Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 074 - 11.12.2012

DGB NRW: Mit dem Minijob-Wahnsinn muss endlich Schluss sein

Wir brauchen eine grundlegende Reform

„Die Studie des IAB bestätigt, was Gewerkschaften schon lange beklagen: Minijobs verdrängen sozialversicherungspflichtige Beschäftigung“, erklärt Andreas Meyer-Lauber, Vorsitzender des DGB NRW zur aktuellen Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. „Das Minijobsystem hat sich als Irrweg erwiesen, den man nicht länger beschreiten sollte.“

In Nordrhein-Westfalen haben rund 1,8 Millionen Menschen einen Minijob. Über 1,2 Millionen von ihnen gehen keiner weiteren Beschäftigung nach, 560.000 haben einen Minijob als Nebentätigkeit. Minijobs konzentrieren sich auf wenige Branchen, in diesen arbeiten vorwiegend Frauen. So gibt es im Hotel- und Gaststättengewerbe in NRW wesentlich mehr Minijobber/innen (rund 185.000) als sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (rund 149.000).

„Minijobber werden zudem extrem schlecht bezahlt“, erläutert Meyer-Lauber. „Laut der IAB-Studie verdienen 68 Prozent von ihnen weniger als 8,50 Euro die Stunde.“ Das geringe Einkommen hindere die Beschäftigten auch daran, Ansprüche in der Rentenkasse aufzubauen. „Minijobber sind doppelt gestraft: Im Berufsleben, weil sie so wenig verdienen, und im Alter, weil die Rente nicht zum Leben reicht. Diesem Wahnsinn muss die Politik endlich ein Ende setzen.“

Um die Situation der Beschäftigten zu verbessern, müssen Minijobs grundlegend reformiert werden, fordert der DGB-Bezirksvorsitzende. „Das DGB-Konzept sieht vor, Minijobs ab dem ersten Euro voll sozialversicherungspflichtig zu machen. Wir wollen, dass die Arbeitgeber bis zu einem Monatseinkommen von 100 Euro den vollen Sozialversicherungsbeitrag übernehmen. Danach sollte in einer Gleitzone der Arbeitnehmeranteil ansteigen, bis bei einem Gehalt von 800 Euro die paritätische Beitragsfinanzierung erreicht ist.“

Mehr zum Thema Minijobs und dem DGB-Reformvorschlag erfahren Sie hier.


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