Deutscher Gewerkschaftsbund

09.10.2015
Tag der betrieblichen Entgelt-Gleichheit

Lohn-Lücke zwischen Frauen und Männern schließen!

Stefanie Baranski-Müller, Frauensekretärin des DGB NRW, über die Lohn-Lücke zwischen Männern und Frauen – und gewerkschaftliche Forderungen für mehr Lohn-Gerechtigkeit

Foto-Aktion: Was verdient die Frau?

Du weißt genau, was du verdienst? Du hast viele Ideen, was sich konkret ändern muss, damit Frauen wirtschaftlich unabhängig sein können? Dann sei dabei und teile deine Forderungen mit! Wie das funktioniert, erfährst du hier.

Fast ein Vierteljahr arbeiten Frauen in Deutschland ohne Bezahlung – wenn man die statistische Lohn-Lücke zwischen den Geschlechtern vom Jahresende her zurückrechnet. Denn Frauen verdienen durchschnittlich 22 Prozent weniger als Männer. Das bedeutet bereits am 9. Oktober haben Männer im Durchschnitt das Gehalt einer Frau verdient. Deshalb weisen wir Gewerkschaften an diesem Datum mit dem Tag der betrieblichen Entgelt-Gleichheit auf diesen Missstand hin.

von Stefanie Baranski-Müller

 

Frauen profitieren besonders von Tarif-Verträgen und Mitbestimmung

Wir Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter setzen uns zusammen mit Betriebsrätinnen und Betriebsräten an vielen Stellen dafür ein, dass Frauen nicht wegen ihres Geschlechts schlechter gestellt sind. So hat eine Studie der Hans Böckler-Stiftung gezeigt, dass weibliche Beschäftigte besonders von Tarif-Verträgen profitieren. Die Wissenschaftler Marc Amlinger und Dr. Reinhard Bispinck vermuten, dass dies mit 2 Faktoren zusammenhängt:

  1. Tarife machen verbindliche Vorgaben zur Eingruppierung in Entgeltgruppen.
  2. In Betrieben mit Tarif gibt es häufiger Betriebsräte als in tariflosen Unternehmen. Diese machen sich stark für eine Lohn-Struktur ohne Diskriminierung.
Beruf und Familie müssen besser vereinbar sein

Auch setzen sich unsere Kolleginnen und Kollegen in Betrieb und Politik immer wieder dafür ein, dass Voraussetzungen geschaffen werden, die eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichen. Denn noch führt der Einsatz für die Familie oft dazu, dass Frauen weniger Geld verdienen.

Politik muss aktiv werden

Die Politik kann an vielen Stellen gegen Lohn-Diskriminierung bei Frauen vorgehen. Zu unseren wichtigsten Forderungen zählen:

  1. Gesetz für Entgelt-Transparenz: Betriebe und Verwaltungen müssen mit dem Gesetz verpflichtet werden, ihre Entgelt-Praxis zu überprüfen und so zu gestalten, dass niemand benachteiligt wird. Gemeinsam mit Betriebsräten und Personalräten müssen sie verbindliche Verfahren gegen Entgelt-Diskriminierung entwickeln. Außerdem müssen Beschäftigte berechtigt werden, Auskünfte über die Entgelt-Praxis zu erhalten.
  2. Durchsetzung der Frauenquote: Frauen erreichen seltener hochqualifizierte Tätigkeiten oder Jobs in leitender Stellung. Doch diese werden besonders hoch vergütet. Das Gesetz zur Geschlechterquote in Aufsichtsräten ist ein Hebel, um gegen dieses Ungleichgewicht vorzugehen: Ab 2016 müssen viele Unternehmen einen Frauenanteil von 30 Prozent im Aufsichtsrat vorweisen. Doch die meisten sind schlecht auf die Quote vorbereitet. Aktuell erfüllt nur gut ein Fünftel der betroffenen Firmen die Quote. Die Politik muss mit klaren Fristen und Sanktionen darauf reagieren.
  3. Kinder-Betreuung verbessern: Ganztägige, qualitativ hochwertige Bildungs- und Betreuungseinrichtungen für Kinder aller Altersstufen müssen flächendeckend und mit flexiblen Öffnungszeiten verfügbar sein. Das Betreuungsangebot für unter Dreijährige muss endlich ausgebaut werden.
  4. Aufwertung von frauen-dominierten Branchen: Die Lohn-Lücke zwischen Männern und Frauen lässt sich zu einem Teil durch eine unterschiedliche Berufswahl erklären: So lassen sich laut Dr. Christina Boll vom Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut 3,4 Prozentpunkte der Lücke dadurch erklären, dass Frauen in anderen Branchen als Männer arbeiten. Dass diese höher bezahlt werden, hat auch mit gesellschaftlichen Einstellungen zu tun. Der Staat kann mit einer fairen Bezahlung seiner Beschäftigten vorangehen und dazu beitragen, dass auch soziale Berufe eine Wertschätzung erfahren, die sich finanziell niederschlägt.
  5. Rechtsanspruch auf Rückkehr aus Teilzeit und befristete Teilzeit:
    In einer Weiterentwicklung des Teilzeit- und Befristungsgesetzes ist der Rechtsanspruch auf befristete Teilzeit ebenso festzuschreiben wie das Recht zur Aufstockung der Arbeitszeit, soweit es das Arbeitszeitvolumen des Betriebes oder der Verwaltung zulässt.
Fazit: Entgelt-Gleichheit kann nur gemeinsam durch Unternehmen, Politik und Gesellschaft erreicht werden

 

Unternehmen und Politik müssen sich bewegen, damit die Lohn-Lücke zwischen Männern und Frauen geschlossen werden kann. Gleichzeitig ist aber auch ein gesellschaftlicher Wandel nötig, damit Frauen tatsächlich gleiche Chancen auf gut-bezahlte Positionen erhalten. Wir Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter sind an allen Stellen aktiv gegen Diskriminierung – und freuen uns über Unterstützerinnen und Unterstützer. In unserer Workshop-Gruppe Es geht um’s Ganze, Constanze! habt ihr die Möglichkeit mit uns Gewerkschaftsarbeit zu diskutieren und zu gestalten. Natürlich könnt ihr uns aber auch hier im Kommentar-Bereich eure Meinungen und Ideen mitteilen: Was sind eurer Meinung nach die wichtigsten Stellschrauben, um Entgelt-Gleichheit zu erreichen?

Stefanie Baranski-Müller ist Frauen-Sekretärin des DGB NRW. Mit ihrer Arbeit setzt sie sich dafür ein, die Arbeits- und Lebens-Bedingungen von Frauen zu verbessern. Dafür arbeitet sie zum Beispiel bei der Aktionsplattform Familie@Beruf.NRW mit, erarbeitet Stellungnahmen zu Landesgesetzen und organisiert Veranstaltungen.


Nach oben

Leser-Kommentare

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit.


Themenverwandte Beiträge

Artikel
100 Jahre Frauenwahl – Viel erreicht und noch viel zu tun
Im Januar 1919 durften Frauen bei der Wahl zur Deutschen Nationalversammlung zum ersten Mal wählen und gewählt werden. Für das Wahlrecht hatten viele mutige Frauen und die Arbeiterbewegung lange gekämpft. Seitdem haben Frauen viel erreicht, doch es bleiben große Herausforderungen. So sind z.B. unsere Parlamente so männlich wie lange nicht mehr. Der Deutsche Frauenrat hat deshalb eine Online-Petition gestartet. weiterlesen …
Bildergalerie
Bilder vom Frauenpolitischen Frühstück
Am 8. März 2019 fand in Düsseldorf das frauenpolitische Frühstück zu dem Thema "Mehr Frauen in Politik und Verwaltung" statt. Einige Eindrücke der Veranstaltung finden Sie hier. zur Fotostrecke …

Top-Links