Die Rente in NRW: Zahlen, Fakten, Perspektiven
Eine gute Rente ist kein Luxus – sie ist eine Frage der Gerechtigkeit. Sie muss die Lebensleistung der Menschen anerkennen und ein würdevolles Leben im Alter sichern. Doch viele Beschäftigte in Nordrhein-Westfalen fragen sich zu Recht: Reicht meine Rente später zum Leben? Kann ich meinen Lebensstandard halten? Und was passiert, wenn ich aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheiden muss?
Die Debatten rund um die Rente werden oft emotional geführt – und nicht selten von Annahmen statt von Fakten geprägt. Genau hier setzt der Rentenreport des DGB NRW an. Mit aktuellen Daten aus dem Jahr 2024 liefert er eine fundierte Bestandsaufnahme der Alterssicherung in Nordrhein-Westfalen. Er macht sichtbar, wie es tatsächlich um die Renten steht – differenziert nach Regionen, Geschlecht und Lebenslagen.
Der Report ordnet Entwicklungen ein und zeigt Zusammenhänge auf: zwischen Arbeitsmarkt, Löhnen und Rentenansprüchen, zwischen gesundheitlicher Belastung und vorzeitigem Renteneintritt sowie zwischen regionalen Wirtschaftsstrukturen und Rentenhöhen. Er macht deutlich, warum das Rentenniveau stabilisiert und perspektivisch wieder angehoben werden muss – und warum eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters an der Lebensrealität vieler Beschäftigter vorbeigeht. Gleichzeitig richtet sich der Blick nach vorn: Gewerkschaftliche Rentenpolitik setzt auf eine starke gesetzliche Rente, ergänzt durch eine verlässliche betriebliche Altersvorsorge. Denn die Rente muss zum Leben reichen – nicht nur zum Überleben.
Die Ergebnisse zeigen deutlich: Gute Renten sind das Ergebnis guter Arbeit, fairer Löhne und verlässlicher sozialer Sicherung. Gleichzeitig wird klar, dass viele Menschen bereits heute von Altersarmut bedroht sind oder im Alter nicht ausreichend abgesichert sein werden. Besonders Frauen, Menschen mit unterbrochenen Erwerbsbiografien oder Beschäftigte in Niedriglohnsektoren tragen ein erhöhtes Risiko.
Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick
Die aktuellen Zahlen machen unmissverständlich deutlich: Die gesetzliche Rente steht unter Druck – und sie reicht für viele Beschäftigte in Nordrhein-Westfalen schon heute nicht aus, um den Lebensstandard im Alter zu sichern.
- Rentenlücke bleibt ein zentrales Gerechtigkeitsproblem
Die durchschnittliche Altersrente im Bestand lag 2024 bei Männern bei 1.535 Euro, Frauen erhielten hingegen nur 876 Euro. Die Differenz von rund 659 Euro ist Ausdruck struktureller Ungleichheit auf dem Arbeitsmarkt: geringere Löhne, mehr Teilzeit und unterbrochene Erwerbsbiografien schlagen sich in deutlich niedrigeren Renten für Frauen nieder. Diese Lücke besteht seit Jahren – und wird sich nicht von allein schließen. - Sinkendes Rentenniveau trifft neue Rentner*innen besonders
Neurentner*innen kamen 2024 im Durchschnitt nur auf rund 1.400 Euro und damit auf 135 Euro weniger als Bestandsrentner*innen. Hier zeigen sich klar die Folgen politischer Entscheidungen: ein sinkendes Rentenniveau und Abschläge beim vorzeitigen Renteneintritt führen zu spürbaren Einbußen. Während Männer durchschnittlich noch 1.400 Euro Rente bekommen, erreichen Frauen bei heutigem Renteneintritt leider nur eine Rentenhöhe von 936 Euro. Im Schnitt sind das zwar rund 60 Euro mehr als Frauen im Rentenbestand monatlich zur Verfügung haben, doch das ändert allerdings nichts an der grundlegenden Schieflage zwischen den Geschlechtern. Nach wie vor sind Frauen meist deutlich schlechter gestellt als Männer und erhalten Renten auf sehr niedrigem Niveau. - Erwerbsminderungsrenten bleiben zu niedrig
Wer aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus dem Arbeitsleben ausscheiden muss, ist besonders betroffen. Die durchschnittlichen Zahlbeträge liegen im Bestand bei 1.044 Euro für Männer und 1.013 Euro für Frauen. Bei den Neurentner*innen sind es 1.140 Euro bzw. 1.042 Euro. Das ist zu wenig zum Leben. Viele Erwerbsgeminderte sind weiterhin auf Grundsicherung angewiesen. Die bisherigen Verbesserungen reichen nicht aus. Insbesondere die Abschläge bei Erwerbsminderungsrenten müssen daher endlich abgeschafft werden. - Arbeiten bis 67 – für viele eine Illusion
Das durchschnittliche Renteneintrittsalter steigt weiter an: 2024 lag es bei 64,84 Jahren für Frauen und 64,66 Jahren für Männer. Gleichzeitig zeigt sich, dass viele Beschäftigte diese Altersgrenzen aus gesundheitlichen Gründen nicht erreichen. Erwerbsminderungsrenten beginnen im Schnitt bereits mit 53,66 Jahren bei Frauen und mit 54,52 Jahren bei Männern – also rund 10 Jahre früher. Die Realität in den Betrieben ist klar: Viele Beschäftigte schaffen es schon heute nicht bis zur Regelaltersgrenze. Forderungen nach einer weiteren Anhebung des Renteneintrittsalters bedeuten daher nichts anderes als Rentenkürzungen durch die Hintertür. - Arbeitsbelastung macht krank
Psychische Erkrankungen sind die häufigste Ursache für Erwerbsminderung – mit 33,9 % bei Männern und sogar 44,7 % bei Frauen. Das ist ein alarmierendes Signal. Arbeitsverdichtung, Zeitdruck und unsichere Beschäftigung führen zu steigenden Belastungen. Gute Arbeit muss ermöglichen, gesund bis zur Rente beschäftigt zu bleiben. Dafür braucht es verbindliche Maßnahmen für bessere Arbeitsbedingungen und wirksamen Gesundheitsschutz. - Regionale Unterschiede bei den Renten – Ausdruck ungleicher Lebens- und Arbeitsbedingungen
Die regionalen Unterschiede bei den Renten in Nord-rhein-Westfalen sind erheblich – und sie sind kein Zufall. Sie spiegeln die wirtschaftliche Entwicklung, die Lohnniveaus und die Arbeitsbedingungen in den jeweiligen Regionen wider. Bei den Frauen reicht die durchschnittliche Altersrente im Rentenzugang 2024 von lediglich 818 Euro in Gelsenkirchen bis zu rund 1.030 Euro im Kreis Mettmann – ein Unterschied von etwa 200 Euro. Das ist ein deutliches Zeichen dafür, wie stark Erwerbsbiografien, häufig geprägt von Niedriglohn, Teilzeit und unterbrochener Beschäftigung, regional auseinandergehen. Noch größer ist die Spreizung bei den Männern: Während in Münster durchschnittlich nur etwa 1.185 Euro erreicht werden, liegen die Renten im Rhein-Erft-Kreis bei rund 1.591 Euro. Das entspricht einer Differenz von über 400 Euro. Auch hier zeigt sich: Gute Renten sind das Ergebnis guter Löhne und stabiler Beschäftigung – und die sind regional ungleich verteilt. Insgesamt wird deutlich, dass in stark industriell geprägten Regionen wie dem Ruhrgebiet die Renten für Männer dank starker Tarifverträge und guter Löhne besonders hoch sind. Da hier das klassische Zuverdienermodell lange sehr verbreitet war, sind die Renten der Frauen hier wiederum besonders niedrig. - „Eckrente“ verschleiert die Realität
Die sogenannte Eckrente – auch Standartrente genannt – wird oft als Diskussionsgrundlage genommen, wenn es um die Rente und mögliche Reformen geht. Klar ist aber: Diese Rente von 1.769,40 Euro, die nach 45 Beitragsjahren an einen Durchschnittsverdiener ausgezahlt würde, hat mit der Lebensrealität der meisten Menschen wenig zu tun. Weder Männer noch Frauen erreichen im Schnitt auch nur annähernd diesen Wert.
Download: Report und regionale Zahlen
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Rentenreport 2026 des DGB NRW Download PDF
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Rentenzahlbetrag_in_Städten_und_LK_in_NRW_in_2024.pdf Download PDF
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Rentenzahlbeträge_Zeitstrahl_2012_bis_2024_Frauen_Städte_und_LK_in_NRW.pdf Download PDF
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Rentenzahlbeträge_Zeitstrahl_2012_bis_2024_Männer_Städte_und_LK_in_NRW.pdf Download PDF
Unsere Forderungen für eine starke gesetzliche Rente
- Rentenniveau dauerhaft stabilisieren und weiter anheben
Das Rentenniveau wurde bei 48 Prozent bis 2031 stabilisiert. Jetzt muss diese Stabilisierung auch über 2031 hinaus dauerhaft gesichert werden. Im nächsten Schritt muss das Rentenniveau auf mindestens 50 Prozent angehoben werden. Auch wenn die Beiträge dazu moderat erhöht werden müssen. Denn eine starke gesetzliche Rente heißt, dass alle höhere Renten bekommen und die Menschen weniger Geld für private Vorsorge ausgeben müssen. Um das höhere Rentenniveau und eine starke gesetzliche Rente zu finanzieren, brauchen wir einen Dreiklang aus fairen Löhnen, mehr Beschäftigung und guter Arbeit:- Wenn die Löhne steigen, steigen die Beitragszahlungen. Deshalb muss die Tarifbindung gestärkt werden.
- Wenn mehr Menschen arbeiten, steigen die Beitragseinnahmen. Deshalb müssen wir Frauen aus der unfreiwilligen Teilzeit holen, Minijobber*innen in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung überführen, Menschen passende Aus- und Weiterbildungen ermöglichen sowie ein modernes Zuwanderungsgesetz schaffen.
- Damit möglichst viele Menschen bis zur Rente arbeiten (und in die Rentenkasse einzahlen) können, brauchen wir gute Arbeitsbedingungen. Hier sind die Unternehmen in der Pflicht.
- Rentenalter nicht weiter anheben
Schon heute schaffen es viele nicht, bis zu ihrem 65. oder gar 67. Lebensjahr zu arbeiten. Viele werden vor dem Eintritt in die Rente krank oder arbeitslos. Wenn das Rentenalter weiter angehoben wird, wird es zwangsläufig zu einem vermehrten Anstieg von Altersarmut führen. Daher darf das Renteneintrittsalter auf keinen Fall weiter steigen. - Gerechte Finanzierung statt einseitiger Belastung
Leistungsverbesserungen in der Rente müssen aus Steuern finanziert werden – nicht allein aus Beiträgen. Der Bund muss seine Finanzierungslücke von aktuell rund 40 Milliarden Euro schließen. Die Kürzungen des Bundeszuschusses um jährlich 1,2 Milliarden Euro müssen zurückgenommen werden. Klar ist: Versicherungsfremde Leistungen wie die Mütterrente sollten endlich aus Steuermitteln bezahlt werden! - Unternehmen in die Pflicht nehmen
Arbeitgeber*innen müssen sich gleichwertig an der Finanzierung der Altersvorsorge beteiligen, z. B. durch einen verpflichtenden Mindestbeitrag bei der Betriebsrente. Eine flächendeckende Verbreitung von arbeitgeberfinanzierten Betriebsrenten ist notwendig. Außerdem müssen sie für gute Arbeitsbedingungen sorgen, damit Beschäftigte lange gesund und leistungsfähig bleiben. Eine gute Altersabsicherung gibt es nur mit einer zuverlässigen und starken gesetzlichen Rente – und ergänzt durch gute Betriebsrenten. Mit diesen drei Maßnahmen lässt sich das erreichen:- Tarifverträge, die Betriebsrenten regeln, sollen einfacher für allgemeinverbindlich erklärt werden. Damit würden sie auch für Unternehmen der gleichen Branche gelten, die keinen Tarifvertrag haben.
- Die Arbeitgeber*innen sollen einen verpflichtenden Mindestbeitrag zu den Betriebsrenten leisten (arbeitgeberfinanzierte Betriebsrente).
- Die von den Arbeitgeber*innen bei der Entgeltumwandlung eingesparten Sozialbeiträge müssen vollständig weitergegeben werden.
- Solidarisch handeln
Wer Kinder erzieht, Angehörige pflegt, sich qualifiziert oder weiterbildet, aber auch wer seinen Arbeitsplatz verliert, soll keine Löcher in der Altersvorsorge fürchten müssen. Für diese Zeiten sind Rentenpunkte zu gewähren und die bestehenden Regeln zu verbessern. Die Grundrente soll dafür sorgen, dass nach vielen Jahren Arbeit die Rente im Alter zum Leben auch bei geringem Lohn reicht. Diese muss aber verbessert und der Zugang erleichtert werden. - Alle absichern und Versichertenkreis erweitern
Alle Erwerbstätigen müssen gut für das Alter und bei Erwerbsminderung abgesichert sein. Dazu sollen schrittweise alle Selbstständigen einschließlich der Freiberufler*innen, aber z. B. auch Abgeordnete in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen werden. Beamt*innen sind davon ausgenommen.