Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 16.03.2020

DGB NRW zum Equal Pay Day: Lohnlücke schließen durch stärkere Umverteilung der Erwerbs- und Sorgearbeit

„Von wirklicher Gleichstellung zwischen Frau und Mann kann angesichts einer Lohnlücke von 21 Prozent keine Rede sein“, betont Dr. Sabine Graf, stv. Vorsitzende des DGB NRW anlässlich des morgigen Equal Pay Day. Dieser Tag markiert symbolisch die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern: um das Einkommen zu erzielen, das Männer bis zum 31. Dezember des Vorjahres erhalten, müssen Frauen 77 Tage länger arbeiten – dieses Jahr also bis zum 17. März.

Dabei sind die Gründe für diese Entgeltlücke mannigfaltig, wie die Gewerkschafterin erläutert: „Die Lohnarbeitszeiten von Frauen und Männern unterscheiden sich stark. Durchschnittlich sind Frauen 8,4 Stunden pro Woche weniger erwerbstätig als Männer“. Das liegt oft an familiären Betreuungsaufgaben. Frauen übernehmen einen Großteil der unbezahlten Haus- und Sorgearbeit – im Schnitt 87 Minuten mehr als Männer pro Tag. „Erwerbs- und Sorgearbeit muss zwischen den Geschlechtern stärker umverteilt werden – nur dann schließt sich auch die Lohnlücke“, fordert Graf.

Frauenspezifische Berufe müssen zudem besser bezahlt werden – dazu braucht es gute Tarifverträge. „Dort, wo Tarifverträge gelten, ist die Lohnlücke um ganze zehn Prozentpunkte kleiner“, sagt die stv. DGB NRW-Vorsitzende. Gesetze zur Überprüfung der Gehälter wie das Entgelttransparenzgesetz helfen wenig, wenn zwei Drittel der Frauen davon ausgeschlossen sind. „Frauen arbeiten häufig in kleinen und mittleren Unternehmen, in denen diese Regelungen gar nicht erst gelten“, so Graf. Der DGB fordert, das Gesetz nachzubessern: der Auskunftsanspruch muss für alle Beschäftigten gelten, die Unternehmen müssen zu zertifizierten Prüfverfahren und Berichten verpflichtet werden. „Für echte Lohngerechtigkeit braucht es außerdem empfindliche Sanktionen bei Nichterfüllung und nicht zuletzt den Ausbau von Mitbestimmungsrechten. Denn wo Betriebsräte mitbestimmen, geht es gerechter zu“, betont die Gewerkschafterin.


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