Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 134 - 30.10.2013

DGB NRW: Unternehmen kommen ihrer Ausbildungsverantwortung nicht nach

 

Zur heute von der Arbeitsagentur veröffentlichten Ausbildungsbilanz erklärt Andreas Meyer-Lauber, Vorsitzender des DGB NRW:

„Die heute veröffentlichten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Viele Unternehmen in Nordrhein-Westfalen kommen ihrer Ausbildungsverantwortung nicht nach. Trotz Anstieg der Bewerberzahl um 2.707 auf 143.958, gingen die Stellenmeldungen um 2.791 auf 101.360 erheblich zurück. Der schlechteste Wert seit 2010. Nach den Zahlen der Arbeitsagentur haben über 42.000 Jugendliche zum 30. September keinen Ausbildungsplatz bekommen und stehen nun mit leeren Händen da. 6.300 sind noch als unvermittelte Bewerber gemeldet. Hinzu kommen 36.000 junge Menschen, die sich vergeblich um einen Ausbildungsplatz bemüht haben, nun aber die Zeit mit einer anderen Alternative überbrücken, wie zum Beispiel einem Praktikum, einer Arbeitsstelle oder einem Schulbesuch. Insgesamt gibt es also rund 42.000 Ausbildungsplätze zu wenig in NRW. Besonders hart trifft es jungen Menschen mit Haupt- und mittlerem Schulabschluss. Ihnen gelingt immer seltener der direkte Wechsel von der Schule in die Lehre. Fast jeder Dritte dieser Jugendlichen landet zunächst in einer sogenannten Warteschleife des Übergangssystems, die nicht zu einer qualifizierenden Ausbildung führt.

Es ist beschämend, dass die nordrhein-westfälischen Unternehmen in dieser Situation immer weniger Ausbildungsstellen zur Verfügung stellen. Der Rückgang liegt mit 2,7 % deutlich über dem Bundestrend. Nur noch jeder fünfter Betrieb in NRW bildet überhaupt noch aus. Die Klagen über den drohenden Fachkräftemangel sind vor diesem Hintergrund nicht nachvollziehbar. Die Bewerber sind besser qualifiziert als je zuvor. Fehlende Ausbildungsreife zieht vor dem aktuellen Hintergrund nicht: So ist durch den doppelten Abi-Jahrgang der Anteil von Ausbildungsplatzsuchenden mit Hochschulzugangsberechtigung erheblich gestiegen. Das Kernproblem liegt einzig und allein am Ausbildungsplatzangebot der Unternehmen. Viele scheuen schlicht den Aufwand, den die betriebliche Ausbildung von jungen Menschen mit sich bringt. Vor allem kleinere Betriebe ziehen sich aus der Ausbildung zurück.

Um diesen Knoten endlich zu lösen, brauchen wir eine verbindliche Ausbildungsquote, die im NRW-Ausbildungskonsens zwischen Arbeitgebern, Gewerkschaften und dem Land vereinbart werden muss. Zudem müssen Unternehmen, die sich weigern, stärker in die Pflicht genommen werden. Auch die Landesregierung NRW muss jetzt etwas für die Jugendlichen tun und endlich die im Koalitionsvertrag angekündigte Ausbildungsgarantie vorantreiben.“


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