Ausbildungsreport 2026: Jede*r zweite Auszubildende fühlt sich psychisch belastet

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Ordnungsnummer PM 12

Rund die Hälfte der Auszubildenden in Deutschland fühlt sich psychisch belastet. Das geht aus dem Ausbildungsreport 2026 der DGB-Jugend hervor, der in diesem Jahr den Schwerpunkt auf mentale Gesundheit legt. 41,7 Prozent der Betroffenen geben an, mit niemandem über ihre Belastungen sprechen zu können.

Die Ursachen liegen dem Report zufolge zu einem großen Teil am Ausbildungsplatz selbst. 51,9 Prozent der Befragten fühlen sich in mindestens einem von neun abgefragten Bereichen der Arbeitsbedingungen stark oder sehr stark belastet. Am häufigsten genannt werden Leistungs- und Zeitdruck sowie Personalmangel, jeweils von rund einem Fünftel der Auszubildenden.

„Psychische Belastung ist längst kein privates Problem mehr“, sagt Sigrid Wolf, Regionsgeschäftsführerin der DGB-Region Düsseldorf-Bergisch Land. „Wo Personal fehlt, wächst der Druck auf die Jüngsten im Betrieb. Betriebe und Politik müssen das als Aufgabe des Arbeitsschutzes begreifen und nicht als Charakterfrage junger Menschen.“

Die Folgen sind messbar. Von den hoch belasteten Auszubildenden fühlen sich 80,8 Prozent am Ende eines Ausbildungstages erschöpft, 2016 waren es 61,9 Prozent. 61,4 Prozent kommen auch dann zur Ausbildung, wenn sie sich krank oder unwohl fühlen. 48,7 Prozent denken immer oder häufig über einen Abbruch nach, unter gering belasteten Auszubildenden sind es 8,6 Prozent.

„Im Gespräch mit Auszubildenden hören wir das seit Jahren, jetzt steht es schwarz auf weiß“, sagt Xavier Domain, Jugendbildungsreferent der DGB-Jugend Düsseldorf-Bergisch Land. „Viele Auszubildende halten nur durch, weil sie glauben, sie hätten keine andere Wahl. Sie werden als vollwertige Fachkraft eingesetzt, obwohl sie noch lernen sollen. Das konterkariert den Sinn und Zweck einer Ausbildung.“

Hinzu kommen Belastungen außerhalb der Ausbildung: 53,3 Prozent der Befragten fühlen sich auch im Privatleben belastet, am häufigsten durch ihre finanzielle Situation und ihre Wohnsituation. Zugleich zeigt der Report, dass Ausbildungsqualität und Mitbestimmung entlasten. In Betrieben mit einer Jugend- und Auszubildendenvertretung geben 59,3 Prozent an, durch keine der abgefragten Bedingungen stark belastet zu sein, in Betrieben ohne Interessenvertretung 39,7 Prozent.

„Das ist der Befund, den Arbeitgeber ernst nehmen sollten: Gute Ausbildung und Mitbestimmung wirken wie ein Schutzschild“, sagt Wolf. „Eine JAV im Betrieb ist keine Belastung für die Geschäftsführung, sondern eine Investition in Gesundheit und Ausbildungsabschlüsse.“

Die DGB-Jugend fordert deshalb, psychische Belastungen konsequent im betrieblichen Arbeitsschutz zu berücksichtigen und mit Gefährdungsbeurteilungen nach Paragraf 5 Arbeitsschutzgesetz systematisch zu erfassen. Ausbilder*innen und Berufsschullehrkräfte sollen verbindlich zu mentaler Gesundheit qualifiziert und dafür bezahlt freigestellt werden. Zudem fordert die Gewerkschaftsjugend, die Mitbestimmungsrechte von Jugend- und Auszubildendenvertretungen sowie Betriebs- und Personalräten zu stärken.

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