Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 138 - 14.11.2013

Ausbildungsreport der DGB Jugend NRW: Ausbildungsmarkt ist tief gespalten


„Unter den Jugendlichen, die einen Ausbildungsplatz suchen, hat sich in NRW eine Zwei-Klassen-Gesellschaft entwickelt“, erklärte Eric Schley, Abteilungsleiter der DGB Jugend NRW, die Ergebnisse des Ausbildungsreports, der heute in Düsseldorf vorgestellt wurde. „Die große Mehrheit der Auszubildenden gibt an, dass sie keinerlei Schwierigkeiten hatte, ihren Ausbildungsplatz zu bekommen. Demgegenüber stehen aber in NRW rund 24.000 junge Menschen, die auch nach längerer Suche leer ausgegangen sind und ohne Ausbildungsstelle verbleiben.“ Unter ihnen seien immer mehr junge Leute, die einen guten Schulabschluss vorweisen können. Durch den doppelten Abi-Jahrgang sei der Anteil von Bewerbern mit Abitur um 35 Prozent gestiegen. „Diese Jugendlichen bleiben oft deshalb unversorgt, weil sie in den Berufen, für die sie sich interessieren, zu wenig Stellen angeboten werden. Und das kann man den Jugendlichen kaum vorwerfen: Ein Abiturient, der Bankkaufmann oder Industriekaufmann werden will, wird verständlicherweise lieber vorerst auf eine Ausbildung verzichten, als stattdessen in der Gastronomie zu lernen.“

Wie wichtig es sei, dass Jugendliche einen Beruf lernten, der sie interessiert, zeige sich auch im Verlauf einer Ausbildung, so Schley weiter. „Unser Report stellt fest, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen der Verwirklichung der Wunschausbildung und einem erfolgreichen Einstieg ins Berufsleben gibt. 80 Prozent der Jugendlichen, die ihren Wunschberuf lernen, geben an, zufrieden zu sein und nach der Ausbildung in diesem Beruf arbeiten zu wollen. Bei den Jugendlichen, die ihre Wunschausbildung nicht bekommen haben, sieht es anders aus. Nur etwa die Hälfte von ihnen ist mit ihrer Ausbildung zufrieden und nur 40 Prozent wollen den gelernten Beruf auch später noch ausüben.“ Man wisse auch, dass rund die Hälfte der jungen Menschen, die ihre Ausbildung abbrechen, dies damit begründeten, nicht den richtigen Beruf gewählt zu haben.

„Die Befragung der DGB Jugend NRW hat gezeigt, wie wichtig ein auswahlfähiges Angebot an Ausbildungsplätzen ist“, ergänzte Andreas Meyer-Lauber, Vorsitzender des DGB NRW. „Es nützt weder den Jugendlichen noch unserer Wirtschaft, wenn junge Menschen aus Mangel an Plätzen in Berufe gedrängt werden, die sie nicht ausüben möchten.“ Es könne daher nicht angehen, dass nur noch weniger als ein Viertel der NRW-Unternehmen ausbildeten und das Angebot an Ausbildungsstellen rückläufig sei. „Der DGB NRW fordert eine verpflichtende Ausbildungsquote für alle Unternehmen.“ Darüber hinaus müssten Berufe, die wenig nachgefragt sind, aufgewertet werden. „In den Branchen, in denen es unbesetzte Ausbildungsplätze gibt, ist es Aufgabe der Unternehmen, die Attraktivität und Qualität ihrer Ausbildung zu erhöhen. Wenn Jugendliche wissen, dass in einem Beruf eine gute Ausbildung mit vernünftiger Zukunftsperspektive haben, steigt ihre Motivation, sich für diesen Beruf zu entscheiden.“

Die DGB Jugend hat in diesem Jahr rund 7.500 Auszubildende in Nordrhein-Westfalen befragt. Schwerpunktthema des sechsten Ausbildungsreports war die Frage, wie leicht oder schwer für Schulabgänger der Zugang zum Ausbildungsmarkt ist. Darüber hinaus wurden die Jugendlichen nach der Qualität ihrer Ausbildung befragt.

Den ganzen Ausbildungsreport finden Sie hier:


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