Deutscher Gewerkschaftsbund

17.05.2013

Den demografischen Wandel gestalten

Europäische Besuchergruppe informiert sich über gewerkschaftliche Ansätze in NRW

Der demografische Wandel findet in NRW nicht in einer fernen Zukunft statt, sondern schon heute. Die Schwelle des Kohortenwandels ist bereits überschritten, d.h. wir haben schon mehr ältere als jüngere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt. 

Welche Chancen und Risiken sind damit besonders für ältere Arbeitskräfte verbunden? Wie hat sich ihre Situation auf dem Arbeitsmarkt entwickelt? Welche Gestaltungsansätze gibt es, damit die Erwerbstätigen nicht nur länger, sondern auch gesund und zu guten Bedingungen im Erwerbsleben bleiben können?

Fragen wie diese standen im Focus eines Studienaufenthaltes einer europäischen Besuchergruppe in Düsseldorf zum Thema „Older Workers in Companies and on the Labour Market“, organisiert von Arbeit und Leben NRW und gefördert vom Europäischen Zentrum für Berufsbildung (CEDEFOP) vom 13.-17.5.2013.

Der demografische Wandel macht größere Anstrengungen im Betrieb zur alters- und gesundheitsgerechten Arbeitsgestaltung erforderlich. Die Politik ist sich einig, dass ältere Beschäftigte länger im Erwerbsleben gehalten werden müssen. Die steigende Erwerbsquote älterer Beschäftigter wird als Erfolg gefeiert. Zugleich hat sich das problematische Einstellungsverhalten vieler Betriebe zulasten Älterer kaum verändert. Bei einem Jobwechsel verschlechtern sich oft die Arbeits- und Entlohnungsbedingungen für Ältere. Auch die Tatsache, dass nur noch weniger als 50% der Beschäftigten das Renteneintrittsalter ohne Abschläge erreichen, signalisiert aus gewerkschaftlicher Sicht dringenden Handlungsbedarf.

Achim Vanselow (DGB NRW) unterstrich in seinem Beitrag, dass die Gestaltung des demografischen Wandels seit langem ein wichtiges gewerkschaftliches Handlungsfeld ist. Der demografische Wandel dürfe jedoch nicht nur auf die Risiken reduziert werden, es gebe auch viele Chancen, die Aufgabe einer alters- und alternsgerechten Arbeitsgestaltung jetzt kraftvoll anzugehen. Wichtig sei es, die Risiken nicht einseitig auf die Beschäftigten zu verschieben, sondern gemeinsam mit Arbeitgebern intelligente und nachhaltige Lösungen zu identifizieren und umzusetzen. Auf dem Gebiet der Tarifpolitik haben die Tarifpartner in der Chemie- sowie in der Metall- und Elektroindustrie bereits Wege vereinbart, um u.a. einen flexiblen Übergang in die Rente abzusichern. Auch das Altersflexi-Konzept der IG BAU zielt darauf ab, ein Abrutschen in Altersarmut zu verhindern.

Am Beispiel der triparitätischen Initiative DEMOGRAFIE AKTIV erläuterte Vanselow, wie der demografische Wandel im Betrieb in NRW ganz konkret angepackt werden kann.  Die vom Arbeitsministerium NRW, unternehmer.nrw und dem DGB NRW gemeinsam getragenen Initiative richtet sich an Unternehmen, Interessenvertretungen und Beschäftigte, die die Vorteile einer demografiebewussten Unternehmensstrategie nutzen wollen. Zu den Angeboten der Initiative zählen u. a. ein wissenschaftlich basiertes und in der betrieblichen Praxis erprobtes Management-Instrument, ein Quick Check-Tool sowie die Möglichkeit, ein Siegel DEMOGRAFIE AKTIV zu erwerben.

Am Ende einer sehr lebendigen Debatte fasste Vanselow die politische Botschaft dahingehend zusammen, dass es ein faires Übergangsmanagement geben müsse und die Anpassungslasten des Wandels nicht einseitig auf die Beschäftigten abgewälzt werden dürften. Es ist eben nicht genug, von Menschen die Anpassung an die Arbeitsplätze zu verlangen. Unternehmens- und Arbeitsplatzgestaltung müssen sich an den demografischen Wandel anpassen. Klar ist auch: High Road-Lösungen finden ihre Grenzen in den „roten Zonen“ des Arbeitsmarktes, die von niedrigen Löhnen, schlechten Arbeitsbedingungen, Hire and Fire-Konzepten und fehlenden Interessenvertretungen geprägt seien. Hier ist eine stärkere Kontrolle durch die Behörden erforderlich, um zumindest den Arbeits- und Gesundheitsschutz der Beschäftigten zu gewährleisten.

Teilnehmer

Foto: Arbeit und Leben


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