Mehr Ausbildungsplätze schaffen – DGB NRW fordert umlagefinanzierten Zukunftsfonds Ausbildung
Die Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt in Nordrhein-Westfalen ist dramatisch. Mehr als jeder fünfte junge Mensch (21,5 Prozent) zwischen 20 bis 34 Jahren verbleibt in NRW dauerhaft ohne Berufsabschluss. Im Bundesländervergleich belegt NRW damit einen der hintersten Plätze, nur Bremen und das Saarland sind noch schlechter. Ohne Berufsabschluss sind die Chancen gering, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen und das Leben eigenständig zu finanzieren. Ungelernte hangeln sich meist von Aushilfsjob zu Aushilfsjob oder landen über kurz oder lang in der Langzeitarbeitslosigkeit. Das ist nicht nur für die Betroffenen selbst ein Problem, sondern auch für unsere Wirtschaft, der es an Fachkräften fehlt und für unsere Gesellschaft, die die Kosten für Arbeitslosengeld oder Grundsicherung übernehmen muss.
Ein wichtiger Grund für diese Misere ist der Mangel an Ausbildungsplätzen. Zu viele junge Menschen finden schlicht keine geeignete Lehrstelle. Nur noch jedes fünfte Unternehmen in bildet aus (s. Grafik), das ist zu wenig. Im August 2026 ist die Zahl der gemeldeten betrieblichen Ausbildungsplätze in NRW weiter gesunken, 106.000 Bewerberinnen und Bewerbern standen nur 93.000 Plätze gegenüber (s. Grafik). Regional ist die Lage sehr unterschiedlich, besonders im Ruhrgebiet, aber auch in Köln ist der Mangel immens. In Essen kamen im August 2026 auf 152 Bewerber nur 100 freie Ausbildungsstellen, in Bergisch Gladbach waren es sogar 158 Bewerber auf 100 Plätze (s. Grafik).
Es ist noch zu früh, für das Ausbildungsjahr 2026 ein valides Fazit zu ziehen. Wenn wir auf 2025 schauen, sehen wir aber, dass rund 24.000 Bewerberinnen und Bewerber in NRW bei der Ausbildungsplatzsuche am Ende leer ausgegangen sind: 12.000 Jugendliche blieben vollkommen unversorgt, weitere 12.000 fanden zwar eine Alternative – sie besuchten zum Beispiel weiter ein Berufskolleg gehen oder einen Ausbildungsvorbereitungskurs – hatten aber ebenfalls keine betriebliche Ausbildungsstelle bekommen. Es ist davon auszugehen, dass sich dieser Trend 2026 sogar noch verschärfen wird.
Die Hauptverantwortung, hier gegenzusteuern, liegt natürlich bei den Unternehmen selbst. Über den Fachkräftemangel klagen und sich gleichzeitig der Ausbildungsverantwortung entziehen – das passt nicht zusammen. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt aber, dass diese Apelle ins Leere laufen. Trotz aller Bemühungen auch von Seiten der Politik – z.B. im Rahmen des NRW-Ausbildungskonsens – ist die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe rückläufig. Wir brauchen dringend mehr Verbindlichkeit und schlagen deshalb einen umlagefinanzierten Zukunftsfonds Ausbildung vor.
Mit einem solchen Instrument kann man nicht nur vielen jungen Menschen eine faire Chance auf eine Berufsausbildung geben, sondern auch den Fachkräftebedarf decken. Das gilt auch mit Blick auf die aktuellen Reformpläne der Bundesregierung. Anstatt lediglich über den Abbau von Sozialleistungen und Arbeitnehmerrechten zu sprechen, sollte sie dafür sorgen, dass mehr Menschen in den Arbeitsmarkt integriert und zu Einzahlern in die sozialen Sicherungssysteme werden. Anstatt das Arbeitszeitgesetz zu schleifen und das Renteneintrittsalter zu erhöhen, müssen wir für diejenigen Perspektiven schaffen, die arbeiten wollen, aber keine Möglichkeit bekommen. Und das sind neben Frauen, Migranten und Arbeitslosen vor allem junge Menschen, die bei der Ausbildungsplatzsuche leer ausgehen.
DGB NRW
Die Hauptverantwortung, hier gegenzusteuern, liegt natürlich bei den Unternehmen selbst. Über den Fachkräftemangel klagen und sich gleichzeitig der Ausbildungsverantwortung entziehen – das passt nicht zusammen.
Nordrhein-Westfalen hat nun die Möglichkeit, voranzugehen, und zumindest für unser Bundesland einen Zukunftsfonds Ausbildung aufzulegen. Dabei halten wir eine Einzahlung aller Betriebe in Höhe von 0,5 Prozent der Bruttolohnsumme für angemessen. Damit könnten Betriebe, die ausbilden, 5.000 Euro jährlich pro Azubi zurückgezahlt bekommen. So wäre ein wirksamer Anreiz geschaffen, mehr Ausbildungsplätze anzubieten, und die Ausbildungskosten würden gerechter zwischen ausbildenden und nicht-ausbildenden Unternehmen verteilt.
Das Geld, das dann noch im Fonds übrigbleibt, sollte für Maßnahmen eingesetzt werden, die die betriebliche und überbetriebliche Ausbildung stärken und verbessern. Auch das ist dringend nötig, denn in NRW wird fast jeder dritte Ausbildungsvertrag vorzeitig gelöst. Mit mehr Unterstützung zum Beispiel bei der praktischen Prüfungsvorbereitung oder bei ausbildungsbegleitender Sprachförderung könnten Betriebe entlastet, die Ausbildungsqualität gesteigert und Ausbildungsabbrüche reduziert werden. Darüber hinaus könnten mit dem Geld ausbildungsunterstützende Maßnahmen finanziert werden, die ansonsten durch die Kürzung der ESF-Mittel (Europäischer Sozialfonds) weg zu fallen drohen.
Bringen wir es auf den Punkt: Der finanzielle Aufwand für jedes Unternehmen ist überschaubar, der Gewinn aber umso größer: Mehr gut ausgebildete Fachkräfte helfen, unsere Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen und dauerhaft auf solide Füße zu stellen. Deshalb ist für uns klar: Die Zeit der Appelle ist vorbei, wir brauchen endlich verbindliche Maßnahmen für mehr Ausbildungsplätze in NRW.
Unser Konzept des "Zukunftsfonds Ausbildung"
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