Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 017 - 19.03.2012

DGB NRW und ver.di NRW: Endlich equal pay bei Frauen und Männern umsetzen!

„Es ist ein Skandal, dass Frauen in Deutschland durchschnittlich bis zum 23. März arbeiten müssen, um das gleiche Geld zu bekommen, dass Männer bereits am Ende des Vorjahres auf ihrem Konto hatten“, erklärte Andreas Meyer-Lauber mit Blick auf den Equal-pay-day am kommenden Freitag. Obwohl die Entgeltgleichheit im Grundgesetz verankert sei, verdienten Frauen fast ein Viertel weniger als ihre männlichen Kollegen. „Um diesem untragbaren Zustand ein Ende zu setzen, brauchen wir neben einem gesellschaftlichen Umdenken auch politische Regelungen“, so Meyer-Lauber. Dazu gehörten die Einführung eines Mindestlohns, eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und eine Sozialversicherungspflicht bei Minijobs ab dem ersten Euro.

Equal pay bedeute auch, Leistungen in typischen Frauenberufen endlich gerecht zu bewerten, erklärte der ver.di-Handelsexperte Folkert Küpers. „Es gibt keinen plausiblen Grund dafür, dass Berufe wie Friseurin, Krankenschwester oder Verkäuferin schlechter bezahlt werden, als ‚Männerberufe’ wie Mechatroniker oder Speditionskaufmann.“

Der Einzelhandel sei ein gutes Beispiel für eine typische „Frauenbranche“, so Küpers weiter. Dort seien 70 Prozent der 460.000 Beschäftigten weiblich. „Der Anteil an Niedriglöhnen ist im NRW-Einzelhandel sehr hoch, etwa ein Drittel der Beschäftigten verdient unter 8,50 Euro.“ Für diese Beschäftigtengruppe sei Altersarmut vorprogrammiert. „Wer bei diesem geringen Einkommen 40 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hat, bekommt letztlich nur eine Brutto-Rente um die 500 Euro.“

Neben der geringen Bezahlung sei der Mangel Vollzeitarbeitsplätzen ein weiterer Grund für die niedrigen Gehälter, erläuterte der Einzelhandelsexperte. „Die Mehrheit der im Einzelhandel beschäftigten Frauen arbeitet Teilzeit oder geht einem Minijob nach. Dabei handelt es sich meist nicht um Wunschteilzeit, sondern um Zwangsteilzeit.“ Die Deregulierung der Ladenöffnungszeiten hätte diesen Trend noch einmal verstärkt. „Eine Untersuchung des WABE-Instituts zeigt, dass in den letzten Jahren sowohl die Teilzeitbeschäftigung als auch die Minijobs angestiegen sind.“ Vor allem im Lebensmittel-Einzelhandel werde das Arbeitsvolumen dabei nach dem Prinzip verteilt, dass nur das – in der Regel männliche – Management Vollzeit arbeitet. Das „operative“ Geschäft in Verkauf, Kassen und Auffüllung werde dagegen eher von Frauen in Teilzeit und Minijobs betrieben.

Der DGB und ver.di fordern ein Umdenken von Politik, Arbeitgebern und Gesellschaft, damit Equal-pay zwischen Männern und Frauen endlich Wirklichkeit wird.


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