Teure Stadt, niedrige Renten: Düsseldorfer Männer verlieren im NRW-Vergleich deutlich
Die gesetzliche Rente reicht für viele Menschen in Nordrhein-Westfalen und auch Düsseldorf nicht aus, um ihren Lebensstandard im Alter zu sichern. In einem Rentenreport hat der DGB NRW die aktuellsten verfügbaren Zahlen rund um die gesetzliche Rente zusammengestellt und gibt eine fundierte Bestandsaufnahme, wie es um die Rente in NRW und den einzelnen Kommunen steht.
Für Düsseldorf sahen die Zahlen für 2024 ganz konkret so aus: durchschnittlich 1.224 Euro Altersrente erhielten die Männer und 970 Euro die Frauen. Die Männer erhalten in Düsseldorf damit 176 Euro weniger als der NRW-Durchschnitt. Unter den 57 Kreisen und kreisfreien Städten in NRW liegt Düsseldorf bei den Männerrenten auf Rang 53. „Gerade für Rentner*innen sind die Zahlen in Düsseldorf problematisch, denn die zunehmend steigenden Mieten und Lebenshaltungskosten lassen sich damit kaum finanzieren“, erklärt Sigrid Wolf Vorsitzende des DGB-Stadtverbandes Düsseldorfs. „Wer nicht über zusätzliche Einkünfte wie eine Betriebsrente verfüge, kein abbezahltes Wohneigentum besitze oder die Lebenshaltungskosten nicht mit einem Partner/einer Partnerin teilen könne, für den werde es im Alter schnell finanziell eng.“
Die Differenz zwischen der Rentenhöhe bei Männern und Frauen in Düsseldorf ist mit rund 254 Euro und damit 21% Unterschied eine der Geringsten in NRW. Diese zeigt, dass Frauen in der Landeshauptstadt im NRW-Vergleich zwar etwas besser abgesichert sind als in vielen anderen Regionen, aber Anlass zur Entwarnung ist dies nicht. Mit durchschnittlich 970 Euro im Monat liegen die Renten vieler Frauen noch immer auf einem Niveau, das angesichts der hohen Mieten und Lebenshaltungskosten in Düsseldorf kaum finanzielle Spielräume lässt. Diese Lücke, auch als Gender Pension Gap bekannt, besteht seit Jahren und ist weiterhin ein deutlicher Ausdruck struktureller Ungleichheit auf dem Arbeitsmarkt. „Wer die Rentenlücke schließen will, muss die Ursachen beseitigen: gleiche Bezahlung für gleichwertige Arbeit, mehr Tarifbindung, existenzsichernde Beschäftigung statt Teilzeitfalle, eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie eine starke gesetzliche Rente“, erklärt Annemarie Benke, Gewerkschaftssekretärin.
Zudem zeigt sich in Düsseldorf bei den Zahlen der Grundsicherung die Problematik noch weiter. Die höchste Grundsicherungsquote innerhalb NRWs lag 2022 in Düsseldorf mit 9,4 Prozent. Durch die Babyboomer-Generation wird die Zahl der Rentner*innen in den nächsten Jahren außerdem noch stark ansteigen. Düsseldorf zeigt damit, dass selbst eine wohlhabende Stadt wegen hoher Wohnkosten überdurchschnittliche Altersarmut aufweisen kann.
Die Zahlen aus dem DGB-NRW-Rentenreport machen außerdem deutlich, dass es sehr viele Menschen in NRW gar nicht schaffen, bis zum regulären Renteneintrittsalter zu arbeiten, da sie vorher krank oder arbeitslos werden. „In NRW lag das durchschnittliche Renteneintrittsalter 2024 von Frauen bei 64,84 Jahren und von Männern bei 64,66 Jahren, Erwerbsgeminderte gehen sogar rund zehn Jahre früher in Rente“, so Benke. „Daher ist es falsch, das Rentenalter pauschal zu erhöhen und den Renteneintritt an die Lebenserwartung zu koppeln, wie es die Rentenkommission vorschlägt. Das würde in vielen Fällen schlicht eine Rentenkürzung bedeuten.“
Kritisch sieht Sigrid Wolf zudem die Pläne der Rentenkommission für eine stärkere kapitalgedeckte Altersvorsorge. „Wir unterstützen ausdrücklich das Ziel der Rentenkommission, das Rentenniveau zu stabilisieren. Statt riskanter Börsenmodelle brauchen wir aber eine verpflichtende Betriebsrente für alle sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten, die von den Arbeitgebern mindestens mitfinanziert wird.“
Positiv bewertet der DGB den Vorschlag der Rentenkommission, dass mit Selbstständigen und Abgeordneten mehr Menschen in die gesetzliche Rente einzahlen sollen. „Und auch Minijobs verpflichtend mit in die Rentenversicherung einzubeziehen, unterstützen wir ausdrücklich: Wer arbeitet, muss vom ersten Euro an in die Rentenkasse einzahlen und dann auch im Alter davon profitieren“, sagt die Stadtverbandsvorsitzende Sigrid Wolf.
Hintergrund:
Die im Report zusammengestellten Zahlen stammen von der Deutschen Rentenversicherung und beziehen sich auf das Jahr 2024. Den kompletten Rentenreport des DGB NRW können Sie hier einsehen: www. nrw.dgb.de/politik-vor-ort/soziale-sicherheit-in-nrw/rentenreport/