Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 09.03.2021

Equal Pay Day: Sorge- und Erwerbsarbeit gleichberechtigt verteilen, Tarifbindung stärken

Frauen haben in Deutschland immer noch durchschnittlich 18 Prozent weniger in der Lohntüte als Männer. „Das Gender Pay Gap hat sich leicht verringert, aber noch immer hat Deutschland die zweithöchste Lohnlücke aller EU-Länder. Wir sind von Geschlechtergerechtigkeit meilenweit entfernt“, sagt Sabine Graf, stellvertretende Vorsitzende des DGB NRW. Der Equal Pay Day markiert symbolisch die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern: Um das Einkommen zu erzielen, das Männer bis zum 31. Dezember des Vorjahres erhalten, müssen Frauen bis weit in das Jahr hineinarbeiten. Nämlich derzeit rund 66 Tage länger als Männer.

„Gerade die Pandemie unterstreicht die Wichtigkeit der Arbeit in frauendominierten, systemrelevanten Berufen. Deshalb muss auch dort endlich die Tarifbindung gestärkt werden! Das würde endlich diese Berufe aufwerten und einen deutlichen Beitrag zur Verringerung der Lohnlücke leisten“, betont die Gewerkschafterin. „Viele Frauen arbeiten zudem auf der Basis von Minijobs. Damit sie in Krisenzeiten und im Alter besser abgesichert sind, müssen dringend alle Beschäftigten unter den Schutz der Sozialversicherung fallen – ab der ersten Arbeitsstunde.“

Corona lenkt auch den Blick auf die Verteilung von Arbeitszeit und unbezahlter Sorgearbeit. „Die Verteilung der zusätzlichen Sorgearbeit im ersten Lockdown war ein gleichstellungspolitisches Fiasko“, so Sabine Graf. Aufgrund von Kita- und Schulschließungen haben überwiegend Frauen ihre Arbeitszeit reduziert, um die Mehrbelastungen durch Homeschooling, Kinderbetreuung und Haushalt aufzufangen. „Zwei Drittel der Mütter geben an, die zusätzliche Betreuung der Kinder allein aufgefangen zu haben. Lediglich ein Drittel hat diese Aufgabe mit dem Partner geteilt. Das darf nicht zu einem dauerhaften Rückschritt in Gleichstellungsfragen führen, der die Lohnlücke noch vergrößert. Unsere Aufgabe ist es nun, den Frauen den Rücken zu stärken, damit sie ihre berufliche Laufbahn fortsetzen und auf ihr ursprüngliches Stundenvolumen zurückkehren können und Sorge- und Erwerbsarbeit gleichberechtig zwischen den Geschlechtern zu verteilen. Dafür braucht es auch flexible Lösungen, um Familie und Beruf besser vereinbaren zu können und zwar im Sinne der Beschäftigten. Hier sind Betriebs- und Personalräte unerlässlich; denn sie ermöglichen Verhandlungen mit dem Arbeitgeber auf Augenhöhe.“


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