„Wild auf Gleichstellung“: DGB bringt Gleichstellung auf die Straße

DGB macht am Eigelstein auf die weiterhin ungleichen Chancen von Frauen auf dem NRW-Arbeitsmarkt aufmerksam

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Dachzeile Gut ausgebildet, schlechter bezahlt: Warum der DGB mit Tragetaschen für Gleichstellung wirbt

Eine Tragetasche kann ein politisches Statement sein: Unter dem Motto „Wild auf Gleichstellung“ hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) am Mittwoch am Eigelstein und rund um die Torburg mit einer Verteilaktion auf die weiterhin bestehenden Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt aufmerksam gemacht. Im Mittelpunkt standen der aktuelle DGB-Datenreport zur Gleichstellung in NRW und eine eigens für die Aktion gestaltete Tragetasche.
Dabei ging es um Zahlen, die auf den ersten Blick überraschen: Frauen in NRW sind im Durchschnitt besser qualifiziert als Männer – verdienen aber dennoch weniger und arbeiten deutlich häufiger in Teilzeit oder Minijobs.
So verfügen laut DGB-Datenreport 59,2 Prozent der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen in NRW über einen anerkannten Berufsabschluss. Bei den Männern sind es 55,1 Prozent. Gleichzeitig verdienen Frauen in NRW im Durchschnitt 15 Prozent weniger pro Stunde als Männer.

Gut qualifiziert, weniger bezahlt
Auch bei der Beschäftigung zeigen sich deutliche Unterschiede. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsquote lag 2023 bei Frauen in NRW bei 56,1 Prozent, bei Männern bei 64,9 Prozent. Von den sozialversicherungspflichtig Teilzeitbeschäftigten sind 76,1 Prozent Frauen. Bei den Minijobs liegt ihr Anteil bei 59,4 Prozent.
„Die Zahlen zeigen: Es fehlt nicht an Qualifikation oder Bereitschaft. Es fehlen Rahmenbedingungen, die Frauen ermöglichen, ihre Arbeit und ihre Qualifikationen entsprechend einzusetzen und davon unabhängig zu leben“, sagt Judith Gövert, Geschäftsführerin des DGB Köln-Bonn.
Ein zentraler Faktor ist die unbezahlte Sorgearbeit. Frauen in NRW wenden dafür nach Angaben des Datenreports durchschnittlich fast 30 Stunden pro Woche auf, Männer rund 20 Stunden. Fehlende oder unzuverlässige Betreuungsangebote und nicht ausreichend familiengerechte Arbeitszeiten wirken sich unmittelbar auf die Erwerbsarbeit aus – und damit auch auf Einkommen, berufliche Entwicklung und soziale Absicherung.

Gleichstellung ist keine Tragetasche – aber sie muss sichtbar werden
Mit der Aktion „Wild auf Gleichstellung“ bringt der DGB diese Zusammenhänge dorthin, wo sie alle betreffen: auf die Straße.
„Gleichstellung darf nicht nur in Berichten und Sonntagsreden stattfinden. Sie entscheidet ganz konkret darüber, wer wie viel verdient, wer Arbeitszeit reduzieren kann und wer im Alter finanziell abgesichert ist. Deshalb haben wir die Zahlen dahin gebracht, wo Menschen unterwegs sind: mitten in Köln“, sagt Gövert.
Die Verteilaktion ist Teil der DGB-Kampagne „Gleichstellung? Jetzt umsetzen!“. Der zugrunde liegende Datenreport wurde vom Institut Arbeit und Technik (IAT) der Westfälischen Hochschule im Auftrag des DGB NRW erstellt und im Vorfeld des Internationalen Frauentags 2026 veröffentlicht.
Der DGB fordert unter anderem eine verlässliche Kinderbetreuungs- und Pflegeinfrastruktur, familiengerechte Arbeitszeiten sowie bessere Bedingungen für existenzsichernde Beschäftigung von Frauen.

Und in Köln?
Für Köln heißt das: Gleichstellung muss auch kommunal umgesetzt werden. Die Stadt ist selbst eine große Arbeitgeberin und hat damit eine Vorbildfunktion – bei der gezielten Förderung von Frauen ebenso wie bei guten Bedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Gleichzeitig dürfen Gleichstellungsprojekte nicht an knappen Kassen scheitern. Und bei der Kinderbetreuung braucht es eine bedarfsgerechte, verlässliche und qualitativ hochwertige Infrastruktur. Denn gute Kita-Versorgung ist nicht nur Familienpolitik, sondern auch konkrete Arbeitsmarkt- und Gleichstellungspolitik.

Die Botschaft vom Eigelstein ist deshalb klar: Gleichstellung ist kein Extra. Sie ist Arbeitsmarktpolitik, Sozialpolitik – und eine Frage guter Arbeit.

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