Deutscher Gewerkschaftsbund

20.08.2015

Kolleginnen und Kollegen aus Architektenkammer besuchen Zeche Zollverein

Moderne sollte beeindrucken – auch architektonisch

ewerkschafterinnen und Gewerkschafter aus der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen (AKNRW) tauschen sich regelmäßig in einer gemeinsamen Kolleginnen- und Kollegen-Gruppe des DGB NRW aus. Im August gingen die Architekten, Stadtplaner und Landschaftsarchitekten auf Exkursion zur Zeche Zollverein nach Essen.

DGB NRW

Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter aus der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen (AKNRW) tauschen sich regelmäßig in einer gemeinsamen Kolleginnen- und Kollegen-Gruppe des DGB NRW aus. Im August gingen die Architekten, Stadtplaner und Landschaftsarchitekten auf Exkursion zur Zeche Zollverein nach Essen. Michael Ferber berichtet von seinen Eindrücken:

"Wir treffen uns im Ehrenhof. Ehrenhof? Wir wollen die Zeche Zollverein besichtigen, kein Bildungsinstitut oder Ministerium! Später während der Führung werden wir hören, warum der Platz hinter den beiden symmetrisch gruppierten Pförtnerhäuschen einen so ungewöhnlichen Namen trägt.

Die Exkursion der Kolleg_innengruppe des DGB in der AKNW und interessierter Kolleginnen und Kollegen führt uns nach Essen. Die meisten von uns sind natürlich nicht zum ersten Mal hier, aber das tut der Sache keinen Abbruch: man kann das riesige Areal und seine Bebauung nicht beim ersten Besuch in Gänze erfassen. Und keiner von uns hatte je einen so exzellenten Führer durch die Bau-, Industrie- und Sozialgeschichte. Übrigens auch ein Architekten-Kollege, der freiberuflich für den Besucherdienst tätig ist. 

Nach einem ersten Überblick am Modell geht es nach draußen, eben auf den eingangs angesprochenen Ehrenhof. Hier vermag die prägnante, klare Architektur der frühen klassischen Moderne besonders zu beeindrucken (Architekten Schupp & Kremmer). Und das ist natürlich kein Zufall: wie wir erfahren war dieses zu jeder Zeit gepflegte Rasen-Karree direkt vor dem Doppelbockfördergerüst  nicht etwa zur Erholung der Kumpel in der Mittagspause gedacht, sondern sollte den vom 'VIP-Eingang' vorfahrenden Eigentümern, Aktionären und hochgestellten Besucher die perfekt funktionierende fast menschenleere Produktion vor Augen führen. Die Moderne sollte beeindrucken.

 

 

Die Kumpel begannen ihre Schicht nicht im heutigen Weltkulturerbe, sondern fuhren in den umliegenden Kilometer entfernten Schächten der Zeche ein. Hier in der Zentralförderanlage wurde nur das Produkt ihrer Arbeit aus der Tiefe ans Tageslicht gefördert und anschließend durch Wäsche und Verarbeitung zu Koks für die Stahlindustrie veredelt. Die drinnen arbeitenden Menschen bedienten die Maschinen, räumten weg, was trotz aller Mechanisierung daneben ging. Sie waren der Hitze im Sommer, der Kälte im Winter und dem infernalischen Lärm ausgesetzt: dem Rumoren der Maschinen, Kreischen der Loren, dem Donner der von den Förderbändern herabstürzende Kohle und Gestein, dem Staub. Die ästhetisch wunderschönen curtainwall Fassaden der Hallen werden weder die Temperaturen noch den Lärm entscheidend gedämpft haben.

Andere Zeiten, nicht mit den heutigen Produktionsbedingungen vergleichbar. Aber doch bedenkenswert, wenn wir uns für die Architektur der Moderne, für die  ausgefeilte Technik der Kohlenwäsche und der Kokerei – eigentlich eine einzige riesige Maschine – begeistern.

Schöne neue Welt! Ja, unser aller schöne neue Welt. Ich bin froh, dass bei der Besichtigung des beeindruckenden Weltkulturerbes  nicht nur die Dinge beleuchtet werden, sondern auch die gesellschaftlichen Verhältnisse hinter diesen Dingen."

Weitere Infos zur Zeche Zollverein bietet der gelungene Internetauftritt.


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