Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 30.10.2020

Ausbildungsreport NRW 2020: Auszubildende sind flexibel und motiviert

Im Rahmen einer Pressekonferenz haben die Vorsitzende des DGB NRW, Anja Weber, und der Abteilungsleiter Jugend des DGB NRW, Eric Schley, heute den Ausbildungsreport NRW 2020 vorgestellt.

„Die duale Ausbildung ist in Gefahr“, betont Anja Weber, Vorsitzende des DGB NRW. „Bereits vor Corona hat sich nur noch knapp jedes fünfte Unternehmen an der dualen Berufsausbildung beteiligt. Diese Tendenz verfestigt sich unter Pandemiebedingungen weiter. Wir befürchten, dass sich viele Unternehmen dauerhaft aus der Berufsausbildung verabschieden. Der Lockdown im Frühjahr hat den Berufswahlprozess massiv getroffen. Häufig wissen wir nicht, wo die Schülerinnen und Schüler aus den Abgangsklassen geblieben sind. Es besteht die Gefahr, dass viele in schulischen Warteschleifen an den Berufskollegs landen oder in Maßnahmen des Übergangssystems wechseln. Wir befürchten, dass all das zu einem dramatischen Anstieg junger Menschen ohne berufliche Qualifikation führen wird“, so Weber.

„Die angespannte Lage am Ausbildungsmarkt liegt nicht an den Azubis“, unterstreicht die DGB-NRW Vorsitzende. „Unsere Studie zeigt: Die Auszubildenden sind motiviert und hoch flexibel. Beispielsweise bei der Berufswahl: Nur 31 Prozent der Befragten haben einen Ausbildungsplatz in ihrem Wunschberuf erhalten, die Mehrheit wählte einen anderen beruflichen Lebensweg.“ Vielmehr müssten die Arbeitgeber die Frage beantworten, wie die duale Ausbildung in Zeiten des Fachkräftemangels attraktiver gemacht werden kann. „Die Auszubildenden formulieren klare Anforderungen“, betont Weber. „Sie wollen gute Ausbildungsbedingungen und daran anschließend eine gute berufliche Perspektive, vernünftige Ausbildungsvergütung und generell die Möglichkeit, durch ihre Ausbildung auf eigenen Beinen zu stehen.“

Der Schwerpunkt des diesjährigen Reports bilden die Themen Wohnen und Mobilität:

„Wer selbständig leben möchte, braucht finanzielle Unabhängigkeit. Hier liefert der Report erschreckende Ergebnisse“, sagt Eric Schley, Abteilungsleiter Jugend des DGB NRW. „40 Prozent der Befragten gaben an, von ihrer Ausbildungsvergütung »weniger gut« selbstständig leben zu können; gut ein Fünftel (22 Prozent) kann das »gar nicht«.“ Um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, müsse fast jede und jeder siebte Auszubildende zusätzlich noch einem Nebenjob nachgehen. „So wird die duale Ausbildung nicht attraktiv“, betont Schley. „Dazu passt die Wohnsituation: 73 Prozent der Befragten wohnen bei Eltern oder Verwandten. Beinahe genauso viele, 68 Prozent, wünschen sich aber, in einer eigenen Wohnung zu leben.“

Auch beim Schwerpunktthema Mobilität liegt einiges im Argen: „Mehr als ein Drittel der Auszubildenden können den Betrieb weniger gut oder gar nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen. Entweder muss hier ein Auto her oder es entstehen lange Pendelwege – beides führt zu weiteren finanziellen Belastungen für die jungen Menschen“, so Schley. Das auch auf gewerkschaftlichen Druck eingeführte Azubiticket sei ein erster Schritt. „Unsere Studie zeigt, dass das Ticket auf großes Interesse stößt, während die aktuelle Preisgestaltung und die Abdeckung mit dem ÖPNV weiterhin limitierende Faktoren bleiben. Verbesserungen und ein Ausbau des ÖPNV-Netzes sind daher wichtige Schritte, jungen Menschen Mobilität zu ermöglichen und die notwendige Flexibilität auf dem Ausbildungsmarkt zu unterstützen.“

 

Hintergrund:

Seit 13 Jahren legt die DGB-Jugend jährlich einen Ausbildungsreport vor. Für den Report 2020 wurden über 5.000 Auszubildende aus den 25 häufigsten Ausbildungsberufen in NRW nach der Qualität ihrer Ausbildung befragt. In der Gesamtbewertung schnitten Verwaltungsfachangestellte, die Bank- und Industriekaufleute besonders gut ab. Die schlechtesten Noten gaben ihrer Ausbildung erneut Verkäuferinnen und Verkäufer, die Friseurinnen und Friseure sowie Hotelfachleute.


DGB-Ausbildungsreport NRW 2020 zum Download (PDF)


Ausgewählte Grafiken des Reports zum Download (jpg)


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