Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 25.06.2024

DGB-Index Gute Arbeit: Beschäftigte aus NRW leiden unter hoher Arbeitsintensität, Zeitdruck und Hetze

Der DGB NRW hat heute in Düsseldorf den DGB-Index Gute Arbeit vorgestellt. Zwischen 2020 und 2023 wurden mehr als 3.000 Beschäftigte aus NRW nach ihren Arbeitsbedingungen befragt. „Besonderen Handlungsbedarf gibt es bei der hohen Arbeitsintensität“, fasst Anja Weber, Vorsitzende des DGB NRW, die Ergebnisse zusammen. „50 Prozent der Befragten geben an, bei der Arbeit gehetzt zu sein oder ständig unter Zeitdruck zu stehen. Hier müssen die Alarmglocken bei Arbeitgebern und Politik angehen.“ Während die Arbeitsintensität besonders schlecht bewertet wird, sehen viele Beschäftigte aus NRW einen hohen Sinngehalt in ihrer Arbeit. Auch die Beschäftigungssicherheit gehört zu den am besten bewerteten Kriterien der Befragung.

Ein Blick auf die Gesamtbewertung zeigt, dass nur 16 Prozent der Befragten ihre Arbeitsbedingungen insgesamt als gut empfinden, bei 15 Prozent muss man sogar von einer schlechten Arbeitsqualität sprechen. Dabei gibt es zwischen den einzelnen Berufssektoren große Unterschiede. Während die IT- und naturwissenschaftlichen Dienstleistungsberufe am besten abschneiden, sehen sich Beschäftigte in personenbezogenen Dienstleistungsberufen mit vielen Belastungen konfrontiert. Pflegekräfte, Lehrer*innen oder Erzieher*innen haben demnach besonders oft mit Arbeitshetze zu kämpfen. In Pflege- und Erziehungsberufen wird die Einkommenssituation kritisch bewertet und unzureichende betriebliche Sozialleistungen wie Altersvorsorge oder Gesundheitsversorgung beklagt. Zudem arbeiten diese Gruppen häufig unter hohen körperlichen Anforderungen wie ungünstigen Körperhaltungen oder Lärmbelastung. Damit ist ihre körperliche Belastung ähnlich stark ausgeprägt wie bei Beschäftigten in Produktionsberufen (z.B. Industriemechaniker*innen oder Maschinen- und Anlagenführer*innen), im Reinigungsgewerbe sowie in Verkehrs- und Logistikberufen (z.B. Paketzusteller).

„Wir wissen, dass viele Beschäftigte aus Überlastung ihre Arbeitszeit reduzieren, den Beruf wechseln oder vorzeitig in Rente gehen müssen“, sagt Anja Weber. „Wenn wir dem Fachkräftemangel etwas entgegensetzen wollen, müssen wir die sozialen Berufe aufwerten. Nur mit einer fairen Bezahlung und einer angemessene Personalbemessung können wir die Qualität der Arbeit sichern und Menschen für diese Berufe zu gewinnen.“ Aber auch für alle anderen Branchen gelte: „Nicht ständiges Herumdoktern am Arbeitszeitgesetz, sondern Arbeitszeiten, die zum Leben passen und gleichzeitig klare Grenzen haben, werden dazu führen, dass Beschäftigte ihre Arbeitszeit aufstocken und dem Betrieb mehr Stunden zur Verfügung stehen können. Wer glaubt, mit mehr Druck und längeren Arbeitszeiten den Fachkräftemangel bekämpfen zu können, ist auf dem Holzweg. Arbeit, die belastet und krank macht, verschärft den Fachkräftemangel weiter.“ Zudem müssten sachgrundlose Befristungen endlich abgeschafft und für gute Arbeitsbedingungen in der Leiharbeit gesorgt werden. „Und wir müssen die Tarifbindung in NRW endlich wieder erhöhen. Viele Arbeitgeber beklagen sich über fehlende Arbeits- und Fachkräfte und weigern sich gleichzeitig nach Tarif zu bezahlen. In diesen Bereichen ist der Fachkräftemangel teils hausgemacht.


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