Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 29.07.2021

"Ältere und Menschen ohne Berufsausbildung nicht aufs Abstellgleis schieben" – DGB NRW fordert Sofortprogramm

Menschen über 55 Jahren und solche ohne Berufsausbildung erleben besondere Härten auf dem Arbeitsmarkt. Darauf weist der Deutsche Gewerkschaftsbund NRW anlässlich der heute veröffentlichten aktuellen Arbeitsmarktzahlen hin. "Die Zahlen zeigen: Forderungen nach einer Erhöhung des Renten-Eintrittsalters sind realitätsfremd", betont Sabine Graf, stellvertretende Vorsitzende des DGB NRW. "Ein Sonderprogramm für Ältere und Menschen ohne Berufsausbildung ist nötig, um den besonderen Bedarf aufzugreifen, das Fachkräftepotential zu erhalten und auszubauen."

Die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt ist deutlich: "Die Zahl der Arbeitslosen, die älter als 55 Jahre ist, hat sich um 16 Prozent erhöht, wenn man die Daten mit dem Februar 2020 vergleicht. Das muss ein deutliches Warnsignal sein", so die Gewerkschafterin. Während vor dem ersten Lockdown im Februar 2020 noch 134.453 Arbeitslose älter als 55 Jahre waren, sind es aktuell 156.006; ein Zuwachs von 21.553. Bei den Langzeitarbeitslosen stieg die Zahl von 242.639 auf 335.948; ein Zuwachs von 38,5 Prozent. "Kurzarbeitergeld hat vielen Menschen den Job gerettet. Dennoch haben sich Betriebe, die stärker von den Pandemiemaßnahmen betroffen waren, häufiger von Beschäftigten getrennt und seltener neue Beschäftigte eingestellt. In der Pandemie zeigt sich, wer es besonders schwer auf dem Arbeitsmarkt hat: Ältere Beschäftigte und Menschen ohne Berufsausbildung, die schwer aus der Arbeitslosigkeit herausfinden und häufig langzeitarbeitslos bleiben", unterstreicht die stellvertretende DGB NRW-Vorsitzende. "Viele Ältere schaffen es kaum, das aktuelle Renteneintrittsalter tatsächlich in Arbeit zu erreichen. Statt darüber zu reden, immer später in Rente zu gehen, müssen Bund und Land dafür sorgen, dass Langzeitarbeitslose nicht aufs Abstellgleis geschoben werden und stärker in zielgenaue Weiter- und Ausbildung investieren, damit das aktuelle Renten-Eintrittsalter überhaupt aktiv erreicht werden kann."

Bund, Land und Arbeitsagentur müssen jetzt Sonderprogramme auflegen, fordert Graf: "Dem Einzelnen eine neue berufliche Perspektive bieten und gleichzeitig den Fachkräftemangel bekämpfen – dazu sind passgenaue Programme ein wichtiger Schlüssel. Dabei muss es um kürzere Nachqualifizierungen für Ältere gehen, damit sie den Anschluss an die aktuelle Arbeitsmarktentwicklung behalten. Diejenigen ohne Berufsausbildung brauchen etwa Coachings, eine bessere finanzielle Unterstützung während der Qualifizierungsphasen oder Unterstützung bei der Kinderbetreuung."


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