Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 068 - 17.11.2010

DGB: Rente mit 67 erhöht Altersarmut in Nordrhein-Westfalen

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) warnt vor steigender Altersarmut in Nordrhein-Westfalen und fordert den sofortigen Stopp der Rente mit 67. Andreas Meyer-Lauber, der Vorsitzende des DGB NRW, sagte am Freitag, dass Altersarmut im Bundesland schon jetzt deutlich zu spüren sei. "Aufgrund der Rentenkürzungen liegen die Altersrenten in Nordrhein-Westfalen im Schnitt nur noch bei 689 Euro und damit noch niedriger als der Durchschnitt im gesamten Bundesgebiet (706 Euro). "Wir müssen dringend umsteuern, damit die gesetzliche Rente wieder armutsfest wird. Als ersten Schritt fordern wir die Bundesregierung auf, die Rente mit 67 zu stoppen, weil die Rente mit 67 die Altersarmut zusätzlich verschärfen würde", so der Gewerkschafter. Nach DGB-Berechnungen muss in Nordrhein-Westfalen mehr als jeder siebte Beschäftigte aus gesundheitlichen Gründen frühzeitig aus dem Arbeitsleben ausscheiden und hohe Abschläge bei der Erwerbsminderungsrente hinnehmen.

"Die Rente ab 67 Jahre ist für meisten Beschäftigten unerreichbar und wird zu einer reinen Rentenkürzung", erklärte der DGB-Bezirksvorsitzende. Eine große Zahl von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern kann auch deshalb nicht bis 65 Jahre arbeiten, weil die Beschäftigungschancen zu schlecht sind. "Auch in Nordrhein-Westfalen bietet der Arbeitsmarkt nicht genügend Möglichkeiten für Ältere", so Andreas Meyer-Lauber. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind nur 20,1 % aller 60-64-jährigen in NRW sozialversicherungspflichtig beschäftigt, ein noch schlechterer Wert als auf Bundesebene (20,6 %). Mehr als jeder Vierte aller nordrhein-westfälischen Arbeitslosen sei älter als 50 Jahre. "Den meisten dieser mehr als 200.000 Bürgerinnen und Bürger wird ein Wiedereinstieg in Beschäftigung nicht gelingen", fürchtet der Gewerkschafter. Auch die wirtschaftliche Erholung habe die Beschäftigungsmöglichkeiten Älterer nicht verbessern können. So seien die Arbeitslosenzahlen bei 55-64-Jährigen weiter gestiegen. In Nordrhein-Westfalen gäbe es im Vergleich zum Vorjahr über 10.000 mehr Arbeitslose in dieser Altersgruppe.

Für den DGB ist die Rente mit 67 deshalb der falsche Weg. "Die Voraussetzungen für eine Erhöhung des gesetzlichen Renteneintrittsalters sind nicht gegeben. Es wäre völlig inakzeptabel, wenn die Bundesregierung sehenden Auges in Kauf nimmt, dass Altersarmut zur Perspektive für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wird", sagte Meyer-Lauber.


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