Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 093 - 07.03.2013

DGB NRW FrauenDatenReport: Nordrhein-Westfalen noch meilenweit von tatsächlicher Gleichberechtigung entfernt

Am Vortag des Internationalen Frauentages hat der DGB NRW heute seinen ersten FrauenDatenReport NRW vorgestellt. „Wir haben uns Schulzeit, berufliche Ausbildung, Berufswelt und Rente angesehen und Unterschiede zwischen den Geschlechtern analysiert“, erklärt Andreas Meyer-Lauber, Vorsitzender des DGB NRW. „Die von uns zusammengestellten Zahlen belegen: Von tatsächlicher Gleichberechtigung sind wir in Nordrhein-Westfalen noch weit entfernt.“

Zwar könne man nicht behaupten, dass es in den vergangenen Jahren gar keinen Fortschritt gegeben habe, erläutert Carmen Tietjen, Frauensekretärin des DGB NRW. „In der Startphase haben Frauen sogar die Männer überholt. Mädchen sind in der Schule erfolgreicher und machen höhere und bessere Abschlüsse.“ Mit dem Ende der Schulzeit ende aber auch meist die weibliche Erfolgsgeschichte. „Trotz immer besserer Qualifikation ziehen Frauen in der Arbeitswelt nach wie vor den Kürzeren. Und zwar beim Gehalt ebenso wie bei den Karrierechancen.“

Ein Teil des Problems sei die schlechtere Bezahlung in Berufen, die überwiegend von Frauen ausgeübt werden, so Tietjen weiter. „Schon in der Ausbildung erhalten Verkäuferinnen rund 200 Euro weniger Gehalt als Kraftfahrzeugmechatroniker. Das setzt sich im weiteren Berufsleben fort. Dabei ist nicht rational erklärbar, warum weiblich dominierte Berufe in Gesundheit, Erziehung, Pflege und Dienstleistung schlechter bezahlt werden als typische Männerberufe. Das Resultat dieser Ungleichbehandlung ist: Jede dritte Frau in NRW bezieht einen Niedriglohn, während es bei den Männern nur jeder siebte ist.“ Hinzu kämen schlechtere Arbeitsbedingungen, denen Frauen ausgesetzt sind, sagt Tietjen. „Frauen sind wesentlich häufiger atypisch beschäftigt als Männer, das heißt, dass nur jede zweite Frau über einen unbefristeten Vollzeitvertrag verfügt. 50 Prozent arbeiten befristet, in Teilzeit oder einem Minijob.“ Konsequenz der niedrigeren Einkommen und längeren Familienzeiten seien wesentlich geringere Renteansprüche, ergänzt Tietjen. „Ende 2011 haben Frauen in NRW eine durchschnittliche Altersrente von 491 Euro erhalten. Männer bekamen mit 975 Euro fast doppelt so viel.“

Um die Gleichberechtigung von Frauen und Männern tatsächlich durchzusetzen, fordere der DGB die Umsetzung von sieben Maßnahmen, erklärt Andreas Meyer-Lauber. „Erstens brauchen wir einen allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn von mindestens 8,50 Euro. Minijobs müssen ab dem ersten Euro sozialversicherungspflichtig sein. Zweitens muss die Betreuungsinfrastruktur hochwertig ausgebaut werden. Drittens ist eine Aufwertung so genannter Frauenberufe längst überfällig. Viertens möchten wir Unternehmen verpflichten, ihre Entgeltpraxis zu überprüfen und diese geschlechtergerecht zu gestalten. Fünftens brauchen wir einen Rechtsanspruch auf die Rückkehr von einer Teilzeit- in eine Vollzeitbeschäftigung. Sechstens muss die Frauenquote in Aufsichtsräten und Führungspositionen kommen. Und siebtens drängen wir auf eine Novellierung des Landesgleichstellungsgesetzes NRW. Nach wie vor fehlt es an wirksamen Kontrollen über die Umsetzung der festgeschriebenen Ziele.“

Den FrauenDatenReport des DGB NRW finden Sie hier:


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