Deutscher Gewerkschaftsbund

31.12.2010

Sommerexkursion nach Düsseldorf 2010

Ungewöhnlich ist nicht unser Ziel die Landeshauptstadt Düsseldorf, eher, der Düsseldorfer Unterwelt - nicht in der Altstadt, da kommen wir auch noch hin. Die Besichtigung des Entwässerungssystems, genauer: das unterirdische Mischwasserrückhaltebecken in unmittelbarer Nähe des Aqua-Zoos.

Der Leiter des Betriebes, Lutz Barenthien, versorgt uns mit Daten und Fakten zur Geschichte, zum Ausbau und zur Sanierung aber auch zum Stadtentwässerungs-betrieb selbst. Ist es nicht bemerkenswert, dass der Betrieb unter Fachkräfte-mangel leidet obwohl er selber ausbildet? Aber der Mangel zeigt sich auch bei den Ingenieuren. Deshalb sucht der Betrieb den Kontakt mit den Hochschulen, bietet Plätze für Praktika an und unterstützt studienwillige MitarbeiterInnen.

Dann streifen wir die Schutzkleidung über steigen über eine Wendeltreppe in die Kanäle. Aus der Wärme und Frische des Sommertages in Kühle und Dunkelheit. Noch leuchtet die Deckenlampe, im Kanal selber nur noch Dunkelheit. Die Wände feucht, die Stiefel im Wasser, die Luft dumpf. Der Blick nach vorn und hinten verliert sich in der Dunkelheit. Und dabei sind wir in einem abgesperrten, ge¬reinigten Teil der Kanalisation. Alles nur Kondenswasser, keine Fäkalien! In diesem alten Kanalabschnitt kann man über die handwerkliche Qualität gemauerter Bögen und Säulen ins Schwärmen geraten.

Ist ein Kanal schon riesig, wie soll man das unterirdische Rückhaltebecken beschreiben? Wie drei nebeneinander angeordnete fünfzig Meter Becken eines Schwimmbades, aber ohne den bekannt hohen Luftraum darüber, hier sind es vielleicht drei Meter. Die Lüfter brummen schon seit Stunden, kommen aber dennoch nicht gegen den Fäkaliengeruch nicht an obwohl das Becken leer ist. Das ändert sich, wenn Regenschauern nieder gehen oder der Rhein Hochwasser führt. Beides ist im Moment nicht der Fall und das ist gut, denn so bleibt uns das Schicksal des Fellknäuels da unten auf dem Betonboden erspart.

Wie gut ist es, in den Sonnenschein zu steigen, die fische Luft zu atmen. Nach diesem Erlebnis wenden wir uns nun dem Teil städtischer Infrastruktur zu, den wir genießen, ihn vorzeigen und nicht schamhaft verstecken: dem Nordpark. Und wir erfahren überrascht im Laufe des auch geschichtlichen Rundganges, dass auch hier einiges einen au goût hat.

Unser Rundgang beginnt am Mahnmal am Nordfriedhof. Ort und Mahnmahl erfahren im Laufe der Zeit eine mehrfache Umdeutung. Nicht nur unser Rundgang be¬ginnt hier, sondern auch die Achse zum Rhein hinunter, geplant von Willi Tapp, in Auftrag gegeben von der National¬sozialistischen Führung und im Zuge der Leistungsschau „Schaffendes Volk" 1936 / 1937. Wir sehen Fotos Nationalsozialistische Propaganda, wir erkennen die Vereinnahmung architektonischer, bildhauerischer und gartengestalterischen Elemente, die Umdeutung im Sinne der Ideologie der Machthaber, aber auch den Umgang mit diesem Erbe durch die junge Bundesrepublik. Wir erfahren von der Modernisierung durch Gartendirektors Ulrich Wolf, der Überplanung der Achse, der Einführung neuer Gestaltungs¬elemente bis hin zum in den 50gern von Georg Penker frei gestalteten Teil des Parks.

Ein lehrreicher Gang durch die Geschichte und ein begeisternder Gang für den Liebhaber der Gartenbaukunst.

Der Abschluss der Exkursion findet - wie soll es anders sein - in der Altstadt statt. Aber vor dem Alt-Bier ist noch eine Stadt- und Architekturführung zu absolvieren gespickt mit hochinteressanten Details. Noch einmal drei Stunden Information in dem Wissen: das musst du dir noch einmal genau ansehen, da musst du noch mal hin.

So wie jedes Mal, wenn man eine Reise tut und wenn sie „nur" in die Landeshauptstadt geht.

Für die Kollegengruppe Michael Ferber

 


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