Deutscher Gewerkschaftsbund

23.08.2022

Anja Weber in der WAZ: KI muss im Sinne der Beschäftigten eingesetzt werden

Heute hat sich unsere Vorsitzende Anja Weber in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) zur Künstlichen Intelligenz (KI) geäußert:

Die Gewerkschaften stünden beim Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) nicht auf der Bremse, betont DGB-Landeschefin Anja Weber. KI sei ja längst da, jeder nutze sie. Deshalb müsse es darum gehen, sie im Sinne der Beschäftigten bestmöglich einzusetzen.

„Die größte Sorge der Gewerkschaften ist, dass sich die Unternehmen nicht gut genug auf die Nutzung von KI vorbereiten und damit ihre Zukunftsfähigkeit verlieren.“

Ob KI Arbeitsplätze koste? Wie bei der Digitalisierung insgesamt komme es auch bei KI entscheidend darauf an, ob Unternehmen vorne dabei oder hinten dran sind, meint Weber. „Der Arbeitsplatzeffekt von KI ist negativ, wenn sie nicht oder schlecht genutzt wird. Wenn Unternehmen es durchschnittlich machen, ist der Effekt neutral. Machen sie es gut, schafft KI auch neue Arbeitsplätze“, sagt Weber mit Verweis auf entsprechende Studien. Deshalb engagierten sich der DGB und die Einzelgewerkschaften auch in KI-Initiativen gemeinsam mit den Arbeitgeberverbänden, so im „Zukunftszentrum KI NRW“.

Je nach Arbeitsbereich seien die Potenziale und Auswirkungen sehr unterschiedlich. KI könne in vielen Berufen und Branchen helfen, etwa bei der Verbesserung der Arbeitsorganisation. Aber natürlich gebe es Branchen, in denen es weniger Anwendungen für KI gebe als in anderen. In den Branchen Pflege, Gastronomie und Sicherheitsdiensten, in denen der Personalmangel derzeit besonders groß ist, könne KI die menschliche Arbeitskraft nicht ersetzen, aber unterstützen.

In anderen Bereichen ersetzt KI längst sehr viele Beschäftigte und droht weitere Arbeitsplätze zu ersetzen, etwa im Finanzwesen und dem Einzelhandel. Bei Banken und Versicherungen ersetzen intelligente Service-Algorithmen zunehmend die persönliche Beratung. Der stationäre Handel verliert Marktanteile und damit Arbeitsplätze, weil der Onlinehandel nicht nur bequem ist, sondern auch immer stärker personalisierte Angebote unterbreitet. „Natürlich ist der Einzelhandel auch ganz ohne Verkäuferinnen und Verkäufer denkbar. Aber wollen wir das? Und ist das ein tragfähiges Geschäftsmodell? Wir sollten uns klarmachen: Nicht die KI entscheidet, wo und wie sie eingesetzt wird, sondern die Unternehmen und ihre Kunden. Derzeit wird im Einzelhandel qualifizierte Arbeit an der Kasse durch prekäre Arbeit im Lieferbereich ersetzt. Das rechnet sich weder für die Menschen noch für die Unternehmen.  Ich persönlich rede auch lieber mit einem menschlichen Bankberater als mit einem Computerprogramm. Aber klar ist, dass sich hier viel verändert und Beschäftigung tendenziell zurückgeht“, sagt Weber.

Wichtig ist der DGB-Chefin, dass die Arbeitgeber ihre Beschäftigten beim Einsatz und der Entwicklung von KI für ihr Unternehmen „von Anfang an einbeziehen“. Gerade viele kleine und mittelgroße Betriebe seien „hier nicht auf der Höhe der Zeit“, sagt Weber. Eine KI, die Arbeitsabläufe verbessern und die Produktivität erhöhen soll, müsse „immer vom Menschen her gedacht werden“. Die Beschäftigten wüssten besser, wo es hakt und an welcher Stelle KI ihnen helfen könne, als externe IT-Ingenieure. Entstehe KI zuerst in den Köpfen der Mitarbeitenden, würden sie dem Softwareentwickler genau sagen, was gebraucht wird, sei KI immer erfolgreicher. „Je mehr die Beschäftigten sich selbsteinbringen , desto geringer ist nachher auch der Aufwand für ihre Qualifizierung und Einarbeitung“, betont Weber. Das spare den Arbeitgebern letztlich Geld und Zeit.

 

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