Die Zahl der bestehenden Ausbildungsplätze brechen um 17,5 Prozent ein, die Betriebsbeteiligung liegt weit unter NRW-Niveau – dabei wächst der Fachkräftebedarf dramatisch.
Sigrid Wolf, Regionsgeschäftsführerin und Vorsitzende des Stadtverbandes Düsseldorf erklärt: „Wer heute Ausbildungsplätze streicht, beantwortet die demografische Frage von morgen mit einem Achselzucken. Das können wir uns als Wirtschaftsstandort Düsseldorf nicht leisten.“
Zu wenige Betriebe bilden aus – und die Gründe sind behebbar
Nur 3.266 von 22.551 Düsseldorfer Betrieben bilden derzeit aus. 41 Prozent der ausbildungsberechtigten, aber nicht ausbildenden Betriebe geben fehlende personelle Kapazitäten an, 24 Prozent finden keine geeigneten Bewerberinnen und Bewerber. Das sind lösbare Probleme – mit überbetrieblichen Ausbildungsverbünden, die kleine Betriebe entlasten, und mit einer solidarischen Umlage, die Ausbildungskosten gerechter verteilt. Das Modell funktioniert, aber es braucht bessere Rahmenbedingungen.
Xavier Domain, Jugendbildungsreferent, ergänzt: „Das beste Werkzeug gegen den Fachkräftemangel ist unser bewährtes duales Ausbildungssystem. Alle beklagen den Fachkräftemangel – und gleichzeitig wird immer weniger ausgebildet. Das passt nicht zusammen.“
Jeder dritte Vertrag scheitert – Qualität der Ausbildung entscheidet
Eine Lösungsquote von 31,8 Prozent bedeutet: Fast jede dritte Ausbildung in Düsseldorf wird nicht zu Ende geführt. Das schadet Betrieben und jungen Menschen. Besonders betroffen sind Gastronomie und personennahe Dienstleistungen – ausgerechnet Branchen mit hohem Fachkräftebedarf. Ausbildungsbegleitende Hilfen, frühzeitige Beratung bei Konflikten und faire Ausbildungsvergütungen können hier den Unterschied machen. Zum Vergleich: In Branchen, wo Begleitstrukturen besser verankert sind, liegen die Erfolgsquoten deutlich höher.
101.900 gehen in Rente – wer bildet die Nachfolge aus?
In den nächsten zehn Jahren verlassen voraussichtlich 101.900 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte den Düsseldorfer Arbeitsmarkt. Das ist zwei Drittel mehr als im vergangenen Jahrzehnt. Wer heute die Ausbildungsbeteiligung sinken lässt, beantwortet diese Frage mit einem Achselzucken. Zuwanderung allein wird die Lücke nicht schließen. Das duale System muss deshalb, als das behandelt werden, was es ist: eine strategische Investition in den Wirtschaftsstandort Düsseldorf.
DGB fordert deshalb
• faire Ausbildungsvergütungen und Tarifbindung als Grundlage für attraktive Berufsausbildung in allen Branchen
• die Stärkung der Schulsozialarbeit und Übergangsbegleitung, um junge Menschen frühzeitig auf dem Weg in die Ausbildung zu unterstützen
• Azubi-Wohnheime für Düsseldorf: bezahlbarer Wohnraum als Grundvoraussetzung, damit Ausbildung in einer teuren Großstadt wie Düsseldorf für junge Menschen überhaupt leistbar ist
• Eine solidarische Ausbildungsumlage, so dass alle Betriebe Verantwortung tragen und nicht nur die, die ausbilden
• den Ausbau ausbildungsbegleitender Hilfen und
• die Förderung systematischer Prävention von Abbrüchen
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Die Zahlen im Vergleich
• Ausbildungsplätze 2025/26: nur noch 2.035 gemeldet – minus 17,5 % gegenüber dem Vorjahr
• Ausbildungsbetriebsquote: Düsseldorf 14,5 % vs. NRW 20,7 % – fast 6 Prozentpunkte Rückstand
• Ausbildungsquote: Düsseldorf 3,7 % vs. NRW 5,0 % der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten
• Lösungsquote: 31,8 % aller Verträge werden vorzeitig aufgelöst – 1.587 abgebrochene Ausbildungen allein 2024
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2026-02-27_PM_04_Düsseldorf_hängt_beim_dualen_Ausbildungssystem_hinterher_–_DGB_fordert_Trendwende.pdf Download PDF