Deutscher Gewerkschaftsbund

27.07.2018

Hitze auf dem Bau: Das müssen Bauarbeiter wissen

Die Tempereraturen klettern in die Höhe, die Ozonwerte steigen, die Sonne brennt – wie können sich Beschäftigte auf dem Bau schützen? Welche Rechte haben sie? Hier gibt es Antworten auf die vier wichtigsten Fragen. Für weitere Unterstützung stehen die Kolleginnen und Kollegen bei der IG BAU bereit.

Sonne: Kann Arbeit auf dem Bau gefährlich machen

DGB NRW

  • 1) Gibt es ein Recht auf Hitzefrei für Bauarbeiter?

    Nein. Aber der Arbeitgeber ist für die Sicherheit und Gesundheit seiner Beschäftigten bei der Verrichtung ihrer Arbeit verantwortlich. Das bedeutet auch, dass er im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung prüfen muss, wie er seine Beschäftigten vor Hitze, UV-Strahlung oder Ozon schützen kann. Dabei kann eine Maßnahme sein, die Arbeitszeiten zu verlegen oder zu kürzen. Der Bundesrahmentarifvertrag der Bauwirtschaft sieht vor, dass der Betriebsrat über Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit oder Arbeitsausfall aus zwingenden Witterungsgründen mitbestimmt. So gibt es tatsächlich die Möglichkeit für Hitzefrei auf dem Bau, aber kein Recht darauf.

  • 2) Welche Pflichten hat der Arbeitgeber bei sehr hohen Temperaturen auf dem Bau?

    1. Gefährdungsbeurteilung mit Festlegung der Maßnahmen zum Arbeitsschutz

    Laut Arbeitsschutzgesetz müssen Arbeitgeber Gefährdungsbeurteilungen vornehmen. Dabei sind auch mögliche Gefahren für die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten durch Hitze, Sonnenstrahlung oder Ozon zu berücksichtigen. Gemeinsam mit dem Betriebsrat müssen Vorsorgemaßnahmen und die Art der Kontrolle auf Gefahren festgelegt werden.

    Zu Maßnahmen gegen die Gefahren durch Hitze, Sonne oder Ozon können gehören:
    • keine Überstunden
    • keine Alleinarbeit, insbesondere Beschäftigte mit belastender Schutzausrüstung von einer zweiten Person überwachen lassen
    • künstliche Beschattung errichten (z.B. Sonnensegel)
    • Arbeitsrhythmus an Bedingungen und Kapazitäten der Beschäftigten anpassen
    • kurze Zusatzpausen an einem schattigen Ort gewähren
    • alle ein bis zwei Stunden Pausen von fünf bis zehn Minuten einplanen
    • frisches Wasser oder andere alkoholfreie Getränke kostenlos bereitstellen
    • Arbeitszeiten
    • spezielle UV-Schutzkleidung, -Schutzbrille oder Schutzhelme mit 4-Punkt-Kinnriemen und Nackenschutz bereitstellen
    Gesetz schreibt keine konkrete Maßnahmen vor: Betriebsvereinbarung kann Sicherheit schaffen

    Welche konkreten Maßnahmen zu ergreifen sind, ist gesetzlich nicht vorgeschrieben. Dies sollte deshalb durch eine Betriebsvereinbarung erfolgen. Der Betriebsrat hat das Recht, selbst die Initiative zum Erlass betrieblicher Gesundheitsschutz-Regelungen zu ergreifen. Mehr zum Thema erklärt der DGB Rechtsschutz in diesem Artikel Hitze in Arbeitsräumen – Betriebsrat kann Regelung über Abhilfemaßnahmen verlangen.

    2. Beschäftigte über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit unterweisen

    Der Arbeitgeber hat die Beschäftigten über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit während ihrer Arbeitszeit ausreichend und angemessen zu unterweisen (§12 ArbSchG). Dabei müssen die Anweisungen und Erläuterungen spezifisch zum jeweiligen Arbeitsplatz und Aufgabenbereich der Beschäftigten passen. Das bedeutet der Arbeitgeber muss seine Beschäftigten auch über die Gefahren durch Hitze, UV-Strahlung und Ozon informieren und ihnen aufzeigen, wie sie sich schützen können. Auf welche Art, in welchem Umfang und mit welchen Inhalten die Unterweisung generell durchgeführt wird, ist vom Betriebsrat mitzubestimmen.

    3. Arbeitsbedingungen und Befinden der Beschäftigten im Blick haben

    Es gehört zur Fürsorgepflicht der Arbeitgeber, die Arbeitsbedingungen und das Befinden ihrer Beschäftigten kontinuierlich zu beobachten und wenn nötig die festgelegten Vorsorgemaßnahmen zu ergreifen. Diese Pflicht kann schriftlich auf Führungskräfte wie Polier oder Vorarbeiter übertragen werden.

  • 3) Haben Bauarbeiter ein Recht auf kostenloses Wasser, Schutzkleidung oder Sonnencreme bei großer Hitze?

    Nein, ein Recht gibt es nicht. Allerdings können das Bereitstellen von kostenlosem Wasser, Schutzkleidung und Sonnencreme zu den Maßnahmen gehören, die im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zum Gesundheitsschutz festgelegt wurden.

  • 4) Was ist zu tun, wenn das Umweltbundesamt zu hohe Ozonwerte meldet?

    Falls die Ozonwerte überschritten werden oder Sommersmog gemeldet wird, müssen Arbeitgeber den Empfehlungen der Behörden folgen. Das Umweltbundesamt veröffentlicht Messergebnisse und Verhaltenshinweise. Zeigen die Messdaten eine Gesundheitsgefahr an, müssen schwere körperliche Arbeiten eingeschränkt werden.

Mehr zum Thema

10 Fragen und Antworten rund ums Thema Wetter am Arbeitsplatz


Nach oben

RSS-Feed

Subscribe to RSS feed
Abonnieren Sie hier unsere Pressemeldungen als RSS Feed.

Initiative NRW 2020

Gewerkschaftsmitglied werden