Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 12.11.2018

Anja Weber zu 100 Jahre Frauenwahlrecht: Viel erreicht und noch viel zu tun!

Vor 100 Jahren brachte der Rat der Volksbeauftragten ein Gesetz auf den Weg, mit dem Frauen in Deutschland erstmals das aktive und passive Wahlrecht erhielten. Dazu erklärt Anja Weber, Vorsitzende des DGB NRW:

"Der 12. November 1918 ist die Geburtsstunde des Frauenwahlrechts und ein Meilenstein unserer Demokratie. Der beharrliche Einsatz mutiger Frauen und der Arbeiterbewegung führte zur Gleichstellung von Frauen und Männern vor dem Gesetz.

Seitdem haben Frauen in puncto Gleichberechtigung viel erreicht: Das Rollenbild, das Frauen auf brave Hausfrauen und Mütter reduziert, hat weitestgehend ausgedient und die Teilhabe von Frauen auf dem Arbeitsmarkt wächst stetig. Und dennoch bleiben große Herausforderungen. Unsere Parlamente sind so männlich wie lange nicht mehr. Sowohl im NRW-Landtag als auch im Bundestag sind deutlich weniger als ein Drittel der Abgeordneten weiblich. Damit sind Frauen bei der politischen Gestaltung unseres Landes stark unterrepräsentiert. Zudem versuchen rechtspopulistische Kräfte die Zeit zurückzudrehen. Sie propagieren ein Rollenverständnis von vorgestern und wollen Frauen wieder in enge Schranken weisen.

Trotz großer Fortschritte ziehen Frauen auf dem Arbeitsmarkt immer noch den Kürzeren. Die heutige Frauengeneration ist die bestausgebildetste aller Zeiten und dennoch haben es Frauen nach wie vor schwerer, sich in der Arbeitswelt durchzusetzen. Minijobs, kurze Teilzeitbeschäftigungen und befristete Arbeitsverhältnisse werden überwiegend von Frauen ausgeübt und auch bei den Karrierechancen haben sie das Nachsehen. Beim Gehalt klafft eine große Lücke: Der Unterschied zwischen Frauen und Männern liegt seit Jahren bei rund 22 Prozent. Die Konsequenz zeigt sich im Alter: 2017 war die Altersrente von Frauen in NRW nur halb so hoch wie die der Männer.

Wir vergeuden ein enormes Potenzial an Talent, Leistung und Kreativität, wenn wir Frauen weiterhin als Beschäftigte zweiter Klasse behandeln. Unternehmen und Verwaltungen müssen alles daran setzen, Chancengleichheit in der Berufswelt zu realisieren. Darüber hinaus brauchen wir einen weiteren Ausbau der Kinderbetreuung und familienfreundlichere Arbeitszeiten, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern."


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