Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 25.08.2014

DGB NRW warnt vor sinkendem Rentenniveau und steigender Altersarmut - Rentenreport zeigt große regionale Unterschiede in NRW

Der DGB NRW hat heute in Düsseldorf seinen aktuellen Rentenreport vorgestellt. „Wir bekommen in Nordrhein-Westfalen ein massives Rentenproblem, wenn wir nicht zügig und konsequent gegensteuern“, fasste Andreas Meyer-Lauber, Vorsitzender des DGB NRW, die Ergebnisse zusammen. „Der Trend ist eindeutig: Die Menschen müssen immer länger arbeiten und haben dennoch geringere Rentenansprüche.“ Schuld sei vor allem das ständig sinkende Rentenniveau. „Schon jetzt liegt der Rentenanspruch – nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherung - bei nur noch 45 Prozent des Arbeitslohns. Es ist absehbar, dass sich dieser Abwärtstrend mit dem demografischen Wandel weiter fortsetzt.“ Mit durchschnittlich 1.007 Euro im Monat erhalte ein nordrhein-westfälischer Mann, der 2013 erstmals Rente bezog, schon 150 Euro weniger als ein Mann, der sich 2013 bereits in Rente befand. „Durchschnittsverdiener werden immer größere Schwierigkeiten haben, ihren gewohnten Lebensstandard aufrecht zu erhalten. Für Geringverdiener sieht es noch schlechter aus, sie laufen sogar Gefahr, lediglich Rentenansprüche zu erwirtschaften, die unterhalb der staatlichen Grundsicherung liegen.“ Der DGB NRW schlage daher vor, die Rentenbeiträge für Arbeitnehmer und Arbeitgeber schrittweise von heute 18,9 Prozent auf 22 Prozent im Jahr 2030 anzuheben. „Mit dieser moderaten Steigerung könnten weitere Rentenkürzungen ebenso verhindert werden wie eine Erhöhung des Renteneintrittsalters.“

Auffällig seien die großen Unterschiede in der Rentenhöhe zwischen den einzelnen Städten und Gemeinden in NRW, so Meyer-Lauber weiter. „Die Finanzlage einer Stadt oder Gemeinde sagt nichts über die Rentenansprüche ihrer Bewohner aus.“ So bekämen Männer, die 2013 erstmals Rente bezogen, die höchsten Zahlungen in Siegen-Wittgenstein und Wesel, während Düsseldorf und Bonn zu den Schlusslichtern zählten. „Dort, wo es eine starke industrielle Basis mit guten Tarifverträgen und anständigen Löhnen gibt, sind die Renten höher als in Städten, die vor allem durch Dienstleistungen und Verwaltung geprägt sind. Gute Arbeit ist die beste Garantie gegen Altersarmut.“ Bei den Frauen sei vor allem der Umfang der Erwerbstätigkeit für die Rentenhöhe entscheidend. „Daher beziehen die Düsseldorferinnen und Bonnerinnen die höchsten Renten, Schlusslicht ist hier der Kreis Borken.“

Anlass zur Sorge bereiteten die Renten, die nicht aus Altersgründen, sondern wegen Krankheit ausgezahlt werden, ergänzte Dr. Sabine Graf, stellvertretende Vorsitzende des DGB NRW. „Die Höhe der sogenannten Erwerbsminderungsrenten befindet sich auf äußerst niedrigem Niveau. So lag die durchschnittliche Erwerbsminderungsrente von männlichen NRW-Neurentnern 2013 bei gerade einmal 667 Euro monatlich, ein Jahr zuvor waren es noch 101 Euro mehr. Frauen müssen mit 90 Euro weniger auskommen, sie erhielten 2013 nur noch 667 Euro.“ Der Report zeige zudem eine starke Veränderung bei den Diagnosen, die zu Erwerbsunfähigkeit führen. „Wurden 2003 in NRW noch keine 30 Prozent der Erwerbsminderungsrenten wegen psychischer Erkrankungen ausgezahlt, sind es heute schon über 45 Prozent. Gleichzeitig sinkt der Anteil von Arbeitnehmern, die aufgrund schwerer körperlicher Arbeit aus dem Berufsleben ausscheiden müssten.“ Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen, fordert der DGB NRW mehr alters- und alternsgerechte Arbeit in den Betrieben. „Außerdem brauchen wir eine Anti-Stress-Verordnung, die Beschäftigte vor psychischen Belastungen schützt“, so Graf weiter.


Hier finden Sie den DGB NRW Rentenreport und den Sprechzettel von Herrn Meyer-Lauber und Frau Dr. Sabine Graf zum Download:


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