interessenvertreterinnen in Recklinghausen

Die Vorträge boten Anlass zu lebhaften Diskussionen unter den Teilnehmerinnen DGB NRW

Wie man sich als Frau durch eine Männerwelt kämpft

Die meisten interessenvertretenden Gremien sind überwiegend mit Männern besetzt. Drei Betriebsrätinnen berichteten auf dem Podium von ihren Erfahrungen, wie sie sich in dieser Welt behauptet haben und welche Ziele sie sich für die Zukunft gesetzt haben. "Es ist für Frauen oft schwierig, wahrgenommen zu werden und sich durchzukämpfen", berichtet Daniela Falkenhorst, die bei der Telekom arbeitet. Ähnliches erlebte Cornelia Parisi-Bohmholt. Ihr wurde von männlichen Kollegen unterstellt, dass sie nur durch den Faktor Frau in den Betriebsrat gelangt sei. "Ich musste erstmal beweisen, dass ich aufgrund meiner Kompetenzen und Fähigkeiten hier bin." Gleichzeitig war es ihr wichtig, authentisch zu bleiben: "Es nützt nichts sich anzupassen und in die klassische Männerrolle zu schlüpfen. Das bringt uns nicht weiter", so Parisi-Bohmholt. Darin stimmt auch Katrin Michel überein: "Man braucht für diese Arbeit viel Selbstbewusstsein und den Mut, etwas Neues auszuprobieren."

Betriebsrätinnen berichten von ihren Erfahrungen, Zielen und Visionen im Betriebsrat

Betriebsrätinnen berichten von ihren Erfahrungen, Zielen und Visionen im Betriebsrat DGB NRW

Der letzte Programmpunkt der Tagung waren abschließende Workshops in Kleingruppen, in denen einzelne Themen vertieft werden konnten. Das Fazit der Veranstaltung: in der Zukunft werden Frauen sich noch weiter einmischen und aktiv die Arbeitswelt gestalten.


Nach oben