Die gesetzliche Rente reicht für viele Menschen in Nordrhein-Westfalen nicht aus, um ihren Lebensstandard im Alter zu sichern. In einem Rentenreport hat der DGB NRW die aktuellsten verfügbaren Zahlen rund um die gesetzliche Rente in Nordrhein-Westfalen zusammengestellt und gibt eine fundierte Bestandsaufnahme, wie es um die Rente in NRW steht.
„Besonders Frauen, Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen und Beschäftigte im Niedriglohnsektor sind von niedrigen Renten betroffen und von Altersarmut bedroht“, erklärt Anke Unger, stellvertretende Vorsitzende des DGB NRW. „Aber auch für Rentner*innen in Großstädten wie Düsseldorf oder Köln wird es zunehmend schwieriger, die hohen Mieten und Lebenshaltungskosten einer Großstadt mit ihren vergleichsweisen niedrigen Altersrenten zu finanzieren.“ Wer nicht über zusätzliche Einkünfte wie eine Betriebsrente verfüge, kein abbezahltes Wohneigentum besitze oder die Lebenshaltungskosten nicht mit einem Partner teilen könne, für den werde es im Alter schnell finanziell eng.
Während Männer in NRW im Jahr 2024 durchschnittlich 1.535 Euro Altersrente erhielten, kamen Frauen lediglich auf 876 Euro. Männer, die 2024 erstmals eine Rente bezogen, bekamen im Schnitt sogar nur 1.400 Euro (Frauen: 936 Euro). „Dieser Trend wird sich in Zukunft verschärfen“, so Unger. „Der Wegfall von tarifgebundenen, fair bezahlten Industriearbeitsplätzen wird sich auf die Rentenhöhe auswirken. Daher brauchen wir eine Stabilisierung und perspektivisch eine Erhöhung des Rentenniveaus!“
Der Rentenreport zeigt zudem erhebliche regionale Unterschiede bei den Rentenhöhen in NRW. Bei den Frauen reichte die durchschnittliche Altersrente im Rentenzugang 2024 von lediglich 818 Euro in Gelsenkirchen bis zu rund 1.030 Euro im Kreis Mettmann. Noch größer ist die Spreizung bei den Männern: Während in Münster durchschnittlich nur etwa 1.185 Euro erreicht wurden, lagen die Renten im Rhein-Erft-Kreis bei rund 1.591 Euro. „Grundsätzlich kann man sagen: In stark industriell geprägten Regionen wie dem Ruhrgebiet sind die die Renten für Männer dank starker Tarifverträge und guter Löhne aktuell noch vergleichsweise hoch. Da hier das klassische Zuverdienermodell lange sehr verbreitet war, sind die Renten der Frauen hier wiederum besonders niedrig“, erklärt Unger.
Die Zahlen machen außerdem deutlich, dass es sehr viele Menschen in NRW gar nicht schaffen, bis zum regulären Renteneintrittsalter zu arbeiten, da sie vorher krank oder arbeitslos werden. „In NRW lag das durchschnittliche Renteneintrittsalter 2024 von Frauen bei 64,84 Jahren und von Männern bei 64,66 Jahren, Erwerbsgeminderte gehen sogar rund zehn Jahre früher in Rente“, so Unger. „Daher ist es falsch, das Rentenalter pauschal zu erhöhen und den Renteneintritt an die Lebenserwartung zu koppeln, wie es die Rentenkommission vorschlägt. Das würde in vielen Fällen schlicht eine Rentenkürzung bedeuten.“
Kritisch sieht der DGB NRW zudem die Pläne der Rentenkommission für eine stärkere kapitalgedeckte Altersvorsorge. „Wir unterstützen ausdrücklich das Ziel der Rentenkommission, das Rentenniveau zu stabilisieren. Statt riskanter Börsenmodelle brauchen wir aber eine verpflichtende Betriebsrente für alle sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten, die von den Arbeitgebern mindestens mitfinanziert wird.“
Positiv bewertet der DGB den Vorschlag der Rentenkommission, dass mit Selbstständigen und Abgeordneten mehr Menschen in die gesetzliche Rente einzahlen sollen. „Und auch Minijobs verpflichtend mit in die Rentenversicherung einzubeziehen, unterstützen wir ausdrücklich: Wer arbeitet, muss vom ersten Euro an in die Rentenkasse einzahlen und dann auch im Alter davon profitieren“, sagt Unger.
Hintergrund:
Die im Report zusammengestellten Zahlen stammen von der Deutschen Rentenversicherung und beziehen sich auf das Jahr 2024. Den kompletten Rentenreport des DGB NRW können Sie hier einsehen.