Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 23.08.2019

DGB NRW kritisiert hohen Anteil befristeter Arbeitsverhältnisse

Trotz hoher Nachfrage nach Fachkräften bleibt die Zahl der Befristungen in NRW auf Rekordhöhe. Das zeigt eine Auswertung von Daten der Bundesagentur für Arbeit, die der DGB vorgenommen hat. Demnach war 2018 fast jede zweite sozialversicherungspflichtige Neueinstellung in NRW befristet (46,6 Prozent). Überdurchschnittlich betroffen sind Teilzeitbeschäftigte, Beschäftigte unter 25 Jahren, ausländische Beschäftigte oder solche, die eine Tätigkeit im niedrig qualifizierten Bereich ausüben. Wirft man einen Blick auf die einzelnen Branchen, zeigt sich, dass im Bereich Erziehung und Unterricht sowie im Informations- und Kommunikationsbereich besonders häufig befristet eingestellt wird. Hier sind 76,9 bzw. 75,7 Prozent aller neuen Arbeitsverträge zeitlich begrenzt. Dabei sind laut des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) mehr als die Hälfte aller befristeten Verträge sachgrundlos befristet.

Anja Weber kritisiert diese Praxis: "Sachgrundlose Befristungen werden oft als verlängerte Probezeit missbraucht", so die Vorsitzende des DGB NRW. „Das erhöht den Leistungsdruck und macht Beschäftigte erpressbar." Generell hätten es Befristete schwerer, gute Löhne und gerechte Arbeitsbedingungen einzufordern. "Eine Schwangerschaft, eine zu lange Krankheit, eine engagierte Betriebsratsarbeit – alles kann dazu führen, dass der Vertrag einfach nicht verlängert wird. Schwer erkämpfte Kündigungsschutzrechte werden dadurch ausgehöhlt."

Eine Befragung des DGB Index gute Arbeit stellt fest, dass Zukunftssorgen bei befristet Beschäftigten deutlich weiter verbreitet sind als bei unbefristeten. "Wer befristet arbeitet, kann in vielen Lebensbereichen nicht langfristig planen", erläutert Weber. "Das bedeutet Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche oder bei einer Kreditaufnahme. Und auch die Familienplanung wird erschwert, wenn man nicht weiß, ob man in ein oder zwei Jahren noch ein sicheres Gehalt hat."

Es sei nun an der Bundesregierung, sachgrundlosen Befristungen endlich einen Riegel vorzuschieben. "Wir können es nicht hinnehmen, dass immer mehr Beschäftigte Angst um ihre Arbeit und um ihre Zukunft haben", sagt Weber. "Die Regierungsparteien haben im Koalitionsvertrag vereinbart, Kettenbefristungen und Befristungen ohne Sachgrund abzuschaffen. Jetzt müssen endlich Taten folgen!"


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