Datenreport zur Gleichstellung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt in NRW
Unser Datenreport zeigt, dass wir in NRW von Gleichstellung in der Arbeitswelt noch weit entfernt sind. Frauen sind im Schnitt besser qualifiziert als Männer, ziehen aber im Berufsleben trotzdem häufig den Kürzeren: Sie verdienen weniger, arbeiten häufiger in Teilzeit oder in Minijobs und haben dadurch ein höheres Armutsrisiko. Das liegt nicht an den Frauen selbst, sondern an widrigen Rahmenbedingungen: Weil Frauen den Großteil der Haus- und Sorgearbeit übernehmen, sind sie stärker auf ein gutes Betreuungssystem und auf familiengerechte Arbeitszeitmodelle angewiesen – und daran mangelt es nach wie vor gewaltig.
Deshalb ist klar: Frauen müssen endlich die gleichen Chancen im Berufsleben bekommen wie Männer. Das ist nicht „nur“ eine Frage der Gerechtigkeit, auch unsere Gesellschaft würde erheblich profitieren: Berufstätige Frauen tragen zur wirtschaftlichen Stabilität ihrer Familien bei, sie zahlen Steuern und Sozialabgaben und sie sind dringend benötigte Fachkräfte.
Vor diesem Hintergrund kann man über die aktuelle Sozialstaatsdebatte, die von Arbeitgebern und Teilen der Union immer wieder befeuert wird, nur den Kopf schütteln. Anstatt ständig neue Ideen zu präsentieren, wie man die Arbeitnehmer*innen in Deutschland stärker belasten und die Sozialleistungen schleifen kann, sollten wir endlich denen eine Chance geben, die nur darauf warten, mehr zu arbeiten und mehr in die Kassen der Sozialversicherungen einzuzahlen. Und das sind eben vor allem Frauen.
Download des Datenreports
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Datenreport: Gleichstellung? Jetzt umsetzen! Im Vorfeld des Internationalen Frauentages 2026 hat der DGB NRW einen Datenreport zur Lage von Frauen auf dem NRW-Arbeitsmarkt vorgestellt. Grundlage des Reports sind verfügbare statistische Daten, die das Institut Arbeit und Technik (IAT) der Westfälischen Hochschule im Auftrag des DGB NRW zusammengestellt und ausgewertet hat. Download PDF
Zahlen & Fakten
Die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen ist in den vergangenen Jahren zwar deutlich gestiegen, liegt aber immer noch unter der von Männern (56,1 Prozent vs. 64,9 Prozent). Berufstätige Frauen arbeiten zudem deutlich öfter in sogenannter atypischer Beschäftigung als Männer. 76,1 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Teilzeitjobs und 59,4 Prozent der Minijobs in NRW entfallen auf Frauen. Und obwohl Frauen in NRW oftmals besser qualifiziert sind als Männer, arbeiten sie häufiger in Tätigkeiten, in denen das Anforderungsniveau geringer ist. Während 59,2 Prozent der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen über einen anerkannten Berufsabschluss verfügen, sind es bei Männern nur 55,1 Prozent. Auch beim Gehalt liegen die Geschlechter auseinander: 2025 verdienten Frauen in NRW im Schnitt 15 Prozent weniger pro Stunde als Männer (unbereinigter Gender Pay Gap). Ein wichtiger Grund, warum Frauen ihre Arbeitszeit reduzieren und ihre beruflichen Ambitionen zurückstellen, ist die fehlende Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Hier spielen fehlende oder unzuverlässige Angebote zur Kinderbetreuung eine Rolle, aber auch die ungleiche Verteilung von Care-Arbeit zwischen den Geschlechtern. Während Männer in NRW wöchentlich rund 20 Stunden für Haushaltstätigkeiten und Betreuung von Angehörigen aufbringen, sind es bei den Frauen fast 30 Stunden.
Grafiken aus dem Datenreport
(Auswahl)
Unsere Forderungen für mehr Gleichstellung
Wie man sieht, gibt es großen Handlungsbedarf, damit Frauen endlich den Anteil auf dem Arbeitsmarkt bekommen, der ihnen zusteht und der ihren Qualifikationen entspricht. In den letzten Jahren ist zu wenig passiert, um Frauen angemessen zu fördern und die vielen Hürden aus dem Weg zu räumen. Wir erwarten daher, dass die Bundesregierung, die Landesregierung und die Unternehmen das Thema ganz oben auf ihre Agenda setzen und endlich ihre Hausaufgaben machen. Wir brauchen:
- Eine verlässliche Kinderbetreuungs- und Pflegeinfrastruktur. Trotz des stetigen Ausbaus von KiTa- und OGS-Plätzen stellt die Kinderbetreuung viele Eltern – und vor allem Mütter – vor riesige Herausforderungen, die endlich gelöst werden müssen. Darunter darf allerdings die Qualität nicht leiden: Das im Kinderbildungsgesetz geplante Kern- und Randzeiten-Modell sieht leider genau das vor und ist aus unserer Sicht daher der falsche Weg. Klar ist: Nur wenn Frauen ihre Kinder gut und zuverlässig betreut wissen, werden sie mit gutem Gewissen ihre Arbeitszeit aufstocken können.
- Arbeitszeitmodelle, die zur jeweiligen Lebensphase passen. Viele Frauen geraten in der Familienphase in eine Teilzeitfalle, aus der sie ihr Berufsleben lang nicht mehr herausfinden. Anstatt die Abschaffung des Teilzeitanspruches zu diskutieren, sollten wir über ein echtes Aufstockungsrecht für Teilzeitbeschäftigte sprechen, das für alle gilt. Vielen Eltern würden zudem verkürzte Vollzeitmodelle von 30 oder 32 Stunden helfen, um Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen – hier sind die Arbeitgeber gefragt, mehr solcher Arbeitszeitmodelle anzubieten.
- Die Abschaffung von Minijobs. Sie bedeuten meist niedrige Löhne, fehlende soziale Absicherung und geringe Weiterbildungschancen. Minijobs müssen daher vom ersten Euro an sozialversicherungspflichtig werden.
- Eine gerechtere Verteilung der Erwerbs- und Sorgearbeit. Damit Väter stärker in die Verantwortung kommen, müssen Fehlanreize wie das Ehegattensplitting und die Steuerklasse V reformiert werden. Stattdessen sollte der Staat Anreize für eine partnerschaftliche Aufteilung der Familienarbeit setzen. Wir unterstützen auch den Vorschlag der EU, eine zehntägige bezahlte Freistellung von Vätern nach der Geburt eines Kindes einzuführen.
- Eine Stärkung der Tarifbindung. Tarifverträge fördern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, zudem verdienen Frauen mit Tarifvertrag mehr als ohne. Daher sind Ansätze wie das Tariftreuegesetz NRW Schritte in die richtige Richtung, auch wenn dort sicherlich noch Nachbesserungsbedarf besteht.
- Vereinbarkeitslots*innen in Betrieben und Verwaltungen, die helfen, die Unternehmenskultur familienfreundlicher zu gestalten und Beschäftigte bei Vereinbarkeitsthemen zu unterstützen. Das Land NRW fördert ähnliche Modelle bereits im Bereich Pflege und Beruf.
- Die Aufwertung von frauendominierten Berufen. Besonders soziale Berufe brauchen attraktivere Rahmenbedingungen und höhere Löhne. In Branchen wie dem Einzelhandel oder der Gastronomie werden häufig nur Minijobs oder Teilzeitbeschäftigungen angeboten und eine eigenständige Existenzsicherung von Frauen so verhindert – mit solchen Geschäftsmodellen muss Schluss endlich sein.
Das sind einige wichtige Stellschrauben, an denen Politik und Arbeitgeber drehen müssen, damit Frauen ihre Fähigkeiten voll einbringen können – und dafür auch fair bezahlt werden. Gleichstellungspolitik muss endlich konsequent als Arbeitsmarkt- und Gesellschaftspolitik verstanden und umgesetzt werden!