Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 19.11.2019

Alleinerziehende in NRW: In jeder zweiten Familie Kinder von Armut bedroht

Kinder mit nur einem Elternteil sind stark von Armut bedroht – darauf macht der DGB NRW anlässlich des morgigen Internationalen Tags der Kinderrechte aufmerksam. Viele Eltern sind verzweifelt, dass sie ihren Kindern kein besseres Leben bieten können.

„Das ist ein Skandal“, sagt Sabine Graf, stellvertretende Vorsitzende des DGB NRW, „denn viele Alleinerziehende wünschen sich Arbeit, von der sie und ihre Familie leben können, stoßen dabei aber auf große Hürden.“ In Nordrhein-Westfalen lebten 2018 rund 550 000 alleinerziehende Mütter und Väter; 58 Prozent von ihnen versorgen minderjährige Kinder. Die allermeisten davon sind Frauen (89 Prozent). In 2018 betrug der Anteil der Alleinerziehenden mit minderjährigen Kindern in NRW an allen Familien rund 18 Prozent. Damit ist beinahe jede fünfte Familie in Nordrhein-Westfalen mit minderjährigen Kindern eine Ein-Eltern-Familie. 2017 waren rund 48 Prozent der Alleinerziehenden in NRW von Armut bedroht – und damit auch die gesamte Familie. Somit leben in jeder zweiten Ein-Eltern-Familie armutsgefährdete Kinder. Je jünger ein Kind ist, desto eher sind Alleinerziehende erwerbslos und damit auf Grundsicherung angewiesen.

„Die Gründe für das hohe Armutsrisiko in Ein-Eltern-Familien sind vielschichtig“, so Graf. „Teilzeit, Minijobs, Zeitarbeit oder Befristungen allgemein machen es schwer, eine Familie finanziell zu versorgen. Wo Kita-Plätze fehlen, droht das Damoklesschwert der Arbeitslosigkeit. Je nach Branche bleibt die Arbeitsplatzsuche mit Kindern ohne Aussicht auf Erfolg.

Probate Lösungen, um diese soziale Schieflage zu korrigieren, gibt es viele. Wir brauchen mehr Tarifbindung und mit dem Familienleben vereinbare Arbeitszeiten zwischen 30 und 40 Stunden. Die Umwandlung von Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse und die Abschaffung der sachgrundlosen Befristungen gehören ebenfalls dazu. Ein Kitaplatz, der auch Randzeiten abdeckt und ein verlässliches Ganztagesangebot, wenn die Kinder größer geworden sind, ermöglichen Vollzeitbeschäftigung. Nur so können Alleinerziehende einen existenzsichernden Lebensunterhalt für sich und ihre Familie erwirtschaften. Und nur so verhindern wir die Armutsfalle!“


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