Rückgang der Ausbildungsplätze in Hagen dramatisch

Datum

Ausbildungsstart 2026: Rückgang der Ausbildungsplätze in Hagen dramatisch

Für viele junge Menschen beginnt in diesen Wochen ein neuer Lebensabschnitt: Der Start in die Berufsausbildung. Doch der Zugang dazu ist alles andere als selbstverständlich. Aktuelle Zahlen der Agentur für Arbeit in Hagen zeigen: Trotz vieler Bewerbungen bleiben hunderte Ausbildungsplätze unbesetzt – insbesondere bei uns in der Stadt schrumpft das Angebot. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert deshalb: Arbeitgeber und Politik müssen endlich handeln.

 

Ausbildungsplätze rückläufig 

Im Juni 2026 meldeten Betriebe in Hagen 1.123 Ausbildungsplätze – ein Rückgang um 7% im Vergleich zum Vorjahr und ein Minus von rund 20% im Vergleich zu 2024 (-287 Plätze absolut).

Ebenso existierte vor zwei Jahren noch ein fast ausgeglichenes Verhältnis von Bewerber:innen und Ausbildungsplätzen. Nun aber lässt die deutliche Überzahl von Bewerberinnen und Bewerbern (1557 Personen) viele junge Menschen von vornherein chancenlos.

Während die unversorgten Bewerber immer mehr werden (+3% auf 705), bleiben auf der anderen Seite dennoch 410 Stellen unbesetzt 

(-11% zum Vorjahr).

 

Trotz vieler Bewerbungen bleiben viele Stellen leer. Das zeigt: Das Problem ist nicht die unwillige Jugend – sondern ein System, das an ihnen vorbeiplant. Es gibt keine einfache „Nachfragelücke“, sondern ein massives Passungsproblem auf dem Ausbildungsmarkt. 

 

Warum finden Angebot und Nachfrage nicht zusammen? 

  • Ausbildungsplätze werden zum Sparposten: In wirtschaftlich schwierigen Zeiten reduzieren Betriebe ihr Ausbildungsangebot häufig zuerst – obwohl gerade dann in den Fachkräftenachwuchs investiert werden müsste.
  • Auswahlkriterien sind zu eng: Viele Betriebe suchen vermeintlich „passende“ oder bereits nahezu fertige Bewerberinnen und Bewerber, statt jungen Menschen Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen.
  • Unterstützung und Qualität fehlen: Jugendliche mit Unterstützungsbedarf, schwächeren Schulabschlüssen oder Sprachbarrieren werden häufig frühzeitig aussortiert. Zugleich beeinflussen Ausbildungsqualität, Arbeitsbedingungen und Zukunftsperspektiven die Entscheidung junger Menschen.
  • Orientierung und Vermittlung greifen zu spät: Berufsorientierung erreicht nicht alle Jugendlichen rechtzeitig. Dadurch bleiben Chancen ungenutzt und Bewerbungsprozesse scheitern.

 

Julia Busbach 

(Vorsitzende Regionsjugendausschuss DGB Ruhr-Mark): 

„Was wir brauchen, sind Arbeitgeber, die wirklich ausbilden wollen – und keine, die fertige Fachkräfte direkt aus der Schule erwarten. Natürlich sehen wir, dass junge Menschen heute mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen in die Ausbildung starten. Aber gerade mit Blick auf den Fachkräftemangel von morgen müssen wir jungen Menschen eine Chance geben – auch wenn sie nicht zu 100 % auf die Stellenanforderungen passen.“

 

Das fordert der DGB:

  1. Gesetzliche Ausbildungsgarantie für alle Jugendlichen
  2. Verbindliche Ausbildungsquoten und solidarische Umlagefinanzierung
  3. Qualitative Standards sichern – mit Ausbildungskonzepten, Anleitung und Mitbestimmung
  4. Stärkere Berufsorientierung und passgenaue Vermittlung
  5. Förderung überbetrieblicher Ausbildung in strukturschwachen Regionen 

 

Gewerkschaften – starke Partner vor Ort 

Die Gewerkschaften im DGB sind die direkten Ansprechpartner für Auszubildende. Sie bieten: 

  • Tarifverträge mit gerechter Ausbildungsvergütung durch Verhandlung mit Arbeitgebern
  • Rechtsberatung und Rechtsschutz bei Konflikten im Betrieb
  • Unterstützung bei Übernahme, Prüfungen, JAV-Arbeit sowie Fragen zur Ausbildungsqualität und zum Ausbildungsrecht
  • Seminare, Netzwerke und persönliche Begleitung
  • Solidarität bei Diskriminierung, Krisen sowie Hilfe bei Fragen zu Überstunden, Urlaub, Ausbildungsvergütung und dem Leben neben der Ausbildung

 

Statement von Adrian Joseph, Vorsitzender DGB Hagen: 

„Die Gewerkschaften sind starke Partner und verlässliche Unterstützer für Auszubildende – mit Beratung, Schutz und Engagement, wenn es darauf ankommt. Als Sozialpartner gestalten wir Ausbildung gemeinsam mit den Betrieben – fair, sicher und zukunftsfähig. Dazu gehört es auch, die Betriebe immer wieder an ihre Verantwortung zu erinnern. Bei jetzt schon fast 13.000 Arbeitslosen in Hagen ist ein weiterer Abbau von Ausbildungsplätzen eine denkbar schlechte Perspektive für die junge Generation.“ 

 

Fazit: Verantwortung übernehmen 

„Wer heute nicht ausbildet, verschärft den Fachkräftemangel von morgen. Ausbildung ist keine freiwillige Sozialleistung, sondern eine Investition in die Zukunft unserer Region. Wer nur Idealbewerberinnen und Idealbewerber sucht, vergibt Chancen. Es braucht jetzt einen Kurswechsel: Mehr Offenheit, mehr Verantwortung – und echte Chancen für alle jungen Menschen.“, so Adrian Joseph abschließend.

zurück