Deutscher Gewerkschaftsbund

31.12.2009

Sommerexkursion nach Aachen 2009

Und so beginnt die Exkursion vor dem Rathaus, das um 1330 auf den Grundmauern der Kaiserpfalz Karls des Großen von der Aachener Bürgerschaft errichtet wurde, mit Berichten von Verfall, Zerstörung und Wiederaufbau, dem Zeitgeschmack folgenden Fassadenwechseln. Und von den Erfahrungen, die der Verfasser dieses Artikels als Verantwortlicher mit der Instandhaltung des Baudenkmals gemacht hat.

Natürlich haben wir uns auch das Innere und die Ausstattung angesehen, aber wie immer war die Zeit viel zu knapp, und viele Fragen zur neuen hochmodern gestalteten Ausstellung im Rahmen der Route Charlemagne bleiben offen.

Der Aachener Dom, eingetragen als Weltkulturerbe, wartet, und mit ihm sein Dombaumeister, Dipl.-Ing. Helmut Maintz, der uns eine exklusive Führung versprochen hatte. Und so führt unser Weg wieder nicht als erstes ins Innere des aus dem Jahre 800 stammenden Doms, sondern wir ersteigen den Turm. Wir lassen uns die Vorzüge des Karolingischen Mörtels erklären, und nach welchen Vorbildern auszuwechselnde Wasserspeier aus Stein geschlagen werden.

Wie man im Dachstuhl den gescheckten Nagekäfer - sieben Jahre vertilgt er als Larve das Holz - nachgewiesen und ihm anschließend durch Beheizung des Kernholzes auf 55 Grad Celsius den Garaus gemacht hat. Und natürlich hören wir von der Besonderheit der Statik des Zentralbaus, dem tiefen Verständnis der alten Meister und dem Unverständnis in späterer Zeit, das im Zertrennen der Ringanker gipfelte. Der Blick von der Traufe des gotischen Chores hinunter auf die in der Fußgängerzone wimmelnden Menschen vermittelt das Gefühl für die Größe des Denkmals und der Aufgabe seiner Erhaltung.

Der letzte Teil der Exkursion ist der Entwicklung der Altstadt Aachens in den vergangenen vierzig Jahren gewidmet. Dipl.-Ing Thomas Haendly hat im Aachener Planungsamt maßgeblich an deren Gestaltung mitgewirkt. Auch er kann aus eigenem Erleben von dem Kampf um die Erhaltung des Stadtgrundrisses berichten, die translozierten Fassaden gegen die Vertreter der "reinen Lehre" verteidigen, und uns auf viele liebevolle Gestaltungsdetails in den Wohnstrassen und Fußgängerzonen hinweisen - nicht ohne das Aachener Lokalkolorit zum Leuchten zu bringen.

Als wir uns gegen siebzehn Uhr trennen, haben wir Vieles gesehen, Informationen aufgenommen, Spaß gehabt und müssen feststellen, dass wir jetzt eigentlich so weit wären, Aachen touristisch anzugehen. Dem setzen dann aber die Zeit und die Aufnahmefähigkeit Grenzen, und so wird der Eine oder Andere noch einmal in die Kaiserstadt kommen müssen, zu sehen, was sich jedermann mit dem Reiseführer in der Hand erschließt.


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