Ausbildungsreport 2025

der DGB-Jugend NRW

Um die Qualität der Ausbildung in NRW zu bewerten, befragt die DGB-Jugend regelmäßig Auszubildende aus den 25 häufigsten Ausbildungsberufen. Für diesen Report wurden zwischen September 2024 und April 2025 mehr als 2.500 Auszubildende aus NRW befragt. Dabei wurden Fragen in vier Kategorien gestellt: Zur fachlichen Qualität der Ausbildung im Betrieb und am Berufskolleg, zu den Ausbildungszeiten und Überstunden, zur Ausbildungsvergütung, und zur persönlichen Bewertung der Ausbildung.

Die gute Nachricht ist: Von den Betrieben, die in NRW ausbilden, bietet die Mehrheit gute Ausbildungsbedingungen an. Sieben von zehn Azubis sind mit ihrer Ausbildung insgesamt sehr zufrieden oder zufrieden. Diese gute Nachricht kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Bewertungen je nach Ausbildungsberuf sehr unterschiedlich ausfallen und es zum Teil erhebliche Mängel gibt. 

Auch hier gibt es eine große Kontinuität: Es sind praktisch immer dieselben Branchen, die ihre Hausaufgaben nicht machen. Unser diesjähriges Gesamtranking (s. 7) des Ausbildungsreportes zeigt: Bankkaufleute, Industriemechaniker*innen und Kaufleute für Büromanagement bewerten die Qualität ihrer Ausbildung am besten. Am unteren Ende befinden sich KFZ-Mechatroniker*innen, Verkäufer*innen und Anlagenmechaniker*innen. Sie haben ihre Ausbildungen am schlechtesten bewertet.

Was ist nun ausschlaggebend dafür, wenn Azubis ihrer Ausbildung eine schlechte Bewertung geben? 

Nach eigenen Angaben gehören regelmäßige Überstunden (S. 23/24) für ein Drittel (33 Prozent) der in Nordrhein-Westfalen befragten Auszubildenden zum Ausbildungsalltag. Dabei gibt es große Unterschiede zwischen den Ausbildungsberufen. Zwischen 45 und 58 Prozent der angehenden Hotelfachleute, Zahnmedizinischen Fachangestellten, Bankkaufleute, Köchinnen und Köche sowie Automobilkaufleute gaben an, regelmäßig Überstunden zu leisten. Demgegenüber müssen nur zwischen 17 und 19 Prozent der befragten Elektroniker*innen für Betriebstechnik, Fachlagerist*innen, Friseur*innen und Fachinformatiker*innen regelmäßig länger arbeiten.

Gut 15 Prozent der Auszubildenden aus Nordrhein-Westfalen geben an, im Betrieb immer oder häufig ausbildungsfremde Tätigkeiten (S. 17) leisten zu müssen. Das kann Kaffeekochen sein, Botengänge für den Chef oder Putztätigkeiten. Auch hier sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Ausbildungsberufen groß: Während beispielsweise zwischen 33 und 39 Prozent der befragten Anlagenmechaniker*innen, KFZ-Mechatroniker*innen, Automobilkaufleuten und Mechatroniker*innen angeben, immer bzw. häufig ausbildungsfremde Tätigkeiten verrichten zu müssen, kommt dies bei der Hälfte der befragten Berufe entweder gar nicht oder kaum vor.

Gut 8 Prozent der Azubis in NRW haben nach eigenen Angaben kein*e Ausbilder*in, der sie betreut. Knapp 12 Prozent der Auszubildenden mit Ausbilder*innen geben an, dass diese nur selten bis nie präsent sind. Um Azubis fachlich und menschlich gut durch ihre Ausbildung zu begleiten, ist es aber absolut notwendig, dass Ausbilder*innen im Arbeitsalltag verfügbar und ansprechbar sind. 

Natürlich spielt auch die Ausbildungsvergütung (S. 30/31) eine Rolle, wenn es um die Bewertung der eigenen Ausbildung geht. Zwischen den verschiedenen Ausbildungsberufen bestehen dabei erhebliche Unterschiede. So verdienen angehende Bankkaufleute (1.300 Euro) und Elektroniker*innen für Betriebstechnik (1.232 Euro) durchschnittlich fast doppelt so viel wie angehende Friseur*innen (719 Euro).

Die Höhe der Ausbildungsvergütung ist aber nicht nur ein Faktor für die Zufriedenheit der Azubis. Sie kann auch entscheidend dafür sein, ob Jugendliche einen Ausbildungsplatz überhaupt annehmen können. Gerade in Großstädten sind Mieten und Lebenshaltungskosten oft zu hoch, um durch eine Ausbildungsvergütung finanziert zu werden. Daher fordert die Gewerkschaftsjugend neben Azubi-Wohnheimen und vergünstigten Azubi-Tickets auch eine höhere Mindestausbildungsvergütung. Kein Azubi soll weniger als 80 Prozent der durchschnittlichen Ausbildungsvergütung erhalten, die in Tarifverträgen vereinbart ist – branchenübergreifend und bundesweit. Konkret heißt das: Sie sollten im ersten Ausbildungsjahr aktuell mindestens 834 Euro erhalten!

Zu wissen, dass sie nach der Ausbildung im Betrieb bleiben können und eine langfristige Perspektive erhalten, gibt jungen Frauen und Männern Sicherheit und ist deshalb für die Attraktivität der Ausbildung sehr entscheidend. Weniger als vier von zehn (38 Prozent) der befragten Azubis hatten zum Zeitpunkt der Befragung allerdings eine Zusage erhalten, dass sie nach der Ausbildung übernommen werden. 6 Prozent wussten bereits, dass sie nicht übernommen werden, 56 Prozent hatten dazu noch keine Aussage des Arbeitgebers erhalten. 

Grundsätzlich gilt übrigens: Je größer der Betrieb, desto höher die Zufriedenheit der Auszubildenden. Das liegt einerseits daran, dass Großbetriebe bessere personelle und materielle Voraussetzungen haben, die eine strukturierte und qualitativ hochwertige Ausbildung gewährleisten. Zum anderen verfügen sie eher über kollektive Mitbestimmungsstrukturen wie Betriebs- und Personalräte oder Jugend- und Auszubildendenvertretungen, die darauf achten, dass Ausbildungspläne und gesetzliche Vorgaben eingehalten werden. Das bedeutet aber natürlich nicht, dass nicht auch kleine Betriebe tolle Ausbildungsbedingungen bieten können. Sie haben die Chance, mit einer stärkeren persönlichen Beziehung und besonderem Engagement zu punkten. 

Über die konkreten Ausbildungsbedingungen hinaus ist auch die Frage, ob junge Menschen ihren Wunschberuf erlernen können oder in einer Ausbildung landen, die eigentlich nicht ihren Kompetenzen und Interessen entspricht, für die Zufriedenheit entscheidend. Auszubildende, die in einem von ihnen ungeplanten Berufen gelandet sind, sind demnach deutlich seltener (sehr) zufrieden mit ihrer Ausbildung (61 Prozent) als die Auszubildenden, die ihren Wunschberuf (82 Prozent) erlernen können. Von den Auszubildenden, die ihren Ausbildungsberuf lediglich als „Notlösung“ bezeichneten, sind sogar nur 32 Prozent mit der Ausbildung zufrieden. Gerade bei diesen Auszubildenden ist die Gefahr eines Ausbildungsabbruchs deutlich höher. Das zeigt, dass es wenig Sinn hat, Jugendliche in eine Ausbildung zu drängen, die nicht ihren Neigungen entspricht. 

Das Berufskolleg ist neben dem Betrieb die zweite Säule in der Dualen Berufsausbildung und für eine gelingende Berufsausbildung ebenso wichtig wie der jeweilige Ausbildungsbetrieb. Deshalb ist es mehr als bedenklich, dass nur rund 54 Prozent der befragten Azubis angeben, die fachliche Qualität des Unterrichts an ihrer Berufsschule sei gut oder sehr gut. Hier stehen die Ausbildungsbetriebe mit 68 Prozent deutlich besser da. Die Rahmenbedingungen, unter denen in den Berufsschulen gelehrt und gelernt wird, müssen daher nachhaltig verbessert werden. Dazu gehört in erster Linie eine bessere materielle und personelle Ausstattung. Nur dann können Berufsschullehrer*innen angemessen auf die Auszubildenden eingehen, Lerninhalte auf hohem Niveau vermitteln, mögliche bestehende theoretische Defizite der betrieblichen Ausbildung ausgleichen und die Herausforderungen der Digitalisierung im Unterricht meistern. 

Man sieht: Ob Überstunden, ausbildungsfremde Tätigkeiten, das Fehlen eines Ausbilders oder unklare Übernahmeperspektiven – all das sind Stellschrauben, die Betriebe drehen können und müssen, um ihre Ausbildungsbedingungen zu verbessern und in der Konkurrenz um künftige Fachkräfte mithalten zu können. Derzeit lösen fast 30 Prozent aller Auszubildenden in Nordrhein-Westfalen ihren Ausbildungsvertrag vor dem Ende der vorgesehenen Ausbildungsdauer auf. Diese Zahl muss deutlich verringert werden! Darüber hinaus brauchen wir mehr Ausbildungsplätze, ein funktionierendes Übergangssystem und bessere Rahmenbedingungen an unseren Berufskollegs, um die Duale Berufsausbildung in NRW fit für die Zukunft zu machen.