Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 14.07.2020

Trotz Corona-Krise jungen Menschen gute Perspektiven bieten

Partner machen sich gemeinsam stark für die Ausbildung

NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann, Anja Weber, Vorsitzende des Deutscher Gewerkschaftsbund NRW, Torsten Withake, Leiter der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit und Christian Woltering, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands haben sich heute in Ibbenbüren im Kreis Steinfurt informiert, wie benachteiligte Jugendliche durch die gezielte Unterstützung eines Bildungsträgers auf dem Weg zu einem erfolgreichen Abschluss ihrer Berufsausbildung begleitet werden.

Die drei in Ibbenbüren anwesenden Spitzenvertreter des Ausbildungskonsenses NRW und der Paritätische Wohlfahrtsverband NRW sind sich einig, dass die Ausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen eine zentrale Rolle dabei spielen kann, den Ausbildungsmarkt in Corona-Zeiten zu stabilisieren. Sie ist ein wichtiges Instrument, um die besonderen Herausforderungen zu bewältigen, die für Jugendliche am Ausbildungsmarkt in Folge der Corona-Virus-Pandemie entstanden sind. Der Gastgeber, der Lernen fördern e.V., begleitet schon seit vielen Jahren erfolgreich junge Menschen auf ihrem Weg zum Berufsabschluss.

Arbeitsminister Karl-Josef Laumann:
„Für mich als Arbeitsminister ist klar: Junge Erwerbsfähige ohne berufliche Qualifikation gehören zur Risikogruppe des Arbeitsmarkts. Und die Auszubildenden von heute sind die dringend benötigten Fachkräfte von morgen“, so Laumann. „Daher ist das Angebot der Bundesagentur für Arbeit, außerbetriebliche Ausbildungen für benachteiligte junge Menschen anzubieten, die den Einstieg in den ersten Ausbildungsmarkt verpasst haben, für den Ausbildungsmarkt in Nordrhein-Westfalen sehr wichtig. Durch die professionelle Umsetzung der Ausbildungen, wie wir es heute bei ‚Lernen fördern‘ kennen gelernt haben, erhalten die jungen Menschen eine gute Perspektive für ihren Einstieg ins Berufsleben.“

Anja Weber, Vorsitzende Deutscher Gewerkschaftsbund NRW:
„Wir haben heute ein gutes Beispiel für die Förderung von benachteiligten Jugendlichen auf dem Ausbildungsmarkt gesehen. Es ist beeindruckend, was da konzeptionell und praktisch entwickelt wurde. Gäbe es diese Form der außerbetrieblichen Ausbildung nicht, die in Kooperation mit Betrieben stattfindet, man müsste sie erfinden. Der DGB fordert mit Nachdruck, dass das „Programm für Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen“ geöffnet wird für die Jugendlichen, die derzeit am Ausbildungsmarkt leer ausgehen. Schon vor der Corona Krise blieb jeder fünfte junge Erwachsene ohne Ausbildungsabschluss. Das ist ein Skandal, der durch die Krise noch verschärft wird. Heute haben wir eine gute Möglichkeit gesehen, zu unterstützen, das sollte das Land aufgreifen.“

Torsten Withake, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit:
„Ich freue mich sehr, dass wir zusammen als Partner im Ausbildungskonsens NRW alles tun, um junge Menschen auch in der aktuell von der Pandemie geprägten Situation erfolgreich in und durch die Ausbildung zu bringen. Wichtig ist für uns alle, dass Jugendliche in NRW die Möglichkeit bekommen, in der entscheidenden Phase ihres Lebens eine gute und erfolgversprechende Perspektive für ihre berufliche Zukunft zu erhalten. Unser Ziel ist es, jedem jungen Menschen ein passgenaues Angebot zu machen. Das gilt auch für die Unterstützung der Arbeitgeber mit Blick auf die Sicherstellung des Fachkräftebedarfs. Die Agenturen für Arbeit bieten viele unterschiedliche Ansätze und Instrumente zur Unterstützung von Azubis sowie Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern an. Es gibt viele Hebel, gemeinsam erfolgreich zu verhindern, dass es am Ausbildungsmarkt einen Jahrgang Corona geben kann.“

Christian Woltering, Landesgeschäftsführer Paritätischer Wohlfahrtsverband NRW:
"Von der aktuellen Situation auf dem Ausbildungsmarkt sind vor allem ohnehin bereits benachteiligte Jugendliche betroffen: junge Menschen ohne Abschluss, mit Hauptschulabschluss oder Jugendliche mit Migrationshintergrund und fehlenden Sprachkenntnissen. Wir dürfen diese jungen Menschen nicht verlieren! Wir brauchen speziell für diese Zielgruppe Angebote, um berufliche Orientierung zu geben und bei fachlichen und persönlichen Problemen zu unterstützen. Die kooperative Berufsausbildung und die damit verbundene intensive Unterstützung durch einen Träger ist daher genau das richtige Instrument, diese jungen Menschen auf dem Weg in ihr Berufsleben zu begleiten. Der Paritätische NRW begrüßt die intensiven Bemühungen der Partner im Ausbildungskonsens NRW, möglichst für alle Jugendliche einen Ausbildungsplatz zu finden. Jugendliche brauchen vor allem jetzt eine klare Perspektive und Stabilität."

Ludger Lünenborg, geschäftsführender Vorstand Lernen fördern e.V. Kreisverband Steinfurt:
„Die kooperative Berufsausbildung hat sich bereits seit vielen Jahren als ein wirkungsvolles Instrument bewährt, junge Menschen, die ohne ein passendes Ausbildungsplatzangebot sind, mit der notwendigen Unterstützung durch unsere pädagogischen Fachkräfte und gemeinsam mit einem anerkannten Ausbildungsbetrieb zu einem erfolgreichen Berufsabschluss zu führen. Diese Möglichkeit sollte jetzt auch für die jungen Menschen geöffnet werden, die auf Grund der Auswirkungen der Corona-Pandemie ohne Ausbildungsplatz bleiben. Damit wird auch den Schulabgängern im „Corona-Jahr“ eine berufliche Ausbildungsperspektive geboten und ein Beitrag zur Sicherung des Fachkräftenachwuchses für die Betriebe der Wirtschaft geleistet.“

Marcus Eberle, Mitinhaber des Ausbildungsbetriebes Bäckerei Schlemmerback, Ibbenbüren:
„Unsere Auszubildende Laura Rolf hat sich auch dank der Unterstützung durch Lernen fördern so gut entwickelt, dass wir sie jetzt auch drei weitere Jahre zur Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk (Bäckerei) selber ausbilden. Das ist eine richtige Win-Win-Geschichte für Frau Rolf und für uns, die noch lange nicht zu Ende ist.“


Handwerk: Jugendliche erfolgreich für Arbeitsmarkt qualifizieren
Auch die Arbeitgeber im Ausbildungskonsens begrüßen die Möglichkeit, Jugendliche durch gezielte Unterstützung in einer außerbetrieblichen Einrichtung in Kooperation mit einem Unternehmen nachhaltig für den Arbeits- und Ausbildungsmarkt zu qualifizieren:

Hans Hund, Präsident des Westdeutschen Handwerkskammertags, sagte

„Das Handwerk sucht Schulabgängerinnen und Schulabgänger mit Schulabschlüssen aller Art, um Fach- und Führungskräfte zu entwickeln. Gerade in diesem Jahr bedarf es vieler Aktivitäten, um die zahlreichen offenen betrieblichen Ausbildungsplätze im Handwerk zu besetzen, die Corona-bedingt auch jetzt im Sommer noch unbesetzt sind. Die außerbetriebliche Ausbildung ist ein wichtiges Instrument, um benachteiligte Jugendliche und solche, die nicht „betriebsfähig“ sind, mithilfe von Bildungsträgern für einen Berufsabschluss zu qualifizieren sowie für den ersten Arbeitsmarkt adäquat vorzubereiten. Das Engagement vieler Handwerksbetriebe auch für Auszubildende mit Benachteiligungen erscheint mir vorbildlich. Dafür gilt mein herzlicher Dank.“


Hintergrund:
Das kooperative Modell der Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen (BaE)

Bei der besuchten Maßnahme in Ibbenbüren werden junge Menschen in einer Kooperation des Bildungsträges Lernen fördern e.V. mit Betrieben und Unternehmen im Kreis Steinfurt ausgebildet.

Die praktische Ausbildung erfolgt im Betrieb, die theoretische in der Berufsschule. Lernen fördern e.V. begleitet die Jugendlichen, die einen besonderen Unterstützungsbedarf aufweisen. Dazu gehört neben der Abstimmung zwischen dem ausbildenden Kooperationsunternehmen und der Berufsschule das Angebot zusätzlicher Unterstützungsleistungen sowie die intensive Begleitung der Jugendlichen vor Ort, in Betrieb und Schule.

Auch der Kontakt zu den Eltern der Azubis gehört zu den Aufgaben des Bildungsträgers, da die Unterstützung von zu Hause in vielen Fällen ein ganz wesentlicher Baustein ist, um die jungen Menschen durch die Ausbildung zu führen. Ziel ist es, den Erfolg der Ausbildung sicherzustellen.
Neben Berufsausbildungen in außerbetrieblichen Einrichtungen gibt es viele weitere Unterstützungsangebote zur Förderung junger Menschen und für ausbildende Unternehmen, unter anderem die Einstiegsqualifizierung, die ausbildungsbegleitenden Hilfen, die assistierte Ausbildung sowie, in Zusammenarbeit mit dem Bund, die Ausbildungsprämien für Betriebe.

 

Kontakte:

Lernen fördern Unternehmensverbund
Dorothee Hersebrock
Referentin für Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 05451 5948-29
hersebrock@lernenfoerdern.de
www.lernenfoerdern.de

 

Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit
Christoph Löhr
Pressesprecher
Telefon: 0211 4306 554
Christoph.Loehr2@arbeitsagentur.de


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