Ausbildungsreport der DGB-Jugend NRW: Überstunden, schlechte Vergütung, unklare Übernahmeperspektiven – Luft nach oben bei den Ausbildungsbedingungen in NRW

Datum

Die DGB-Jugend NRW hat Azubis aus Nordrhein-Westfalen nach ihren Erfahrungen in der Ausbildung befragt. Am 11. Februar wurde der Ausbildungsreport 2025 im Rahmen eines Pressegesprächs vorgestellt.

„Es gibt eindeutig Licht und Schatten auf dem NRW-Ausbildungsmarkt“, fasst Andreas Jansen, Leiter der Abteilung Jugend beim DGB NRW, die Ergebnisse zusammen. „Die gute Nachricht ist: Die Mehrheit der Betriebe in NRW bietet gute Ausbildungsbedingungen an.“ Insgesamt seien 69 Prozent der befragten Auszubildenden mit ihrer Ausbildung sehr zufrieden oder zufrieden. „Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass bei 31 Prozent der Ausbildungsverhältnisse noch deutlich Luft nach oben ist und es zum Teil erhebliche Mängel gibt.“ Dabei variiere die Ausbildungszufriedenheit zwischen den Ausbildungsberufen erheblich, so Jansen. „Während 100 Prozent der befragten Bankkaufleute angeben, mit ihrer Ausbildung zufrieden zu sein, trifft dies nur für 59 Prozent der Verkäufer*innen zu.“ Dies sei leider nichts Neues, so Jansen weiter. „Es sind seit Jahren praktisch immer dieselben Branchen, die in unserer Befragung negativ auffallen. Hier muss endlich ein Umdenken stattfinden!“

In der Befragung gibt ein Drittel (33 Prozent) der Azubis an, regelmäßig Überstunden machen zu müssen. Ausbildungsfremde Tätigkeiten, wie zum Beispiel Kaffeekochen, Botengänge für den Chef oder Putztätigkeiten, gehören für 15 Prozent der Azubis zum Ausbildungsalltag. Gut acht Prozent der Befragten haben nach eigenen Angaben keinen Ausbilder, der sie betreut. Und von denen, die einen Ausbilder haben, sagen fast 12 Prozent, dass dieser nie oder nur selten präsent ist. Vielen Azubis fehlt zudem eine klare Übernahmeperspektive: 56 Prozent wussten zum Zeitpunkt der Befragung noch nicht, ob sie nach der Ausbildung von ihrem Betrieb übernommen werden. Auch bei der Ausbildungsvergütung gibt es erhebliche Unterschiede: Während angehende Bankkaufleute rund 1.300 Euro verdienen, ist es bei angehenden Friseur*innen mit 719 Euro nur halb so viel.

„Betriebe, die ihre Azubis schlecht behandeln und unattraktive Ausbildungsbedingungen bieten, müssen sich nicht wundern, wenn niemand bei ihnen lernen will oder eine Ausbildung nach kurzer Zeit wieder abgebrochen wird“, kommentiert Thorben Albrecht, Vorsitzender des DGB NRW. „Damit bringen sie nicht nur die jungen Menschen um gute Zukunftsperspektiven, sondern auch sich selbst: Nur Unternehmen, die eine qualitativ hochwertige Ausbildung anbieten, können in der Konkurrenz um künftige Fachkräfte mithalten.“ Neben besseren Ausbildungsbedingungen gebe es aber noch weitere Stellschrauben auf dem NRW-Ausbildungsmarkt, die dringend gedreht werden müssten: „Derzeit verbleibt jeder fünfte junge Mensch in NRW ohne Berufsabschluss. Um das zu ändern, brauchen wir eine deutlich höhere Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen und ein funktionierendes Übergangssystem zwischen Schule und Beruf. Damit junge Menschen auch Ausbildungsplätze annehmen können, die nicht in ihrem Heimatort liegen, müssen zudem ein vergünstigtes Azubi-Ticket flächendeckend eingeführt und deutlich mehr Azubi Wohnheime gebaut werden.“ Über die aktuelle Sozialstaatsdebatte könne man nur den Kopf schütteln, so Albrecht. „Anstatt jede Woche eine neue Schnapsidee zu präsentieren, wie man die Arbeitnehmer*innen in Deutschland stärker belasten und die Sozialleistungen weiter herunterfahren kann, sollten wir endlich allen jungen Menschen die Möglichkeit geben, einen Berufsabschluss zu erwerben und in die sozialen Sicherungssysteme einzuzahlen.“

Hier finden Sie den Ausbildungsreport zum Download.

 

Hintergrund:

Um die Qualität der Ausbildung in NRW zu bewerten, befragt die DGB-Jugend regelmäßig Auszubildende aus den 25 häufigsten Ausbildungsberufen. Für diesen Report wurden zwischen September 2024 und April 2025 mehr als 2.500 Auszubildende aus NRW befragt. Dabei wurden Fragen in vier Kategorien gestellt: Zur fachlichen Qualität der Ausbildung im Betrieb und am Berufskolleg, zu den Ausbildungszeiten und Überstunden, zur Ausbildungsvergütung und zur persönlichen Bewertung der Ausbildung.

Am besten bewerten in diesem Report Bankkaufleute und Industriemechaniker*innen die Qualität ihrer Ausbildung. Am unteren Ende des Gesamtrankings finden sich Verkäufer*innen und Anlagenmechaniker*innen.

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