Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 041 - 09.05.2011

DGB Jugend NRW: Durch gesetzliche Regelungen Missbrauch von Praktika stoppen!

„Der Berufseinstieg für Hochschulabsolventinnen und –absolventen gestaltet sich in NRW wie ein bunter Flickenteppich, prekäre und atypische Beschäftigungsformen werden dabei immer mehr zur Regel“, erklärt Anke Unger von der DGB Jugend NRW. Das sei das Ergebnis der regionalen Auswertung der Studie „Generation Praktikum 2011“, welche die DGB Jugend NRW heute im Rahmen des 5. Jugendpolitischen Suppenessens vorstellte.

In NRW wurden 153 Absolventinnen und Absolventen nach ihrer beruflichen Biographie der letzen dreieinhalb Jahre zwischen Studienabschluss und dem Befragungszeitpunkt befragt. Durchgeführt wurde die Studie von der DGB Jugend und der Hans-Böckler-Stiftung (HBS).

72 Prozent der Befragten gingen unmittelbar nach ihrem Hochschulabschluss einer prekären Beschäftigung nach. 27 Prozent machten ein Praktikum, eine Hospitanz oder ein Volontariat, 28 Prozent arbeiteten in einer befristeten abhängigen Beschäftigung (Voll- oder Teilzeit). Unbefristet (Voll- oder Teilzeit) waren lediglich 23 Prozent der HochschulabsolventInnen beschäftigt. Auch 3,5 Jahre nach dem Studienabschluss konnten nur 36 Prozent der Befragten ein unbefristetes abhängiges Beschäftigungsverhältnis (Teilzeit oder Vollzeit) vorweisen.

Die Studie zeige, dass unter dem Begriff „Praktikum“ häufig Missbrauch betrieben werde, so Unger: „Auf Kosten der jungen Menschen und zum Schaden der sozialen Sicherungssystems werden reguläre Stellen durch Scheinpraktika ersetzt.“ Unzumutbar sei auch, dass Praktika zunehmend als eine Art vorgelagerte Probezeit eingesetzt würden, die dann auch noch aus der Tasche der Praktikantinnen und Praktikanten bzw. durch Sozialleistungen finanziert werden müsste.

Lediglich jedes 2. Praktikum in Nordrhein-Westfalen werde laut der Studie bezahlt, so Unger. „Es ist ein Skandal, dass die allermeisten Praktikantinnen und Praktikanten durch ihre Eltern mitfinanziert werden müssen, nebenbei jobben oder sogar auf Sozialleistungen angewiesen sind, um halbwegs über die Runden zu kommen.“ Zudem dauerten Praktika nach dem Studienabschluss in Nordrhein-Westfalen deutlich länger als im Bundesvergleich. Während bundesweit die Dauer bei 4,8 Monaten liegt, geben die Befragten in NRW eine Praktikumsdauer von 5,8 Monaten an.

„Wir fordern gesetzliche Regelungen für Praktika, um den Missbrauch von Praktikantinnen und Praktikanten als billige Arbeitskräfte zu stoppen“, erklärt Unger. Praktika müssten als Lernverhältnisse festgeschrieben werden, dürften nicht länger als drei Monate dauern und müssten mit mindestens 300 Euro monatlich vergütet werden. „Praktika nach dem Studienabschluss lehnen wir grundsätzlich ab. Stattdessen sollen Unternehmen und Verwaltungen reguläre Arbeitsverhältnisse bzw. Trainee- und Berufseinstiegsprogramme anbieten, die – wenn keine tariflichen Regelungen greifen – mit mindestens 8,50 Euro pro Stunde vergütet werden müssen.“

Die Studie „Generation Praktikum 2011“ im Internet: DGB-Jugend NRW

 


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