Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 29.08.2019

DGB NRW: Keine Entwarnung am Lehrstellenmarkt

"Von einem generellen Mangel an Bewerberinnen und Bewerbern kann keine Rede sein", betont Anja Weber, Vorsitzende des DGB NRW, angesichts der neusten Zahlen der Arbeitsagentur. Im Gegenteil: "Es gibt nach wie vor zu wenig Ausbildungsplätze. Der Bewerbermangel trifft insbesondere bestimmte Regionen und Berufe. Hier sind die Arbeitgeber gefordert. Eine fehlende Tarifbindung, schlechte Bezahlung und wenig attraktive Arbeitsbedingungen sind hausgemachte Probleme, die endlich gelöst werden müssen." Wer wie die Wirtschaftsverbände von einem gravierenden Mangel an Ausbildungssuchenden spreche, zeichne ein Zerrbild der Realität. Man müsse nicht nur diejenigen berücksichtigen, die laut Arbeitsagentur gänzlich unversorgt sind, sondern auch die, die sich notgedrungen eine Alternative gesucht hätten.

Aktuell können die Betriebe noch auf 34.717 Bewerberinnen und Bewerber zurückgreifen, die bei der Arbeitsagentur gemeldet sind. Dem stehen 28.219 Ausbildungsplätze gegenüber.

Darüber hinaus gibt es eine hohe Dunkelziffer. Wie groß das Potenzial an Bewerberinnen und Bewerbern insgesamt jedes Jahr ist, zeigt ein Blick in die aktuelle Schulstatistik. "Alleine im letzten Jahr wurden fast 58.000 Jugendliche in NRW, die eine Ausbildung hätten machen können, in den Warteschleifen der Berufskollegs geparkt", so die Gewerkschafterin. Setze sich die Entwicklung der letzten zwei Jahre fort, müssten nach DGB-Berechnungen in 2019/20 wieder etwa 54.000 Jugendliche mit Maßnahmen des Übergangssystems vorliebnehmen.

Die Kritik, dass Auszubildende fehlten, weil zu viele studieren würden, weist Weber ebenfalls zurück. Zahlen der Industrie- und Handelskammern zeigten, dass mittlerweile mehr als die Hälfte der Auszubildenden in ihrem Zuständigkeitsbereich ein Abitur oder Fachabitur haben. Um die Schere zwischen Bewerbern und Ausbildungsplätzen endlich zu schließen, fordert die DGB NRW-Vorsitzende die Betriebe auf, bei der Einstellung von Auszubildenden flexibler zu sein: "Die Ausbildungsbetriebe müssen sich mehr für schwächere Bewerber öffnen und offensiv auf diese zugehen. Junge Menschen mit einem Hauptschulabschluss oder einer mittleren Reife brauchen wieder mehr Perspektive bei der Ausbildungswahl."


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