DGB Kreisverband Neuss wirbt für mehr Tarifbindung: Ohne Tarifvertrag landet man schnell im Haifischbecken – Tarifverträge sorgen für sichere Arbeitsbedingungen
Verlässliche Einkommen, geregelte Arbeitszeiten, mehr Urlaub und klare Arbeitsbedingungen – unter dem Motto „Sicherheit im Job kommt nicht von allein – sicher mit Tarifvertrag“ informierte der DGB-Kreisverband Neuss in der Innenstadt über die Vorteile von Tarifverträgen. Die Aktion war Teil einer bundesweiten #Tarifwende-Aktionswoche des Gewerkschaftsbunds vom 21. bis 25. September. „Tarifverträge schaffen Sicherheit und schützen Beschäftigte davor, dass wichtige Standards nicht allein vom Wohlwollen des Arbeitgebers abhängen“, sagt René Donner, DGB-Kreisverbandsvorsitzender Neuss. „Doch diese Sicherheit gibt es nicht von allein. Sie muss gemeinsam durchgesetzt und immer wieder verteidigt werden.“
Derzeit arbeitet nur noch knapp jede*r zweite Beschäftigte in Deutschland unter dem Schutz eines Tarifvertrags. Dabei profitieren Beschäftigte mit Tarifvertrag in aller Regel von höheren Löhnen, kürzeren Arbeitszeiten und mehr Urlaub. Auch Sonderzahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld sind in tarifgebundenen Betrieben deutlich verbreiteter. Um die Tarifbindung wieder zu stärken, seien auch Politik und Arbeitgeber*innen gefordert. Neben weiteren Maßnahmen zur Stärkung der Tarifbindung müssten Gewerkschaften unter den Bedingungen einer zunehmend digitalen Arbeitswelt einen gesicherten Zugang zu den Beschäftigten erhalten. „Dazu brauchen wir endlich ein zeitgemäßes digitales Zugangsrecht der Gewerkschaften zu den Betrieben“, erklärt Donner.
Mit einem großflächigen 3D-Motiv für tolle Fotos und Informationsmaterialien kamen die Gewerkschafterinnen mit Beschäftigten und Passant*innen ins Gespräch. Auf einer großen Bodenplane mit einem Haifisch-Becken wurde deutlich, vor welchen Gefahren der Tarifvertrag Beschäftigte genau schützt. „Ich glaube, viele merken erst, wie wichtig ein Tarifvertrag ist, wenn es Probleme gibt. Dann ist es gut, wenn es klare Regeln gibt und man nicht über alles einzeln verhandeln muss. Ich schätze es wert, dass bei uns gleiche Arbeit das gleiche wert ist“, sagt ein Passant, der sich von der Aktion begeistert zeigt.
Der Schaden, der durch Tarifflucht der Arbeitgeber allein in Nordrhein-Westfalen entsteht, geht in die Milliarden. Den Sozialversicherungen entgehen so jedes Jahr Sozialbeiträge von insgesamt 8,031 Milliarden Euro. Der Fiskus erzielt dadurch 4,653 Milliarden Euro weniger bei der Einkommensteuer.
Und die Kaufkraft? Wer in Nordrhein-Westfalen nicht nach Tarif bezahlt wird, hat im Jahr – betrachtet über alle Branchen und Berufe hinweg – durchschnittlich netto 2.706 Euro weniger auf dem Lohnzettel als tarifgebundene Beschäftigte. Insgesamt hätten die Beschäftigten in Nordrhein-Westfalen mit flächendeckender Tarifbindung rund 11,160 Milliarden Euro mehr pro Jahr im Portemonnaie. Gesamtschaden: 23,844 Milliarden Euro pro Jahr.
Zeitgleich ruft der DGB zur Teilnahme an den Demonstrationen für einen starken Sozialstaat auf, die bundesweit in 15 Städten am 26. September stattfinden. In NRW findet die Demonstration und Kundgebung in Essen am Burgplatz um 11:00 Uhr statt. Als Hauptrednerin wird Yasmin Fahimi, DGB-Bundesvorsitzende erwartet. Mehr Infos für den 26.09. unter: https://www.dgb.de/mitmachen/kampagnen/aktionstag-sozialstaat/