Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 14.02.2019

DGB-Gewerkschaften: Hände weg vom Arbeitszeitgesetz!

Mann mit zwei Uhren vor den Augen

DGB/Daniil Peshkov/123rf.com

Am Freitag, 15. Februar 2019, wird ein Antrag zur Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes in den Bundesrat eingebracht. Antragsteller ist das Land Nordrhein-Westfalen. Die DGB-Gewerkschaften in Nordrhein-Westfalen sind gegen diesen Vorstoß, der eine Ausweitung der Arbeitszeit und eine Kürzung der Ruhezeiten ermöglichen soll.

"Die Landesregierung stellt sich mit ihrem Antrag klar auf die Seite der Unternehmen und lässt die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Stich", kritisiert Anja Weber, Vorsitzende des DGB. "Dabei ist die Belastungsgrenze schon jetzt für viele Menschen erreicht, Stress und psychische Erkrankungen sind seit Jahren auf dem Vormarsch. Anstatt die Schraube immer weiter anzuziehen, müssen wir Druck aus dem System nehmen. Wir brauchen einen besseren Arbeitsschutz und eine Stärkung von Tarifbindung und Mitbestimmung, um die Arbeits- und Lebensbedingungen zu verbessern."

"Wir haben es in der Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie gesehen und wir erleben es jetzt in der Stahltarifrunde: Die Menschen wollen mehr Selbstbestimmung über ihre Arbeitszeit. Das macht für sie einen Arbeitsplatz attraktiv. Die konkreten Punkte aus der Bundesratsinitiative der Landesregierung fördern aber genau das Gegenteil. Die individuellen Arbeitszeiten werden den unternehmerischen Bedürfnissen untergeordnet", erklärt Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall NRW. "Wir müssen die Digitalisierung und große technologische Veränderungen stemmen. Dafür brauchen wir Fachkräfte in NRW. Die lassen sich aber nicht durch überlange Arbeitszeiten und geringere Ruhezeiten gewinnen. So sah die Arbeitswelt vor hundert Jahren aus. Zukunft sieht anders aus."

"Das Arbeitszeitgesetz ist schon heute flexibel genug und lässt viele Gestaltungsspielräume zu", erläutert Gabriele Schmidt, Landesleiterin von ver.di nrw. "Das Argument des starren 8-Stunden-Tages ist somit schnell widerlegt. Aktuelle Studien belegen, dass die Arbeitsverdichtung im Dienstleistungssektor bereits jetzt ihren Höhepunkt erreicht hat. Die geplante Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes wird seine Kernaufgabe aushöhlen: Es muss dem Gesundheitsschutz der Beschäftigten dienen, sonst hat es seine Funktion verfehlt!"


Nach oben

Themenverwandte Beiträge

Link
Anja Weber in der Rheinischen Post zur Arbeitszeit-Initative aus NRW: "Diese Initiative macht mich wirklich wütend"
Im Interview spricht die Vorsitzende des DGB NRW über die Pläne der NRW-Landesregierung einen Antrag in den Bundesrat einzubringen, in dem diese ein flexibleres Arbeitszeitrecht fordert. Für Weber ist klar: "Die Landesregierung muss sich entscheiden, auf welcher Seite sie steht. Will sie nur willfähriger Erfüllungsgehilfe der Unternehmer sein oder hat sie den Mut, sich für die Belange der Wähler einzusetzen." zur Webseite …
Pressemeldung
DGB NRW: Landesregierung scheitert bei Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes
Der Bundesrat hat in seiner Sitzung den Entschließungsantrag des Landes NRW zur Arbeitszeitflexibilisierung abgelehnt. Dazu erklärt Anja Weber, Vorsitzende des DGB NRW: "Die NRW-Landesregierung ist mit ihrem Vorhaben, das Arbeitszeitgesetz aufzuweichen, krachend gescheitert. Nachdem bereits alle zuständigen Bundesratsausschüsse dem Antrag eine Abfuhr erteilt hatten, wurde er heute auch vom Plenum abgelehnt." Zur Pressemeldung

Social Media

DGB NRW bei Facebook DGB NRW auf Twitter folgen