Deutscher Gewerkschaftsbund

23.02.2022

Kampagne "SOS Semesterbeitrag" gestartet

SOS Semesterbeitrag!

Studierende leiden seit Jahren unter steigenden Semesterbeiträgen. Diese bestehen hauptsächlich aus dem Beitrag für das Studierendenwerk und dem Semesterticket – zwei Elemente, ohne die das Studium in NRW kaum vorstellbar ist. So sehr Studieninteressierte eine garantierte Mobilität sowie die Versorgung mit Wohnraum und Mahlzeiten jedoch als Anziehungspunkt betrachten, so sehr werden sie von Semesterbeiträgen von weit über 300 € abgeschreckt. Ein Ende der Kostensteigerung ist dabei nicht in Sicht. So werden die Semesterbeiträge zu einer Art verdeckter Studiengebühr. Wir schlagen Alarm und sagen: SOS Semesterbeitrag!

Gerade NRW als Land der Bildungsaufsteiger*innen muss ein Interesse daran haben, ärmeren Studierenden das Studium zu ermöglichen und finanziell begründete Studienabbrüche zu verhindern. Alle Studierenden profitieren von günstigem Wohnraum, bezahlbaren Mahlzeiten und flexibler Mobilität – all diese Dinge müssen weiter garantiert und dringend ausgebaut werden. Darum fordern wir Sie dazu auf, beherzt einzugreifen!
Wir fordern:

  • Die Erhöhung der landesseitigen Förderung der Studierendenwerke, sodass sie anteilig wieder dem Stand von 1994 entspricht.
  • Die Mitfinanzierung der Semestertickets durch das Land, um Kostensteigerungen aufzufangen und die Aufwärtsspirale der Kosten zu stoppen.

Die Pandemie hat gezeigt, wie prekär die Lage vieler Studierender ist. Geholfen wurde ihnen kaum. Jetzt ist es an der Zeit, strukturell Verbesserungen zu schaffen!

Alle weiteren Informationen zur Kampagne sind zu finden auf: https://latnrw.de/sos-semesterbeitrag/

 

Die Entwicklung der Lage im Detail:

Studierendenwerke

Die Studierendenwerke sind essenzieller Bestandteil unserer Hochschullandschaft. Sie leisten wichtige Arbeit, von Wohnraum über Gastronomie bis hin zu Beratung und BAföG. Leider reichen die finanziellen Mittel seit langem nicht mehr aus, von Landesseite hat es seit fast 30 Jahren keine substanzielle Erhöhung gegeben. Dabei wären mehr bezahlbare Wohnungen dringend notwendig. Stattdessen müssen immer wieder ebenfalls notwendige gastronomische Angebote schließen. Wohnheime, die bereits existieren, müssten vielfach saniert werden, doch die Finanzen lassen dies nicht zu.

Die steigenden Kosten gehen zulasten der Studierenden. Diese zahlten 1994 durchschnittlich 27 € pro Semester an ihre Studierendenwerke, 2005 bereits 54 € und 2021 sogar 92 €. Währenddessen ist der Zuschuss vom Land nahezu gleichgeblieben.

So betrug 1994 das Verhältnis des landesseitigen Zuschusses zu den Sozialbeiträgen der Studierenden 1 zu 0,6. 2020 hat sich das Bild komplett umgekehrt, es liegt nun bei 1 zu 2,7. Die Studierenden tragen den Großteil, das Land nur noch einen Bruchteil der finanziellen Belastungen.

Semesterticket

Die Kosten für das Semesterticket sind seit dessen Einführung stetig gestiegen - so weit so normal. Jedoch handelt es sich dabei in der Summe um massive Steigerungen, die weit über die Inflationsrate hinausgehen. So bezahlen Studierende im VRR-Bereich im Wintersemester 2021/22 209,38 € für ihr Ticket. Es handelt sich also um Kosten, die für Studierende oft kaum zu leisten sind und als echte Hürde für das weitere Studium gesehen werden können.

Als weiteres Beispiel kann die Steigerung im Bereich des Semestertickets im Westfalentarif gelten. Der Ticketpreis betrug im Sommersemester 2021 188,50 €. Dieser Betrag setzte sich zusammen aus dem Ticket des Tarifverbunds für 130 € und dem NRW-Ticket für 58,50 €. Diese Kombination besteht seit dem Wintersemester 2009/10. Damals kostete das Ticket in Summe jedoch nur 113 €. Dieser Kostenaufwuchs ist für Studierende kaum zu stemmen. In diesem Zeitraum ist das NRW-Ticket sogar um etwa 50% im Preis gestiegen.

Wegzudenken ist das Semesterticket jedoch keinesfalls - vielmehr bauen das Land und die Hochschulen darauf, dass es existiert. Denn allein um an einer Hochschule von Lehrveranstaltung zu Lehrveranstaltung zu kommen, wird dieses mittlerweile teilweise benötigt. Um die Studierenden zu entlasten haben die Verkehrsverbünde jedoch leider kein Geld. Zeit also, dass sich das Land endlich einschaltet.

 


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