Deutscher Gewerkschaftsbund

25.09.2017

7.000 Menschen demonstrieren gegen die Fusion der Stahlsparte von thyssenkrupp und Tata

"Stahl ist Zukunft!", skandierten rund 7.000 Demonstrantinnen und Demonstranten am Freitag auf einer Großkundgebung der IG Metall in Bochum. Sie protestierten gegen den geplanten Zusammenschluss der Stahlsparten von thyssenkrupp und dem indischen Konzern Tata, den die Konzernspitze vergangenen Mittwoch beschlossen hatte. Das energische Auftreten der Arbeitnehmervertreter scheint nun für Bewegung zu sorgen: Am Samstag kündigte der Konzern an, dass eine Arbeitsgruppe den Streit um die Stahlfusion beilegen solle.

 

Beschäftigte demonstrieren gegen die Fusion der Stahlsparte von thyssenkrupp und Tata

DGB NRW

Als einen "Deal durch die Hintertür" bezeichnete Willi Segerath, Konzernbetriebsratsvorsitzender von thyssenkrupp, die Fusionspläne mit Tata. Zwei Jahre lang hatten Verhandlungen hinter verschlossenen Türen stattgefunden und am Ende erfuhr die Arbeitnehmerseite durch eine Pressemitteilung von dem Beschluss des Konzerns. "Wir wollen in die Entscheidungsfindung mit einbezogen werden", so Segerath. "Das ist das Grundprinzip der Demokratie und die hört am Werkstor nicht auf."

 

Beschäftigte demonstrieren gegen den Zusammenschluss der Stahlsparte von thyssenkrupp und Tata

DGB NRW

Gewerkschaft befürchtet Massen-Entlassungen und Ende der Montan-Mitbestimmung

Welche Folgen der Zusammenschluss für die Beschäftigten von thyssenkrupp haben wird, ist noch ungewiss. Die Fusionspläne zwischen thyssenkrupp und Tata sehen derzeit vor, den Firmensitz in die Niederlande zu verlegen. Die Beschäftigten befürchten Standort-Schließungen und Massen-Entlassungen sowie ein Ende der Montan-Mitbestimmung, also der paritätischen Zusammensetzung des Aufsichtsrates mit Anteilseignern und Arbeitnehmern. "Wir brauchen Transparenz, was passieren soll, und keine billigen Erklärungen", mahnte Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall NRW, auf der Kundgebung. "Wir sind nicht davon überzeugt, dass die Fusion mit Tata der beste und richtige Weg für thyssenkrupp Steel ist. Die Fragen sind mehr geworden und nicht weniger. Statt Absichtserklärungen brauchen wir Sicherheiten für die Belegschaften und die Standorte."

Was ist die Montan-Mitbestimmung?

Die Montan-Mitbestimmung sichert die Beteiligung von Arbeitnehmervertretern in den Aufsichtsräten von Unternehmen im Bergbau sowie in der Eisen- und Stahlindustrie ("Montan-Industrie"). Grundlage ist das Montan-Mitbestimmungsgesetz von 1951. Das Montan-Mitbestimmungsgesetz ist eines der ältesten und weitreichendsten Regelung zur Unternehmensmitbestimmung in Deutschland. Es gilt für Unternehmen der Montanindustrie ab 1.000 Beschäftigten. Aufsichtsräte müssen dort zu gleichen Teilen mit Vertretern der Arbeitnehmer- und der Anteilseignerseite besetzt werden.

Nahles und Laumann auf Kundgebung: Stahl wichtig für NRW und Deutschland

Unterstützung erhielten die Demonstranten auch aus der Politik. Vertreter von SPD, der Linken, den Grünen sowie der CDU wohnten der Kundgebung bei. Bundearbeitsministerin Andreas Nahles (SPD) betonte in ihrer Rede die große Bedeutung des Stahls für die deutsche Industrie: "Wir dürfen nicht zulassen, dass der Stahl aus Deutschland verschwindet. Die Arbeit, die ihr leistet, braucht dieses Land." Auch NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) kündigte an, sich für die Zukunft des Stahls einzusetzen: "Es geht um den Industriestandort Nordrhein-Westfalen und damit um das Rückrat unseres Landes. Thyssenkrupp muss in NRW bleiben."

Arbeitsgruppe soll Streit um Stahl-Fusion beenden

Einen Tag nach der Demonstration in Bochum tagte der Aufsichtsrat. Das energische Engagement der Arbeitnehmervertreter sorgt für Bewegung: Im Anschluss an die Sitzung gab der Konzern bekannt, dass eine Arbeitsgruppe aus Vertretern des Managements und des Betriebsrats nun den Streit um die Abspaltung der Stahlsparte von thyssenkrupp beilegen soll. Arbeitsdirektor Oliver Burkhard und IG Metall-Sekretär Markus Grolms, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzende der thyssenkrupp AG, werden die Arbeitsgruppe leiten. IG Metall NRW-Bezirksleiter Giesler begrüßte, dass endlich alle Fakten zu der Fusion auf den Tisch kommen.



Fotos der Demonstration

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