Deutscher Gewerkschaftsbund

26.01.2017
Abschlussbericht von Enquetekommission setzt Leitplanken für Zukunft der Familienpolitik in Nordrhein-Westfalen

Nordrhein-Westfalen soll familiengerechter werden

Glückliche Familie mit Kinderwagen in Landschaft

DGB/Simone M. Neumann

Zwölf Abgeordnete aus allen fünf Landtagsfraktionen haben sich in den letzten zwei Jahren gemeinsam mit externen Sachverständigen in der Enquetekommission "Zukunft der Familienpolitik in NRW" beraten. Die Aufgabe der Kommission war es, Orientierung für die künftige Familienpolitik zu geben.

Abschlussbericht mit Empfehlungen für bessere Familienpolitik

Der Abschlussbericht hält jetzt die Erwartungen und Wünsche von Familien in Nordrhein-Westfalen fest. Außerdem empfiehlt die Kommission darin 169 Punkte, wie die Lebensbedingungen für Familien verbessert werden können. Die Vorschläge nehmen den Alltag unterschiedlicher Familienformen in den Blick und beziehen sich u. a. auf

  • die Vereinbarkeit von Familien-, Fürsorge- und Erwerbsarbeit,
  • Wohnraum für Familien,
  • Betreuungsangebote für Kinder,
  • die finanziellen Rahmenbedingungen von Eltern und
  • die Gesundheitsfürsorge.
Mit Familienpolitik geschlechtsspezifische Rollen und Arbeitsteilungen abbauen

Auch die Frauensekretärin des DGB NRW Stefanie Baranski-Müller war an den Beratungen in der Kommission beteiligt: "Ich habe mich für bessere Rahmenbedingungen für arbeitende Eltern stark gemacht. Familienpolitik muss dazu beitragen, dass geschlechtsspezifische Rollen und Arbeitsteilungen abgebaut werden. Dafür sind überall gute Betreuungsangebote in Kitas und Schulen nötig."

Wirtschaftliche Unabhängigkeit ermöglicht partnerschaftliche Vereinbarkeit

Als Grundlage für Gleichberechtigung muss gleichzeitig Lohndiskriminierung beendet werden. "Nur wenn Verdienstunterschiede und berufliche Entwicklungschancen nicht zu stark auseinandergehen, können Eltern wirklich über eine partnerschaftliche Aufteilung der Familienarbeit diskutieren. Gleichzeitig gilt: Wenn wir über arme Kinder sprechen, müssen wir die Armut der Eltern anpacken. Denn arme Kinder haben immer arme Eltern." Deshalb ist für den DGB weiterhin die faire Entlohnung von Arbeit ein Schlüssel für das Wohlergehen von Kindern.

Gute Betreuung und Bildung unabhängig von Eltern-Einkommen

Auch faire Bildungs- und Entfaltungschancen für alle Kinder stehen auf der Agenda des Gewerkschaftsbunds. Um diese zu erreichen, muss Bildung von der Kita bis zur Hochschule kostenlos sein. "Das Einkommen der Eltern darf nicht bestimmen, wie gut die Betreuung und Bildung von Kindern ist", fasst Baranski-Müller zusammen.

Lebensphasenorientierte Arbeitszeiten in Tarifverträge

Der Abschlussbericht der Enquetekommission macht erneut deutlich, dass der Faktor Zeit für Familien von besonderer Bedeutung ist. "Eine wichtige Aufgabe für uns als Gewerkschaften wird in Zukunft sein, für lebensphasenorientierte Arbeitszeiten in Tarifverträgen zu kämpfen und sie auszuhandeln", schlussfolgert Baranski-Müller. Sie können es Beschäftigten ermöglichen, ihre Arbeitszeit im Laufe des Erwerbslebens flexibel anzupassen. Mithilfe von Freistellung oder Teilzeit-Modellen können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern besser familiäre Anforderungen wie die Betreuung von Kindern und Pflegebedürftigen erfüllen.

Insgesamt ist Baranski-Müller mit den Ergebnissen der Enquetekommission zufrieden. Sie werden die Familienpolitik in NRW in den nächsten Jahren prägen. "Wenn sich kommende Gesetze an den Empfehlungen orientieren, wird NRW familiengerechter. Wir als Gewerkschaften werden den Prozess intensiv begleiten", so die Frauensekretärin des DGB NRW. Insbesondere das neue Kitagesetz, das zurzeit vorbereitet wird, wird dabei wichtige Leitplanken setzen.

Hintergrund-Information:

Abschlussbericht der Enquetekommission zur „Zukunft der Familienpolitik in Nordrhein-Westfalen“


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