Deutscher Gewerkschaftsbund

10.02.2017

Was die Initiative "G 9 Jetzt" wirklich will

Unser Bildungsexperte Norbert Wichmann hat sich das Volksbegehren der Initiative "G 9 Jetzt" genauer angeschaut:

In NRW ist ein Volksbegehren zur Bildungspolitik angelaufen. Unter dem Titel "Abitur nach 13 Jahren an Gymnasien: mehr Zeit für gute Bildung" wirbt die Initiative "G 9 Jetzt" für ihr Anliegen. Besonders über die sozialen Medien wird das Volksbegehren beworben und verbreitet, aber auch Presse, Funk und Fernsehen berichten. Grund genug, genau hinzuschauen und zu fragen: Worum geht es im Detail? Und sollen unsere Kolleginnen und Kollegen das Anliegen unterstützen? 

"G 9 Jetzt" will konservative Wende in der Schul- und Bildungspolitik

Wir raten dringend davon ab. Denn die Initiative will wesentlich mehr, als der offizielle Titel verspricht. Es geht nicht allein um die Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren, sondern um eine konservative Wende in der Schul- und Bildungspolitik. Das Volksbegehren stellt sich gegen den Ganztagsunterricht, für den wir als Gewerkschaften immer gestritten haben. Propagiert wird das Familienbild der 60er Jahre, bei dem ein Elternteil am Nachmittag immer zu Hause ist. Alleinerziehende oder Eltern, die beide arbeiten und daher auf eine Ganztagsschule angewiesen sind, kommen in der Welt der Initiatoren nicht vor. Die Ressourcen, die für das zusätzliche Schuljahr an Gymnasien notwendig sind, sollen zum Hohn auch noch von den anderen Schulformen abgezogen werden. Die Schüler dort werden dadurch schlechter gestellt.


Fazit: Ja zur Reform des G 8! Nein zum Volksbegehren!

Heißt das, es soll alles so bleiben, wie es ist? Nein, auf keinen Fall! Eine Reform des Abiturs nach 12 Jahren ist längst überfällig, darauf weisen die Gewerkschaften seit der Einführung hin. Und das mit Erfolg: Alle Fraktionen des Landtages sind inzwischen zur Revision des G 8 bereit, die unterschiedlichen Vorschläge liegen auf dem Tisch und werden verhandelt. Der DGB macht sich gemeinsam mit der GEW für eine sechsjährige Sekundarstufe und eine flexiblen Oberstufe von zwei bis vier Jahren stark. Das hat den Vorteil, dass die Schülerinnen und Schüler wieder ihren Mittleren Abschluss nach Klasse 10 bekommen. Und jeweils abhängig vom individuellen Lerntempo haben sie die Möglichkeit, etwas mehr oder weniger Zeit in der Oberstufe zu verbringen. Dadurch würde viel Stress auf dem Weg zum Abitur vermieden. Deswegen: Ja zur Reform des G 8! Nein zum Volksbegehren!


Nach oben